Auf der Dürener Straße tummeln sich auf wenig Platz viele Verkehrsteilnehmer. Nun sorgt das Mobilitätsdezernat mit dem Vorschlag, Parkbuchten einzurichten, für Aufregung.
Sorge auf der Dürener StraßeKommt der nächste Verkehrsversuch?

Vor allem der Radweg auf dem Bürgersteig sorgt immer wieder für Konflikte.
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Ein Gespenst geht um auf der Dürener Straße. Das Gespenst der Venloer Straße oder auch der Deutzer Freiheit. Denn Geschäftsleute auf dem Abschnitt der Kölner Axialen zwischen Gürtel und Innerer Kanalstraße haben Sorge, sie könnten „Gegenstand“ des nächsten Verkehrsversuches in Köln werden, durchgeführt vom städtischen Mobilitätsdezernat. Noch sehen sie die Dürener Straße als eine der „wenigen funktionierenden Einkaufsstraßen“ außerhalb des Stadtkerns. Doch sie fürchten, wenn die städtischen Verkehrsplaner erst einmal eingreifen in das fragile Konstrukt der engen Straße, dann könnte das einen Dominoeffekt auslösen, in dessen Verlauf auch ihre Geschäftsgrundlage ins Wanken gerät. Die Verkehrsversuche auf der Venloer Straße und an der Deutzer Freiheit sind ihnen da Fanal. Dabei haben sie bisher nur wenige Anzeichen dafür, dass es auf der Dürener Straße auch so kommen könnte. Es ist viel mehr der Ruf, der mittlerweile dem Mobiltätsdezernat unter Ascan Egerer vorauseilt, der ihnen den Schreck in die Glieder fahren lässt.
„Nicht alles gut aber lebensfähig“
Henning Moeller und Michael Spernat würden niemals so weit gehen, zu behaupten, auf der Dürener Straße läuft alles optimal. Die beiden Einzelhändler, organisiert im Ring Lindenthaler Geschäftsleute, wissen sehr wohl um die Fallstricke der Straße, die von Hauswand zu Hauswand gerade einmal 22 Meter misst. „Dass hier nicht alles gut ist wissen wir alle, aber es ist lebensfähig“, umschreibt Möller die Lage. Nicht so gut ist ohne Zweifel der auf dem Bürgersteig geführte Radweg. Das fängt schon damit an, dass er durch eine kleine „Bordsteinkante“ vom Gehwegbereich abgetrennt ist. Wer sie falsch nimmt, riskiert einen Sturz. Um Radlern und Fußgängern die Möglichkeit zu geben, sich aus dem Weg zu gehen, ist seit Jahren die Radwegpflicht aufgehoben. Fahrradfahrer dürfen also auch auf der Straße fahren. Doch das machen bei den beengten Verhältnissen nur die Verwegenen. Zumal die Fahrbahnränder regelmäßig von Lieferwagen zugestellt sind.
Italienische Verhältnisse
Man braucht sich nicht lange auf der Dürener Straße aufhalten, um einen bunten Reigen an Konflikten zu erleben: zwischen Fußgängern und Radfahrern, zwischen Radfahrern und Radfahrern und zwischen Autofahrern und all den anderen. Möller nickt mit dem Kopf: „Ja, es geht hier oft etwas italienisch zu“, sagt er schmunzelnd. Aber wie in einem italienischen Knotenpunkt entwirre sich am Ende alles irgendwie, und alle kämen zumeist heil dabei heraus. Dennoch wollen sich Möller und Spernant Verbesserungsvorschlägen nicht verweigern. „Es geht uns nicht darum, etwas krampfhaft zu verneinen, oder ideologisch abzublocken“, betont Moeller. Doch warum dann die Sorge?
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Michael Spernat und Henning Moeller machen sich als Geschäftsleute sorge um eine der „wenigen noch funktionierenden Geschäftsstraßen in Köln“.
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Die hat ihre Wurzel in einem Gespräch vom 2. Februar. Das Mobilitätsdezernat hatte dazu auf die Dürener Straße eingeladen. Der Rahmen war mit Bezirksbürgermeister, Industrie- und Handelskammer sowie Handwerkskammer durchaus groß gesteckt. „Wir möchten den Lieferverkehr sicherer und effizienter gestalten, indem wir gezielte Lade- und Lieferzonen in den Parkbuchten schaffen“, hieß es im Anschreiben. Ansatzlos ist das Engagement des Dezernates nicht. Die zuständige Bezirksvertretung hatte im April 2025 beschlossen, die Verwaltung soll mal Wege aufzeigen, wie das Laden und Liefern auf der Dürener Straße neu sortiert werden kann. Was die städtischen Verkehrsplaner vor Ort vorlegten, hat Moeller und Spernat noch nicht überzeugt, aber auch noch nicht geängstigt. „Der Vorschlag lautete, drei Ladezonen von einer Länge zwischen sechs bis acht Metern zu schaffen“, erklärt Spernat. So zu sehen, auf einer Skizze, die zu dem Ortstermin vorgelegt wurde. Drei Ladebuchten von einer Größe, die maximal für einen 7,5-Tonner reicht und das für einen Geschäftsstraßenabschnitt von 1,6 Kilometer. Wird dabei noch bedacht, dass die Ladebuchten nicht nur von Lieferanten sondern auch von Handwerkern genutzt werden sollen, durften die Ideengeber wohl nicht mit tosendem Applaus rechnen.
