Die Schließung dreier Zugänge am Ebertplatz soll den Drogenhandel eindämmen, trifft jedoch auf Kritik von Anwohnern und Künstlern.
Hinter GitternDrei Abgänge am Ebertplatz in Köln sind nun geschlossen

Abgesperrt: Der Zugang zum Ebertplatz in Höhe des Ärztehauses ist nicht mehr möglich.
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„Bleibt das jetzt so?“ Ungläubig schaut ein Passant auf den abgesperrten Abgang zum Ebertplatz. Weitere Fußgänger schalten sich in das Gespräch ein und der Mann bekommt eine Antwort: „Ja, das bleibt jetzt so.“ Alle Beteiligten an dem kurzen , zufälligen Zusammentreffen vor der Bäckerei „Heinemann“ sind am Dienstagmorgen einig: Die Absperrung und spätere Zumauerung löst das Drogenproblem am Ebertplatz nicht und verdrängt das Problem in die angrenzenden Straßen und den Theodor-Heuss-Park.

Kritiker haben Plakate gegen die Maßnahme angebracht.
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Die Absperrung der drei Zugänge ist der nächste Akt im Drama um den Ebertplatz. Besonders mit der Schließung der Treppen am Ärztehaus soll der Drogenhandel eingedämmt und den Bürgern und Kunden der KVB am Ebertplatz ein besseres Gefühl gegeben werden. Besonders der Bereich am Ärztehaus gilt als Angstraum. Aggressive Drogendealer hielten sich am Treppenaufgang auf und belästigten Passanten und auch Besucher und Mitarbeiter des Ärztehauses. Seit vielen Monaten hält sich im Foyer des Gebäudes ein Sicherheitsdienst auf, der ein Blick auf das Geschehen hat und im Ernstfall einschreitet. So berichten Angestellte in dem Ärztehaus von Belästigungen und einem mehr als mulmigen Gefühl beim Weg zur Arbeit und auf dem Weg nach Hause. Es gebe Mitarbeiter, so war zu hören, die sich nach der Arbeit von ihren Angehörigen abholen lassen.
Ebertplatz: Drei Aufgänge sollen verschlossen werden
Nach den städtischen Plänen ist vorgesehen, dass drei Aufgänge in der tieferliegenden Passage mit einer Stellwand verschlossen werden. Auf die Zugänge wird demnach eine Stahlbetonplatte aufgebracht. Einzig die Achse zwischen Eigelstein und Neusser Straße soll mit ihren Zugängen zu der Tiefebene frei bleiben. Insgesamt 14 Wochen sollen die Arbeiten dauern. Zusätzlich zu den Umwegen für die Bürger werden für die Arbeiten teilweise auch Fahrspuren gesperrt. Es gibt noch einen weiteren Grund für die präventive Maßnahme: Die endgültige Umgestaltung des Platzes wird trotz jahrelanger Debatten, Planung und brutaler Gewaltdelikte frühestens 2030 beginnen. Nach einer Bluttat im Oktober 2017 geriet der Ebertplatz bundesweit als sozialer Brennpunkt in die Schlagzeilen. Damals wurde ein 22 Jahre alter Mann im Zusammenhang mit Drogengeschäften erstochen. Auch in den Folgejahren kam es dort immer wieder zu schweren Gewalttaten. Kölns Polizeipräsident Johannes Hermanns bezeichnete den Ebertplatz in einem Rundschau-Interview als „bundesweit bekanntes Kaufhaus für Cannabis“. Der Ebertplatz entwickle sich zum Umschlagplatz für Crack. Weil die auf Kokain basierende Droge in hoher Frequenz konsumiert wird, führe sie zu einer schnellen Verwahrlosung der Abhängigen. Dadurch drohten dem Ebertplatz vergleichbare Zustände wie am Neumarkt, wo es durch die offene Drogenszene immer wieder zu massiven Konflikten kommt. Hermanns forderte eine bauliche Umgestaltung des Ebertplatzes, um die dortige Drogenszene wirksamer kontrollieren zu können. Der Platz wird bereits videoüberwacht und die Polizei ist dort weiterhin ständig im Einsatz.

Bürger müssen Umwege in Kauf nehmen.
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Es gibt nie nur eine Lösung, aber Architektur und Umgebung des Platzes sind problematisch.
NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte bei einem Besuch am Eigelstein, die Gestaltung des Platzes lade geradezu dazu ein, „Böses zu tun“. Zum Ebertplatz sagte Reul weiter: „Es gibt nie nur eine Lösung, aber Architektur und Umgebung des Platzes sind problematisch. Dunkle Ecken laden zur Kriminalität ein“. Der Drogen-Hotspot und Kriminalitätsschwerpunkt Ebertplatz sei ein „einziges städtebauliches Desaster“.
Ebertplatz in Köln: „Mehr dunkle Ecken“
Die Schließung der Zugänge löst in der Künstlerpassage keine Begeisterung aus. Vielmehr kritisieren die Anlieger die Pläne. Für den Kölner Künstler Michael Nowottny, der vor 20 Jahren mit seinem Kollegen Gerd Mies die Projektgalerie „Labor“ in der Westpassage des Ebertplatzes gründete, ist eine Schließung der Tunnelzugänge eine denkbar schlechte Lösung. Die Künstler befürchten, dass die abgesperrte, dunkle Tunnelpassage dann besonders im Winter zu einem Tummelplatz für die Drogensüchtigen und Dealer werden wird — auch wenn der Ebertplatz videoüberwacht ist. „Wenn die Zugänge geschlossen werden, befürchten wir außerdem, dass sich noch mehr Obdachlose und Personen aus der Trinkerszene in der dunklen Passage aufhalten werden“, heißt es aus der Künstlerszene. Im vergangenen Winter hätten Künstler vor den Eingängen zu den Lokalen manchmal zwanzig Obdachlose wecken müssen, weil sie nicht in die Räume kamen.
So haben Kritiker nach dem Aufstellen der ersten Absperrgitter am Montag Plakate an die Zäune gehängt. Darauf ist zu lesen: „Neue Pinkel-Ecken“ oder „Mehr Dunkle Ecken“ oder „Neue Schlafplätze“.
