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„Nur Absagen von Woelki“Katholiken in Köln sind frustriert

3 min
Woelki dpa

Kardinal Woelki

Köln – Es liegt mitten im Herzen der Stadt, das Erzbischöfliche Palais. Doch aus Sicht der katholischen Gemeinden in Köln ist der Wohnsitz des Erzbischofs Rainer Maria Kardinal Woelki der Welt entrückt. Sollte er je geknüpft gewesen sein, so ist der Gesprächsfaden nunmehr gewiss abgerissen.

Und während der Hirte seinen Schäfchen beharrlich den pastoralen Zukunftsweg weist, fühlt die Herde sich orientierungslos sich selbst überlassen. Ein Bild, das Kardinal Woelki wohl entschieden als überzeichnet verwerfen würde. Doch hätte er die diesjährige Vollversammlung des Katholikenausschusses in Köln besucht, es stünde ihm genau so vor Augen. Der Frust ist groß unter den Laien der katholischen Kirche in der Domstadt.

Enttäuschung bricht sich Bahn

Schon bevor es offiziell um den pastoralen Zukunftsweg ging, noch bei den Formalien, brach sich die Enttäuschung Bahn. Ob es denn einen Austausch mit dem Kardinal gebe, wollten die Mitglieder wissen als der Vorsitzende Gregor Stiels – seit einem Jahr im Amt – noch bei seinem Tätigkeitsbericht war. „Nein. Wir haben Briefe geschrieben, um Gespräche gebeten. Aber es gab nur Absagen. Wenn er sich mit uns träfe, müsste er sich mit allen treffen, lautete die Begründung“, so Stiels. Dennoch war die Vollversammlung nicht auf sich selbst gestellt, bei der Diskussion um den pastoralen Zukunftsweg.

Solidarität

Mit einem Offenen Brief hatten sich kürzlich die Seelsorger im Bistum an Kardinal Woelki gewandt. Die Kirche müsse sich mehr bewegen beispielsweise bei der Rolle der Laien oder auch in Fragen der Sexualmoral. Viele im pastoralen Dienst Tätige haben unterschrieben. Nun hat auch der Diözesanrat das Schreiben begrüßt. Auch er empfinde es so, dass allen Engagierten bei der Erneuerung der Kirche immer wieder Steine durch die Bistumsleitung in den Weg gelegt würden. (ngo)

Vera Krause, Leiterin der entsprechenden Diözesanstelle stand Rede und Antwort. Und sie hatte keinen leichten Stand. „Ist der Diözesanpastoralrat das richtige Gremium für den pastoralen Zukunftsweg?“, fragte sie Stiels sogleich. „Viele Fragen der Basis werden dort nicht angesprochen, Woelki ist weit weg, viele Priester wissen nicht Bescheid“, so der Vorsitzende weiter. „Mal die Basis zu fragen, wäre auch eine Wertschätzung der Laien.“

„Wir sollten jetzt einfach machen“

Krause verweist auf die Hirtenbriefe, die der Kardinal veröffentlicht habe, seit Proklamation des pastoralen Zukunftswegs. In ihnen seien die Leitplanken des Weges gesteckt – allen voran die sonntägliche Eucharistiefeier. Und zwischen den Planken gebe es jede Menge Freiheit für Neuentwicklungen in den Gemeinden. Da passe auch die oftmals geforderte Leitung von Gemeinden durch Laien hinein – unterhalb der Ebene des Leitenden Pfarrers in einem Seelsorgebereich. Doch laut Krause würde sich die Basis zu wenig bewegen. „Die Gemeinden sind oft einfach verschlossen. Das hat mit dem Bischof gar nichts zu tun.“

Rumoren im Saal. „Gemeindeleitung durch Laien? Da bekommt unser Pfarrer aber Schnappatmung“, so eine Teilnehmerin. „Und es gibt doch auch gar keine Signale von oben, keine Hoffnungszeichen, dass so etwas wirklich möglich ist“, erwidert Stiels.

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Und dann der sogenannte Sendungsbereich Innenstadt. Zurückgesetzt fühlen sich anscheinend viele andere Gemeinden in Köln, wenn sie sehen, wie viel Personal und Geld in dieses Leuchtturmprojekt des Kardinals gesteckt wird. Andernorts werde hingegen über Nacht ein Seelsorgebereich gebildet – wie beispielsweise kürzlich in Ehrenfeld und Porz – und kaum einer wisse, wie das personell noch gestemmt werden soll.

Stiels zum Abschluss der Vollversammlung: „Würde der Kardinal mit mir reden, würde ich ihm empfehlen, dringend einmal die Gemeinden zu besuchen.“ Doch wie tief mittlerweile der Frust über ihre Hirten bei den katholischen Laien sitzt, verdeutlichte ein daraufhin reingerufener Kommentar eines Teilnehmers: „Nach 20 Jahren Meisner-Diskussion, sollten wir jetzt nicht auch noch eine Woelki-Diskussion führen. Wir sollten jetzt einfach machen.“