Fahrer weiter in akuter Lebensgefahr — Geländer nicht für Fahrzeuge ausgelegt.
Neue Erkenntnisse nach Unfall im RheinUnfallfahrer trieb 20 Minuten im Wasser

Mit dem Bergungsschiff wurde der verunglückte Wagen auf ein Sicherstellungsgelände in Mülheim gebracht.
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Nach dem dramatischen Verkehrsunfall am Rheinufer am Samstagabend haben Spezialisten des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) den im Rhein versunkenen BMW 560 L geborgen. Der Wagen war im Fluss verschwunden und konnte trotz aufwendiger Suche zunächst nicht gefunden werden. Am Montagvormittag wurde das Auto wenige Meter von der Unfallstelle entfernt rund 400 Meter von der Hohenzollernbrücke entfernt gefunden. Es wurde befürchtet, dass der Wagen durch die Strömung möglicherweise abgetrieben wird, doch dem war nicht so. Der Grund für die direkte Nähe ist vermutlich die geringe Strömung wegen der angrenzenden Anlegestellen, hieß es am Unfallort.
Die Bergung verlief laut WSA „erstaunlich einfach und schnell“. Nach fünf bis zehn Minuten konnte das Auto durch einen Kran auf dem Bergungsschiff gegriffen und aus dem Wasser gezogen werden. Es kam auf ein Sicherstellungsgelände in Mülheim. Dass das Auto erst am Montag geborgen wurde, lag an dem Spezialpersonal, das dafür erforderlich war.
Polizei schätzt Chancen auf Überleben als gering ein
Nach und nach werden am Montag neue erschreckende Details des Unfalls bekannt. Der 21 Jahre alte Fahrer des BMW schwebt weiter in akuter Lebensgefahr. „Er trieb zwanzig Minuten im Wasser. Als die Einsatzkräfte ihn in der Nähe der Zoobrücke fanden, war der Mann bewusstlos und lag mit dem Gesicht im Wasser“, hieß es aus Polizeikreisen. Seine Überlebenschancen werden von der Polizei als ausgesprochen gering eingeschätzt. Im evangelischen Krankenhaus in Kalk kämpfen die Ärzte um das Leben des Mannes.
Nach bisherigen Erkenntnissen durchbrach der BMW gegen 19.25 Uhr ein Schutzgitter und stürzte anschließend rund fünf Meter in die Tiefe. Zeugen berichteten, dass der Wagen zuvor nur mit Schrittgeschwindigkeit unterwegs gewesen sei. Im Polizeiprotokoll ist zu lesen, dass der Wagen „im Tempo eines Joggers“ unterwegs war. Das Fahrzeug versank innerhalb weniger Minuten im Wasser. Den beiden Insassen gelang es jedoch, sich noch aus dem sinkenden Wagen zu befreien.
Die 21-jährige Beifahrerin aus Burscheid rettete sich ans Ufer, wo ihr Passanten an einer zum Fluss führenden Treppe aus dem Wasser halfen. Sie erlitt einen Schock, kam ins „Klösterchen“ in der Südstadt und wird dort unter anderem wegen der erlittenen Unterkühlungen medizinisch versorgt. Der Fahrer konnte sich nicht ans Ufer retten. Augenzeugen berichten von herzzerreißenden Szenen. Kurz nach der Rettung stand die Frau am Rheinufer und schrie ihren Schmerz und ihre Verzweiflung laut heraus. Die Polizei alarmierte nach dem Vorfall Seelsorger. Nicht nur für die 21-Jährige, sondern auch für die Familienangehörigen und minderjährigen Zeugen. „Sie mussten mit einem Schock versorgt werden“, sagte ein Polizist der Rundschau.
Ablauf des Unfalls ist noch nicht geklärt
Der genaue Ablauf des Unfalls war auch am Montag nicht abschließend geklärt. Entweder lenkte der Fahrer den BMW von der Machabäerstraße geradeaus zum Rheinufer oder der 21-Jährige fuhr von der Rheinuferstraße auf den Bereich am Rheinufer, wo häufig Autofahrer parken und die Aussicht auf das Rheinpanorama genießen. So auch am Samstag: Ein Paar aus Bergheim saß in ihrem Auto und schaute auf den Rhein, als der BMW an ihnen vorbeifuhr. „Wir haben gedacht, der Wagen würde neben uns parken. Dann rollte das Auto in den Rhein“, sagte der Zeuge gegenüber der Rundschau. Für Verwunderung sorgte bei den eingesetzten Polizisten, dass die eingebauten Absperrgitter den rollenden BMW nicht aufgehalten haben. „Die Geländer sind nicht für den Rückhalt von Fahrzeugen ausgelegt“, teilt die Stadt auf Nachfrage der Rundschau mit, die für die Instandhaltung der Geländer zuständig ist. Der Bereich, in dem der Unfall passiert ist, sei für Pkw nicht freigegeben. Es handele sich um eine ausgewiesene Fußgängerzone, die auch für den Radverkehr freigegeben ist.
Weiter nicht geklärt ist, warum der Fahrer nicht mehr bremsen konnte. Möglich seien ein technischer Defekt oder ein internistischer Notfall, hieß es am Unfallort. Von einem Suizidversuch geht die Polizei nicht aus. „Wir gehen von einem Unfall aus“, sagte ein Polizeisprecher am Samstagabend der Rundschau. Den Beamten gelang es zunächst nicht, den Unfallfahrer zweifelsfrei zu identifizieren. Einen Hinweis auf den möglichen Fahrer erhielten die Beamten durch ein aufgefundenes Kennzeichen am Unfallort. Dies führte die Polizei später an den Kölnberg in Meschenich, wo der Fahrer lebte. Der Fahrer und seine Beifahrerin sind bulgarische Staatsangehörige.
