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Makaberer Vorfall an Universität zu KölnSchädel eines australischen Ureinwohners gestohlen – nur zwei übergeben

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Der Schädel eines Menschen (Symbolbild)

Der Schädel eines Menschen (Symbolbild)

Statt wie geplant drei Schädel, konnten australische Ureinwohner nur zwei in Empfang nehmen. Ein Diebstahl machte der Übergabe einen Strich durch die Rechnung.

Makaberer Diebstahl im anatomischen Institut der Universität zu Köln: Unbekannte haben den Schädel eines australischen Ureinwohners gestohlen, der am heutigen Donnerstag seinen Nachfahren übergeben werden sollte. „Wir waren fassungslos, als wir den Diebstahl am Mittwoch bemerkt haben“, sagt Pressesprecherin Dr. Elisabeth Hoffmann gegenüber der Rundschau.

Der Schädel gehörte seit den 1950er Jahren zur Sammlung des anatomischen Zentrums. Die Universität hatte ihn von einem deutschen Händler erworben. „Insgesamt haben wir im anatomischen Zentrum 18 Präparate aus unterschiedlichen Kontinenten“, erläutert Hoffmann. Schon vor mehreren Jahren begannen die Wissenschaftler der Uni Köln damit, nach der Provenienz der ausländischen Präparate zu forschen, um sie wieder zurückzugeben. In detektivischer Fleißarbeit wurde die Herkunftsgeschichte der menschlichen Präparate rekonstruiert. Die Dokumentation aller 18 Präparate erschien 2021 und wurde dem Register für Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten zur Verfügung gestellt.   

Übergabezeremonie an der Uni Köln

Am Donnerstagvormittag nun stand eine feierliche Übergabezeremonie im Forum der Medizinischen Fakultät auf dem Programm. Staatliche Repräsentanten Australiens und Mitglieder der First Nations waren angereist, um von Vertretern der Uni Köln die Schädel von drei indigenen Australiern in Empfang zu nehmen. Auch die australische Botschafterin in Deutschland, Natasha Smith, war gekommen. Professorin Beatrix Busse, Prorektorin für Lehre und Studium, musste die Gäste über den Diebstahl aufklären.

Bisher bekannt ist, dass alle drei Schädel im Oktober vom Leiter des anatomischen Zentrums und Mitarbeitern einer Spezialspedition verpackt wurden. Sie wurden danach in einem Präparationslabor des Zentrums aufbewahrt. „Dieser Raum ist in der Regel abgeschlossen, wird jedoch zu Arbeitszwecken genutzt“, erläutert Hoffmann.

Als die Präparate am Mittwoch für den endgültigen Transport vorbereitet werden sollten, fiel auf, dass ein Schädel ausgetauscht worden war. „Statt des Originals gab es dort einen Gipsabdruck in der Box“, sagt Hoffmann. Offenbar sei versucht worden, den Diebstahl zu vertuschen.

Polizei hat die Ermittlungen gestartet

„Wir haben den Diebstahl sofort zur Anzeige gebracht“, sagt Hoffmann. Die Kölner Polizei bestätigt, dass die Ermittlungen laufen. Zuständig sei das Kriminalkommissariat 71, das unter anderem für Kunstdiebstahl zuständig ist.

Universitäts-Rektor Joybrato Mukherjee, der zurzeit auf einer Auslandsreise ist, bat in einer Mitteilung an die australischen Gäste ebenso wie Busse um Verzeihung und versicherte, dass alles getan werde, um den Diebstahl aufzuklären. „Wir sind den Australiern sehr dankbar für ihr Verständnis, sie waren sehr gefasst“, berichtet Hoffmann. Die sogenannte Repatriierungszeremonie sei sehr würdevoll gewesen. Die Repräsentanten der australischen Communitys, die gekommen seien, um ihre Ahnen zurückzuholen, seien ruhig und zugewandt gewesen. 

Die Rückführung der australischen Präparate war die erste im Rahmen weiterer geplanter Aktionen bei den 18 ausländischen Präparaten im anatomischen Zentrum der Uniklinik Köln