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KölnMenschen mit ausländischen Namen kommen schwerer an eine Wohnung

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Klingelschild mit Namen

Symbolbild 

Köln – Wohnen ist ein Grundbedürfnis – doch für viele Menschen wird es in Köln immer schwieriger, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Besonders sind laut einer Studie Kölnerinnen und Kölner mit internationaler Geschichte betroffen – egal, ob sie in dritter oder vierter Generation hier leben oder aus ihrem Herkunftsland flüchten mussten.

Für ihre Untersuchung haben die Stadtforscherinnen Hannah Brill und Mariam Manz mit Betroffenen gesprochen und Studien ausgewertet, um den Gründen und auch den Folgen dieser rassistischen Diskriminierung auf die Spur zu kommen. Initiiert hat die Bestandsaufnahme der Runde Tisch für Integration, unterstützt durch die Hans-Böckler-Stiftung. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wo beginnt Diskriminierung, wie zeigt sie sich?

Laut der Studie fast immer schon mit dem Namen, der auf die internationale Geschichte des Bewerbers verweist. Viele der Befragten beschreiben, dass sie fast nie eine Antwort auf ihre Bewerbungen bekommen. Ein Grund dafür sei, dass ein bestimmter religiöser oder ethnischer Hintergrund von privaten Vermietern nicht selten mit bestimmten alltäglichen Praktiken (Kochen mit starken Gewürzen, laute Musik, große Bekanntenkreise) verbunden werde, so die Autorinnen. Da in Köln fast 75 Prozent der Wohnungen durch Privatleute vergeben werden, sei dies ein erheblicher Wirkfaktor.

Wohnungssuche Zettel

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Auffällig sei auch, dass die Betroffenen im Schnitt mit 34 Quadratmeter pro Person deutlich weniger Platz zur Verfügung haben als Menschen ohne internationale Geschichte (50 Quadratmeter). Zugleich zahlen sie im Schnitt 44 Euro mehr Miete für vergleichbaren Wohnraum. Die angespannte Lage auf dem Kölner Wohnungsmarkt begünstige „überteuerte Mietforderungen, die Vermietung von qualitativ schlechtem Wohnraum und illegale Handlungen in dem Vermietungsprozess“. Besonders betroffen seien hiervon Menschen mit begrenzten Sprach- und Rechtskenntnissen.

Was bedeutet das für die Stadtgesellschaft?

Der Anteil von Menschen mit internationaler Geschichte ist in einigen Vierteln mit bis zu 84 Prozent überdurchschnittlich hoch (Chorweiler, Kalk, Vingst), in anderen liegt er unter 20 Prozent (Weiß). Auch Menschen mit internationaler Geschichte, die über ein hohes Einkommen verfügen, kommen in Sülz, Lindenthal oder Klettenberg selten in die engere Auswahl.

Wie viele Wohnungen für kleine Einkommen fehlen?

In Köln gibt es für arme und armutsgefährdete Haushalte lediglich 86 008 bezahlbare Wohnungen. Das ergab eine von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Studie. Ein Grund: Von 2010 bis 2019 sind die mittleren Nettokaltmieten 40 Prozent gestiegen. Im gleichen Zeitraum sank die Zahl sozial geförderter Wohnungen laut Studie von 8 auf 5,7 Prozent, so eine Erhebung der Stadt.

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Weil Wohnen teurer wird und günstigere Wohnungen nicht zur Verfügung stehen, müssen ärmere Haushalte bis zu 59 Prozent ihres Einkommens für die Miete ausgeben, Haushalte mit mehr als 4000 Euro Monatseinkommen dagegen nur 19 Prozent. Dies trifft auf Menschen mit Migrationshintergrund überdurchschnittlich oft zu, denn sie sind überdurchschnittlich oft von Armut betroffen.

Gibt es ein Verbot von Benachteiligung?

Im Jahr 2006 ist das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) in Kraft getretene. Es soll Benachteiligungen „aufgrund der Rasse, der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität“ verhindern. Es gilt aber nur für Anbieter, die mehr als 50 Wohnungen vermieten. Auch bleibt Ungleichbehandlung weiter erlaubt, um „sozial stabile Bewohnerstrukturen“ zu gewährleisten oder wenn Vermieter in räumlicher Nähe zu ihren Mietenden wohnen. Aufgrund dieser großen Interpretationsspielräume gebe es bislang kaum Klagen auf Grundlage des AGG, so die Autorinnen der Studie.

Um die Missstände nicht nur aufzuzeigen, sondern auch anzugehen, will der Runde Tisch jetzt eine Kampagne starten, an der sich Vertreter von Stadt und Wohnungswirtschaft, private Vermieter und Fachleute beteiligen sollen. „Vielleicht trägt sie dazu bei, dass Vermieter ihre Haltung ändern und dass das Thema Wohnungsnot endlich angegangen wird“, so Wolfgang Uellenberg van Dawen.

Interview: Ich wohne im Gästezimmer

Sanae Abdi, 35, ist SPD-Abgeordnete im Deutschen Bundestag. Sie kommt aus Köln.

„Wenn Du mit dem Namen keine Wohnung kriegst, aber als Erste in der Bundesversammlung aufgerufen wirst“ kann man auf Ihrem Twitteraccount zur Wahl des Bundespräsidenten lesen. Seit September sind Sie Mitglied des Bundestages. Haben Sie eine Wohnung in Berlin?

Nein. Ich habe mich für über 200 Wohnungen beworben und wurde drei Mal zum Besichtigungstermin eingeladen. Bis vor kurzem habe ich im Hotel gewohnt, und jetzt im Gästezimmer einer ehemaligen Arbeitskollegin.

Ging das in Köln leichter?

Da habe ich über ein halbes Jahr lang jeden Tag mehrere Vermieter angeschrieben. Ich war Festangestellte, konnte drei Gehälter nachweisen. Mir wurde teils gesagt, dass meine Herkunft der Grund ist. Aber meistens gibt es einfach keine Antwort auf die Bewerbung.

Wie fühlt man sich da?

Man resigniert. Man geht mit dem Gedanken da rein, dass es sowieso keinen Sinn macht. Ich setze jetzt auf Berliner Freundeskreise, dass jemand jemanden kennt... Aber das kann sehr lange dauern.

Was wollen Sie im Zuge Ihrer politischen Arbeit tun?

Ganz dringend etwas gegen die Wohnungsnot. Und das Gesetz gegen Ungleichbehandlung auf dem Mietmarkt nachschärfen, so dass etwa große Wohnungsgesellschaften entsprechend agieren.