Nostalgie auf SchienenKölner Unternehmen bietet Autoreisezug von Köln nach Verona an

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Abfahrt: In den 60er Jahren wurde der Urlaub mit dem Autoreisezug immer beliebter, die Deutsche Bahn hat sie eingestellt.

Köln – Diese Sehnsucht ist in die Wiege gelegt. Und das gleich einem ganzen Volk. Über Jahrhunderte hinweg. Von Italien können die Deutschen nicht lassen. Liebliche Mittelmeerlandschaft statt rauer Nordsee. Dolce Vita statt preußischer Disziplin.

Mag die Anziehung auch eher einseitig sein, sie beruht auf Gegensätzen. Goethe pflanzte die Liebe zu dem Land, in dem Zitronen blühen, in das Herz des Bildungsbürgertums. Und die Bürger der Wirtschaftswunder-Nachkriegszeit folgten seinem Ruf – „Dahin! Dahin möcht ich mit dir, o mein Geliebter, ziehn!“ – in Scharen. Ihre Käfer mit Brezelfenstern verfrachteten sie auf Autozüge und zogen so über die Alpen, um dort Ciabatta kennenzulernen.

Die erste Kölner Fahrt des Urlaubs-Express aus findet am 22. Juni statt und führt nach Verona. Verladen werden die Fahrzeuge in Düsseldorf.

Autoreisezug von Köln nach Verona

Alte deutsche Familienfotoalben sind voll von diesen Bildern: Züge, die sich über kurvenreiche Strecken durch ein Bergpanorama schlängeln. Vorbei? Nur noch eine schöne Erinnerung? Nein. Alles wieder möglich. In diesem Sommer fährt erstmals wieder ein Autoreisezug von Köln nach Verona.

Sie waren schon längst ein Relikt der Geschichte. Die Deutsche Bahn hatte Autoreisezüge aufgegeben. Scheibchenweise. Standort für Standort wurden die Verladestationen deutschlandweit geschlossen. In Zeiten der Billigflieger sah die Bahn da wohl kein Geschäft mehr.

Kölner Unternehmen hat Erfolg mit nostalgischem Reisen

Anders das Kölner Unternehmen „Train4you“. „Wir haben die Gelegenheit genutzt, in den Niederlanden eine Flotte zu kaufen“, sagt Train4you-Geschäftsführer Niko Maedge. Zehn Schlafwagen, 13 Liegewagen, zwei Restaurantwagen, drei Clubwagen und 39 Autotransporter nennt das Unternehmen nun sein eigen.

Neueinsteiger ist „Train4you“ nicht im Autoreisezug-Geschäft. Bereits im Mai 2016 startete das Kölner Unternehmen auf einer Strecke von Hamburg nach Verona. Die nostalgische Art zu reisen, die auch heute noch Vorzüge hat, kam an. Der Erfolg der Strecke machte Mut, auch den Westen Deutschlands zu erschließen unter dem Namen Urlaubs-Express.

Die Züge des Unternehmens haben Schlafabteile sowie ein Bordrestaurant.

Verladestation in Düsseldorf

Im Juni wird es losgehen. Köln/Verona. Oder wie der Rheinländer sagen würde: Die nördlichste Stadt Italiens wird ans Mutterland angebunden. Allerdings mit einem Haken: „Es gibt nicht mehr viele Verladeeinrichtungen“, sagt Unternehmenssprecher Christian Oeynhausen.

Die Bahn hat „gute“ Arbeit geleistet beim Abriss, wenn auch nicht ganze. Die ehemalige Verladestation in Deutz ist weg. Die in Düsseldorf gibt es aber noch. Für eine Familie aus Köln, die mit dem Autoreisezug nach Italien fahren will, bedeutet das: Der Vater fährt mit dem Auto nach Düsseldorf, fährt dort das Auto auf den Transporter, steigt in das gebuchte Abteil ein und der Rest der Familie steigt in Köln gemütlich zu.

Familienreise ohne Stau

Einmal wöchentlich wird die neue Strecke befahren. Die Jungfernfahrt findet am 22. Juni statt. Freitags um 18.36 Uhr ist Abfahrt in der Domstadt, am Folgetag kommen die Reisenden um 9.22 Uhr in Verona an. Die Fahrt führt nach Frankfurt, Würzburg, München, nach Bozen und dann nach Verona. Noch am selben Tag tritt der Zug abends die Rückreise an.

Die Zielgruppe, das weiß Oeynhausen aus der Verbindung Hamburg/Verona, ist gemischt. Der Klassiker ist die Familie, die sich zur Ferienzeit die nervenaufreibende Autofahrt ersparen möchte. Angekommen, kann sie dann mit dem vollgepackten Familienauto die Restreise zum Ferienort antreten.

Beliebt sind Autoreisezüge aber auch bei Motorradfahrern. Auch sie ersparen sich mit Hilfe des Zuges, den langen „Ritt“ durch Deutschland und die Alpen. Direkt dahinter kommen die Besitzer wertvoller Oldtimer oder nobler Rennschlitten. Die edlen Karossen sollen sich nicht so viele Kilometer auf den Tacho laden und erst im sonnigen Süden die Fahrt aufnehmen.

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„Train4you“ hat weitere Pläne

Das Buchungssystem für den neuen Autoreisezug von Köln nach Verona folgt dem System bei Fluggesellschaften. Der Preis richtet sich nach Zeitpunkt der Buchung und nach dem Auslastungsgrad der Züge.

Bei den bisherigen Strecken will es „Train4you“ nicht belassen. „Geplant ist, im kommenden Jahr vom Rheinland aus unter anderem Villach und München anzusteuern“, sagt Oeynhausen. Und seit diesem Jahr gibt es auch einen Party-Zug von Köln nach Sylt. Doch das ist eine ganz andere Geschichte über eine ganz andere Liebe der Deutschen.

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