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Kölner SuchthilfezentrumAnwohner gehen auf die Straße

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Der Demonstrationszug ging über die Severinstraße.

Die Anwohner des Perlengrabens sehen mit Sorge auf das dort geplante Suchthilfezentrum. Nun trugen sie ihren Protest auf die Straße.

„Wir sind hier wir sind laut, weil ihr uns das Veedel klaut!“ riefen die Demonstranten im Chor, als sie die Severinstraße entlang marschierten. Rund 1000 Menschen demonstrierten am Samstagmittag gegen das von der Stadt geplante Suchthilfezentrum (SHZ) am Perlengraben. Sie folgten damit dem Aufruf der Interessengemeinschaft (IG) Pantaleonsviertel. Die Zeit drängt aus Sicht der Demonstranten. Schon diesen Donnerstag soll der Stadtrat über das SHZ entscheiden. Zum Ärger der Anwohner.

Anwohner fühlen sich übergangen

Der Eindruck, die Stadt würde ihre Sorgen ignorieren und sie nicht mit einbeziehen hat sich unter ihnen breitgemacht: „Wenn sie so ein Projekt aus dem Boden stampfen wollen, dann besprechen sie das vorher mit den Anwohnern. Wir sind kein Versuchslabor“, sagt eine Anwohnerin und sieht Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) in der Verantwortung. Es gehe ihnen insbesondere um die Sicherheit am Standort. Vor allem um die der Kinder und Senioren: „Ich spreche heute mal für die älteren Menschen. Wir wünschen, dass wir hier sicher, geordnet und ohne Angst leben können“, sprach ein Anwohner zu den Demonstranten nach der Demo. „Unsere Sorgen richten sich nicht gegen suchtkranke Menschen. Wir wissen, diese Hilfe ist notwendig. Doch wir bitten darum, dass die besondere Situation in diesem Viertel ernst genommen wird.“

Auf Plakaten wurde die Angst vor Kriminalität ausgedrückt.

Und so standen auf den vielen Transparenten, die die Demonstranten mit sich führten, Slogans wie „Basta-Politik?“ Oder: „Eure Entscheidung, unsere Kinder zahlen“ und „Senioren verdienen Sicherheit“. Der Unmut der Anwohner hat längst die Stadt erreicht. Am Donnerstag hat die Bezirksvertretung Innenstadt die Beschlussvorlage des SHZs um neun Unterpunkte ergänzt. Diese Unterpunkte betreffen die Auswirkungen eines SHZs auf die Sicherheit im Veedel. Doch das reiche nicht. „Ich war dabei, als die neun Unterpunkte bestimmt wurden. Die fordern eine ganze Reihe an Antworten auf Fragen. Wenn man sich die Liste anguckt, merkt man, dass die Hälfte der Fragen schon vor der Öffnung des SHZs beantwortet werden müssten“, erklärte Andreas Zittlau, Vorsitzender der IG Pantaleonsviertel, der Rundschau. „Jetzt wollen SPD und Volt zwar, dass die Schulwegsicherheit untersucht wird. Aber erst nach der Öffnung des Suchthilfezentrums. Das ist zu spät!“ Die Pläne der Stadt hätten nicht nur Auswirkungen auf die Sicherheit im Veedel, sie spalte auch die Anwohner, befürchtet Zittlau: „Wir sehen jetzt schon, dass es eine Gegeninitiative gibt, die uns betroffene Anwohner in eine bestimmte Ecke schieben will und am Ende profitieren davon nur die Extremen.“

Werben für sachliche Diskussion

Anwohner der Innenstadt und den angrenzenden Veedel hatten im Januar dieses Jahres als Reaktion auf die Proteste gegen das SHZ die Bürgerinitiative „Südi bleibt solidarisch“ gegründet. Die Bürgerinitiative spricht sich für die Durchsetzung des Zürcher Modells in Köln aus. Dazu gehört die Eröffnung eines SHZs in der Severinstraße, für das ihre Petition derzeit knapp unter der 1.500 Unterschriftenmarke liegt. Die Bürgerinitiative hat sich außerdem in einem offenen Brief für die Eröffnung des SHZs im Perlengraben ausgesprochen: „Wir unterstützen ein Suchthilfezentrum in der Kölner Innenstadt und wollen eine sachliche, solidarisch Stimme in diese Diskussion einbringen. Die gesellschaftlichen Herausforderungen, die mit Suchterkrankungen verbunden sind, steigen zurzeit in Köln an. Wir sehen den dringenden Bedarf für eine Erweiterung der Hilfsangebote für suchterkrankte Menschen in unserer Stadt. Dazu ist es wichtig, Planungsverfahren nicht unnötig aufzuhalten“, heißt es in dem Brief. „Wenn Fachleute einen Standort nach klaren Kriterien als geeignet bewerten, dann respektieren wir diese Entscheidung – auch dann, wenn sie vor der eigenen Haustür liegt.“ Unter den Erstunterzeichnern ist auch der Kriminalbiologe Mark Benecke, der in der vergangenen Kommunalwahl als

In Redebeiträgen wurden die Argumente ausgetauscht.

Oberbürgermeisterkandidat für „Die Partei“ angetreten war. „Sind keine Wutbürger“Es sei ein Treffen mit „Südi bleibt solidarisch“ geplant, erklärt Zittlau: „Wenn man miteinander spricht und Dinge austauscht, dann wird die Gegenseite merken, dass wir keine Wutbürger sind.“ Sollte die Stadt an ihren Plänen festhalten, so sei die IG Pantaleonsviertel bereit, weitere Demos zu planen. „Wir schauen auch momentan, ob wir den juristischen Weg gehen können“, so Zittlau. „Unsere Forderung ist zunächst: Das festgesetzte Datum 5. Februar muss weg. Der künstliche Druck seitens der Stadt muss raus.“ Am kommenden Donnerstag will der Stadtrat über das Hilfezentrum beraten.