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Kölns BaumbestandBürger protestieren gegen zunehmende Fällarbeiten

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Baumfällarbeiten_Köln

Baumfällarbeiten in Köln

  1. An vielen Stellen in Köln sind in den vergangenen Monaten Bäume gefällt worden.
  2. Die Gründe dafür sind vielfältig, aber nicht immer leuchten sie Anwohnern oder Naturschützern ein.
  3. Insbesondere Naturschützer sprechen von Kahlschlag und halten die Zahl der Fällungen für übertrieben.

Köln – Von der alten Eiche, die an der Ecke Palmstraße/Alte Wallgasse stand, zeugt nur noch der Stumpf. Vor einer Woche ließ die Stadt sie fällen – zusammen mit acht weiteren Bäumen. Vergeblich hatte sich eine Bürgerinitiative für ihren Erhalt eingesetzt.

Die Fällung sei „alternativlos“, erklärte die Verwaltung, das habe eine erneute Prüfung ergeben. Die Bäume stünden dem dringend benötigten Erweiterungsbau für die Königin-Luise-Schule im Wege.

Protest gegen Fällungen

Eine Argumentation, der Harald von der Stein vom Netzwerk „Bürger für Bäume“ nicht bedingungslos folgen will. Natürlich brauche Köln mehr Schulplätze. Aber die könne man zum Teil auch bauen, ohne wertvolle Innenstadtbäume zu entfernen – wenn man dies von Anfang an bei der Planung berücksichtige.

„Der Erhalt von altem Baumbestand muss Bestandteil der architektonischen Wettbewerbe und Ausschreibungen werden.“ In Zeiten von Klimawandel und Dürresommern brauche es „ein Bekenntnis der Stadt zum Erhalt alter Bäume“.

Tatsächlich ist in den vergangenen Monaten an vielen Stellen in der Stadt genau das Gegenteil passiert. Hunderte Bäume wurden gefällt, weil sie krank waren oder als Sicherheitsrisiko galten. Um Sturmschäden, Unfälle und Zugausfälle durch umgestürzte Bäume zu vermeiden, hat die Deutsche Bahn im Jahr 2018 einen „Aktionsplan Vegetation“ aufgelegt.

Auch die Bahn fällt in großem Stil

Seitdem lässt sie Bahndämme und Gleistrassen auf breiter Front kahl schlagen – auch in Köln. Beiderseits der Gleise wird ein sechs Meter breiter Streifen von Bewuchs frei gehalten – das bekamen unlängst Anwohner an der Strecke nach Aachen in Lövenich zu spüren oder am Stadtgarten nahe des Bahnhofs West.

Wo früher kleine Wäldchen standen, ist alles ratzekahl gesägt. Die Fällungen dienten der Verkehrssicherheit und stünden „im Einklang mit den gesetzlichen Vorgaben“, betont eine Bahn-Sprecherin. Die Bahn trage damit „den geänderten Rahmenbedingungen und Auswirkungen von Extremwetterlagen Rechnung“.

Das gleiche Bild bietet sich auch an vielen Straßen in Köln. Seit 1. März, dem Beginn der Vogelschutzzeit, müssen die Kettensägen schweigen, doch davor haben sie vielerorts ganze Arbeit geleistet.

Viele Millionen für Gehölzpflege

Die Deutsche Bahn, die 20.000 Hektar Wald besitzt und seit 2007 für Vegetationsrückschnitt bundesweit 100 Millionen Euro pro Jahr ausgibt, hat 2018 angesichts zunehmender Stürme ein zusätzliches Durchforstungsprogramm von 125 Millionen Euro für fünf Jahre aufgelegt. Sie beschäftigt mehr als 1000 eigene Förster und Waldarbeiter sowie zahlreiche externe Firmen.

Der Landesbetrieb Straßen NRW gibt jährlich rund 24 Millionen Euro für die Gehölzpflege aus, darunter acht Millionen an Autobahnen, sechs Millionen an Bundesstraßen und 10 Millionen an Landstraßen in NRW. Man kümmere sich um die Grünbestände an 16.000 Kilometern Straße mit geschätzt 600.000 Einzelbäumen, von denen 250.000 in einem Kataster erfasst seien.

Angesichts von Bürgerprotesten hat Straßen.NRW zu dem sensiblen Thema Infomaterial, ein Erklärvideo und eine Kinderfibel produzieren lassen, um seine Vorgehensweise zu erläutern. (fu)

Ob an Autobahnen wie der A57, A59, A559 und A555, oder zum Beispiel an der Luxemburger Straße Nähe Militärring: Häufig sieht man längere Abschnitte, in denen die Vegetation dem Erdboden gleichgemacht wurde – aus verschiedenen Gründen.

Man müsse unterscheiden zwischen Rodungen für Baumaßnahmen wie etwa am Kreuz Köln-Nord, die auch Jahre im Voraus erfolgen könnten, und der laufenden Pflege des Bestands, erläutert Frank Eilermann vom Landesbetrieb Straßen.NRW.

Bei der Bestandspflege schneide man „alle drei bis fünf Jahre“ die Vegetation im direkten Bereich der Straßen zurück und entferne „Bäume, die nicht mehr standsicher sind“.

Bei Beständen, die vor Jahrzehnten zu eng gepflanzt wurden oder die von Krankheiten wie der Rußrindenkrankheit oder dem Eschentriebsterben befallen seien, könne das bedeuten, dass alle Bäume entfernt und die Sträucher „auf den Stock gesetzt“, also kurz über dem Boden abgeschnitten werden.

Das geschehe, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten, und nicht etwa, um mit dem Holzertrag Profit zu machen. Die Erlöse aus dem Holzverkauf an Heizkraftwerke oder Spanplattenindustrie „decken nur einen Bruchteil der Kosten für die Pflege“, sagt Eilermann.

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Er betont zudem, dass frei geschnittene Flächen ähnlich viel Kohlendioxid speichern und Sauerstoff produzieren würden wie ein Bestandswald. Begründung: Nach Fällungen größerer Bäume würden durch den verstärkten Lichteinfall viele kleinere Pflanzen zum Wachstum animiert. Je jünger das Gehölz sei, desto größer sei der jährliche Zuwachs an Biomasse.

Naturschützer machtlos

Dem Kahlschlag an Straßen und Gleisen stehe man „relativ ohnmächtig“ gegenüber, sagt Harald von der Stein, Vorsitzender des Beirats der unteren Naturschutzbehörde (UNB) der Stadt Köln. „Was Bahn und Straßen.NRW dort veranstalten, ist aus Sicht des Naturschutzes teilweise abenteuerlich und maßlos übertrieben“, doch die Behörden könnten leider wenig dagegen tun.

Die Maßnahmen müssten der UNB nur angezeigt werden, und Paragraph 4 des Bundesnaturschutzgesetzes sei praktisch ein Freibrief für Fällungen. Dort ist festgelegt, dass bei öffentlichen Verkehrswegen, „die bestimmungsgemäße Nutzung zu gewährleisten“ ist.

Als Totschlagargument dürfe das aber nicht gelten. „Kommunen und staatseigene Betriebe wie Bahn und Straßen.NRW müssen die Notwendigkeit und das Ausmaß von Fällungen auch an den Belangen des Naturschutzes ausrichten“, betont von der Stein. Er rät allen, die sich über diese Kahlschläge ärgern, sich schriftlich bei den Auftraggebern zu beschweren. „Je mehr Menschen das tun, um so eher lässt sich ein Umdenken erreichen.“