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Verkehrsknotenpunkt
Wie es mit dem Ausbau des Kölner S-Bahn-Netzes weitergeht

Lesezeit 1 Minute
Eine S-Bahn steht im Hauptbahnhof in Köln.

Eine S-Bahn steht im Hauptbahnhof in Köln.

Der Ausbau des Kölner Bahnknotens und der S-Bahn wurde seit 2012 von go.Rheinland und DB Netz geplant. Trotz hoher Priorität verzögern lange Genehmigungsprozesse und ein Mangel an Fachkräften den Fortschritt.

Köln ist für die Deutsche Bahn (DB) einer der wichtigsten Verkehrsknoten. Er gilt als Drehscheibe im Westen. Laut DB pendeln täglich rund 350 000 Menschen mit Bahnen, Bussen und Autos nach Köln. Etwa 165 000 Pendlerinnen und Pendler fahren aus Köln ins Umland. Der Kölner Hauptbahnhof zählt mehr als 1300 Zugfahrten am Tag. Die Linien der S-Bahnen in Köln nutzten im Jahr 2022 laut Bahn mehr als 53 Millionen Fahrgäste. Das sind die schlichten Zahlen zur Mobilität in der Region. Wie aber ist es um die Infrastruktur der Bahn bestellt?

S-Bahn-Ausbau in Köln: Gutachten liegt seit langem in der Schublade

Bereits im Jahr 2012 wurde ein Gutachten von go.Rheinland (früher Nahverkehr Rheinland), Deutscher Bahn Netz und dem Landesverkehrsministerium in Auftrag gegeben. Ziel war damals wie heute, mit Ausbaumaßnahmen den Bahnknoten Köln fit für die gestiegenen Anforderungen an den Nah- und Fernverkehr zu machen. Pläne zum Ausbau der sogenannten „Westspange“, wonach die neuen S-Bahnlinien 15, 16 und 17 auf eigenen Gleisen fahren sollen, um die Trassen der Fern-, Güter und Regionalzüge zu entlasten, liegen seit Jahren in den Schubladen. Passiert ist jedoch bisher nichts.

Der geplante S-Bahn-Ausbau in der Region und Köln.

Der geplante S-Bahn-Ausbau in der Region und Köln.

Das Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr (MUNV) des Landes Nordrhein-Westfalen nennt auf Anfrage der Rundschau Gründe für den lang andauernden Planungsprozess. Beim ersten Bau-Abschnitt der „Westspange“ handele es sich auch um den Bau eines neuen S-Bahnsteigs im Kölner Hauptbahnhof. Diese Maßnahme gehöre jedoch auch zum Projekt „S11-Kernpaket“, das den Ausbau der S-Bahnstrecke zwischen Köln-Hauptbahnhof und Bergisch Gladbach beinhalte. Ein Planfeststellungsverfahren werde zeitnah eingeleitet, so eine Sprecherin des Ministeriums.

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„Westspange“: Wichtige Entlastung für Bahnknoten Köln brauch noch Jahrzehnte

Laut go.Rheinland setzt die für Bahnausbauprojekte zuständige „DB InfraGO Abteilung Netz“ in der Regel drei Jahre für ein solches Verfahren an. Abhängig sei das von der Anzahl und Dauer möglicher Einwendungen. Das Verkehrsministerium NRW geht aber davon aus, dass die Bauarbeiten für die „Westspange“ erst beginnen werden, wenn der S11-Ausbau fertiggestellt ist. Der Bahnknoten Köln solle jeweils nur mit einem Bauprojekt belastet werden. Die Bauzeit des S11-Projekts wird auf mindestens acht Jahre geschätzt, so das Verkehrsministerium. Die Bauprojekte miteinander zu verbinden, ist laut go.Rheinland aus planungs- und baurechtlichen Gründen nicht möglich. Somit kommt die Westspange wohl nicht vor 2040.

Beide genannten Projekte sind wichtige, aber nur zwei der geplanten Bahnausbauvorhaben, die den Verkehrsknoten Köln zukünftig entlasten sollen. Weitere sind der laufende S13-Ausbau zwischen Bonn und Troisdorf, der Ausbau der Erftbahn (RB38) zwischen Kerpen-Horrem und Bedburg zu einer elektrifizierten S-Bahnstrecke, der Trassenausbau südlich der Gummersbacher Straße in Köln bis zum Flughafen Köln-Bonn von vier auf sechs Gleise sowie der Ausbau der Oberbergischen Bahn (RB25) zwischen Köln und Gummersbach (siehe Text unten).

Dünne Personaldecke und lange Beantragungszeiten ziehen Projekte in die Länge

Die Probleme, geplante Großprojekte der Bahn zeitnah zu realisieren, sind fast bei jedem der genannten Vorhaben festzustellen. Es dauert Jahre, manchmal Jahrzehnte von der Planung bis zur Fertigstellung. Warum ist das so? Christopher Köhne, Verkehrsexperte der Industrie- und Handelskammer (IHK) Köln, gibt Antworten: „Sowohl die DB InfraGO wie auch die hoch spezialisierten Unternehmen im Bahnbau haben nicht zuletzt wegen des Mangels an Fachkräften aktuell dünne Personaldecken.“ Wenn dann nicht planbare, dringliche Baustellen wie der Wiederaufbau der Eifelstrecke nach der Flutkatastrophe passieren, werden knappe Kapazitäten neu verteilt, und planbare Projekte verzögern sich.

