Köln – Aalla Ahmad-Hemken ist Europa-Korrespondentin des Senders Rudaw-TV, der zum kurdischen Mediennetzwerk mit Hauptsitz in Erbil (Nordirak) gehört. Jens Meifert sprach mit ihr.
Sie berichten seit einem Jahr über Köln. Welche Eindrücke haben Sie gewonnen?
Ich habe nicht erwartet, dass in einem Land, das so viele Flüchtlinge aufnimmt, so etwas passieren kann. Auch die Zuschauer haben sich gefragt: Warum konnte die Polizei das nicht verhindern? Das war ein Schock.
Konnten Sie die Vorfälle erklären?
Ich habe sehr oft vom Bahnhof aus berichtet. Dass die Bildqualität der Videoaufnahmen schlecht war, was eine Verfolgung der Täter schwierig gemacht hat, dass die Polizei nicht damit gerechnet hat, dass so viele Menschen nach Köln kommen, dass viele Flüchtlinge in Gruppen organisiert waren. Aber man muss auch einfach sagen, dass die Polizei nicht in ausreichender Zahl vor Ort war.
Sind die richtigen Lehren aus den Vorfällen vor einem Jahr gezogen worden?
Wenn ich nun höre, dass ein Vielfaches der Polizei vor Ort sein wird, dann denke ich schon. Ich hoffe, dass die Kölner, aber auch die Besucher der Stadt hier Silvester friedlich feiern können. Das wünsche ich vor allem auch der Stadt selbst, denn Köln hat nicht verdient, was im vergangenen Jahr passiert ist.
Weil viel für Flüchtlinge getan wird?
Ja, weil die Menschen in ganz Deutschland die Arme aufgemacht haben, als die Menschen in großer Not gekommen sind. Es war so viel Hilfsbereitschaft da. Ich komme selbst aus einem Land, in dem Krieg herrscht. Ich finde es schade, dass die Polizei nicht schneller und entschiedener eingreift.