Ladezonen als Feigenblatt?
Doch dann folgte, was bei den beiden Geschäftsleuten das ungute Gefühl aufkommen ließ, in einen Strudel zu geraten: „Schließlich argumentierten die Vertreter der Stadt, durch die Ladebuchten würde auf der Straße der Raum frei, um dort zwei Fahrradstreifen einzurichten“, berichtet Spernat. Erst sei es nur um Ladezonen gegangen, dann auf einmal um Fahrradstreifen. „Was kommt als nächstes“, fragen sie sich. „Vielleicht eine Einbahnstraßenregelung , weil bei zwei Fahrradstreifen nicht mehr genug Platz für einen Zweirichtungsverkehr ist? “ Bevor sie sich versehen, würden sie so in einen Verkehrsversuch geraten, mit vielleicht ähnlich chaotische Zügen wie auf der Venloer Straße. Der sorgte mit skurrilen Regelungen bundesweit für Schlagzeilen, Geschäftsleute beklagten Einbußen, es gab Streit im Viertel, der bis heute nachhallt. „Die Ladezonen waren doch nur ein Feigenblatt, um die Fahrradstreifen auf der Straße einzurichten, mit allen weiteren Folgen“, ist Moeller aufgeschreckt. „Es darf nicht sein, dass so etwas hier einfach über alle Köpfe hinweg entschieden wird, von hinten durch die kalte Küche.“, warnt Spernat.
Und schon gar nicht aus der holen Hand. „Für solche Eingriffe brauchen wir zumindest eine Ahnung davon, was das mit den Verkehrsflüssen macht. Was bedeutet das für die Bachemer oder die Gleuler Straße? Droht dann der Gau der Überlastung?“, fragt sich der Geschäftsmann. Wodurch die Gegenfrage provoziert wird: Es soll also alles so bleiben wie bisher, ein italienisches Durcheinander, von dem selbst die beiden Einzelhändler sagen, dass es nicht optimal ist? Nein, Moeller und Spernat empfehlen minimalinvasive Eingriffe. „Die Kante an dem Radweg muss weg und der Radweg selbst muss deutlich markiert werden. In Rot. So wie an anderen Stellen in der Stadt“, sagt Moeller. Und ja, mit dem Lieferverkehr laufe es zurzeit gar nicht so schlecht. Das liege an einer der Merkwürdigkeiten der Dürener Straße: einem Mehrzweckstreifen in der Mitte der Fahrbahn. Bei normalen Betrieb werde der von den Autofahrern wie eine Trennlinie angesehen, beim Parken in zweiter Reihe jedoch als Ausweichzone genutzt. So ruckle sich die Dürener Straße zu einem funktionierendem Kleinkosmos zurecht – der bitteschön nicht durch Verkehrsversuche aus dem Gleichgewicht gebracht werden dürfe.

Der Lieferverkehr sorgt immer wieder für Engstellen
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Ronald Schüler (Grüne) ist der zuständige Bezirksbürgermeister - und bei seinem Blick auf die Dürener Straße gar nicht so weit weg von der Sichtweise der beiden Geschäftsleute. „Ja, die Dürener Straße hat eine hohe Qualität mit noch vielen inhabergeführten Geschäften, und ja, es geht dort zuweilen italienisch zu“, bestätigt er. „Nur leider haben die Menschen nicht immer diese italienische Gelassenheit.“ Vielmehr rege sich jeder über jeden auf. Und aus dieser Gemengelage heraus sei die Dürener Straße immer wieder Thema in der Bezirksvertretung gewesen. Und darum der Beschluss, nach Wegen zu suchen, den Liefer- und Ladeverkehr besser zu sortieren. Schüler gesteht auch zu, dass der Mehrzweckstreifen in der Mitte der Fahrbahn funktioniere. „Aber nur bei kleinen Autos“, schränkt er ein. Bei großen Autos und den Bussen der Kölner Verkehrs-Betriebe verpuffe der Effekt jedoch. Dass den Geschäftsleuten das Schreckgespenst von den Verkehrsversuchen auf der Venloer Straße und der Deutzer Freiheit vor den Augen steht, kann er bei deren konfliktreichen Verläufen durchaus verstehen. Und es macht den Grünen-Politiker, der beruflich für den Verkehrsclub Deutschland tätig ist, durchaus traurig. Er würde sich ein besseres Klima für neue Verkehrsansätze wünschen.
„Kein Platz für großen Wurf“
Und selbst sein Lösungsansatz sieht nur auf den ersten Blick radikal anders aus, als der von Moeller und Spernat. „Es gibt keine Lösung“, sagt Schüler kategorisch. „Deshalb eiern wir ja auch herum.“ Wobei er dann doch relativiert: „Nur Kleinstmaßnahmen sind denkbar. Für den großen Wurf fehlt dort einfach der Platz.“ Und was sagt die Stadt zu ihrem Vorgehen auf der Dürener Straße? Die Antwort wirkt im Kern so zurückweichend, als sei man selbst davon erschrocken, welchen Schrecken bereits ein erstes Gespräch vor Ort ausgelöst hat: „Seitens der Verwaltung gibt es derzeit keine konkreten Planungen, einen Schutzstreifen auf der Fahrbahn umzusetzen.“