Bei aufwendigeren Bauarbeiten müssen auf den Strecken zudem jeweils Sperrpausen beantragt werden, so Köhne. Dabei werde der Betrieb oft für Tage oder Wochen eingeschränkt oder ganz eingestellt. „Diese Sperrungen sind nötig, um aufwendige Ausbauten bei der S13 zusätzliche Gleise, Weichen, Oberleitungen und Brücken ungestört zu installieren.“

Höchste Priorität: „Jede Beschleunigung ist daher ein Gewinn für die ganze Region“

Das Problem: Der S13-Ausbau greife massiv in die rechten Rheinstrecken ein, die Nordrhein-Westfalen mit vielen industriellen Ballungsräumen zwischen der Nordsee und dem Mittelmeer verbinde. Das Verkehrsaufkommen liege da bei rund 230 Zügen am Tag, erläutert der Verkehrsexperte.

Das im Oktober im Bundestag beschlossene Maßnahmenpaket zur Beschleunigung von Genehmigungsverfahren im Verkehrsbereich hat das Ziel, vor allem Verfahren von wichtigen Infrastrukturprojekten schneller zu gestalten. Köhne weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Baumaßnahmen im Bahnknoten Köln die höchste Dringlichkeitsstufe im Bundesverkehrswegeplan haben. „Jede Beschleunigung ist daher ein Gewinn für die ganze Region.“


S-Bahnprojekte im Bau oder in Planung im Rahmen des Ausbaus „Bahnknoten Köln“

Welche neuen S-Bahntrassen in Köln und Umgebung plant die Bahn, um den „Bahnknoten Köln“ zu entlasten? Wo wird erweitert oder saniert? Die folgende Auflistung ist eine Auswahl der aktuellen und geplanten Bauprojekte der Bahn zur besseren Vernetzung von Köln mit der Region:

S15/16/17: Westspange

Konkrete Planungen laufen seit 2019: Die Deutsche Bahn will ihr Gleisnetz um Köln herum ausbauen. Für die sogenannte Westspange sollen zwei Extra-Gleise für neue S-Bahnlinien gebaut werden. Diese verbinden Köln ab Hürth-Kalscheuren mit der Eifel (S15) und Bonn (S17). Mit der S 16 über die geplante S-Bahn-Station Bonner Wall und die Südbrücke soll eine weitere Verbindung ins Rechtsrheinische, unter anderem zum Flughafen Köln/Bonn, geschaffen werden. Außerdem sind zusätzliche Haltepunkte in Köln geplant. Im Juli 2021 hatten sich das Land und der Bund auf die Finanzierung des Schienen-Infrastrukturprojekts „Westspange Köln“ geeinigt. Der Bund hat dabei zugesichert, 75 Prozent der Baukosten über das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) zur Verfügung zu stellen. Ein Baubeginn steht jedoch noch immer nicht fest.

S11: Köln – Bergisch Gladbach

Mit dem Projekt „S11-Kernpaket“ soll der Ausbau der S-Bahnstrecke zwischen Köln und Bergisch Gladbach vorangetrieben werden. Wichtiger Bauabschnitt des Projektes ist die Erweiterung der S-Bahnsteige am Kölner Hauptbahnhof auf der Seite zum Breslauer Platz. Beginn der Bauarbeiten ist nicht vor 2027 zu erwarten, da das Planfeststellungsverfahren noch nicht läuft und in der Regel drei Jahre dauert.

S13: Troisdorf – Bonn

Baubeginn war bereits 2016: Beim weiteren Ausbau der S13 im laufenden Jahr 2024 stehen laut Bahn vor allem die Errichtung der neuen Gleise zwischen Sankt Augustin-Menden und Bonn-Vilich, die Brückenarbeiten an der A560, der Bau neuer Schallschutzwände sowie die Modernisierung des Bahnhofs Bonn-Beuel im Fokus. Ursprünglich sollten die gesamten Bauarbeiten zwischen Troisdorf und Bonn-Beuel im Jahr 2026 beendet sein. Nun soll nach Bahnaussage die komplette Fertigstellung jedoch erst 2030 erfolgen.

S12: Kerpen – Bedburg

Für eine schnellere Verbindung von Köln nach Bedburg ist geplant, die Strecke zwischen Kerpen-Horrem und Bedburg für den elektrifizierten S-Bahn-Betrieb auszubauen (bisher fährt die RB 38 über Horrem weiter in Richtung Düren). Um höhere Geschwindigkeiten und eine Takt-Verdichtung zu erreichen, werden entlang der bestehenden Regionalbahn-Strecke einige zusätzliche zweigleisige Abschnitte neu gebaut. Ein konkreter Baubeginn steht jedoch noch nicht fest. Das Projekt ist noch im Planverfahren.

S15: Köln – Gummersbach

Auch die geplante Elektrifizierung der RB25 gehört zu den Maßnahmen zur Umsetzung der Netzplanungen NRW 2032 und 2040. Das Ziel ist, die S-Bahn vom Kölner Hauptbahnhof nach Gummersbach im 20-Minuten-Takt und nach Marienheide im 30-Minuten-Takt über die bestehende, noch nicht elektrifizierte Regionalbahnstrecke zu führen. Aktuell laufen noch Brückenarbeiten zwischen Overath und Lüdenscheid, die in diesem Frühjahr beendet sein sollen. (dhi)

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