Prozess in KölnUnternehmer wegen Insolvenzverschleppung vor Gericht

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Der frühere Innenminister Ingo Wolf (r.) verteidigt den Angeklagten.

Der frühere Innenminister Ingo Wolf (r.) verteidigt den Angeklagten.

Laut Anklage soll der Mann ein Konglomerat von Bau-, Immobilien- und Beraterfirmen geleitet haben, von denen mehrere Firmen pleite gegangen waren.

Ein 43-Jähriger steht seit Mittwoch wegen Insolvenzverschleppung und Bankrotts sowie nicht abgeführter Sozialabgaben für Arbeitnehmer vor dem Landgericht. Zudem wirft die Staatsanwaltschaft dem Mann Betrug vor. Weitere Anklagevorwürfe lauten auf Urkundenfälschung. Laut Anklage soll der Mann ein Konglomerat von Bau-, Immobilien- und Beraterfirmen geleitet haben, von denen mehrere Firmen pleite gegangen waren, ohne dass der Angeklagte die Zahlungsunfähigkeit der Unternehmen angezeigt habe.

Insgesamt geht es in dem Verfahren um sechs Anklagen, mit denen zunächst das Amtsgericht befasst war, wie der Vorsitzende der 12. Großen Strafkammer, Hans Oymann, zu Beginn des Prozesses erläuterte. Die Verfahren seien dann aber zusammengefasst und ans Landgericht weitergeleitet worden. Im Kern dreht sich der Fall um das Kölner Traditionsunternehmen Otto Conrad Eisenbahnbau- und Tiefbaugesellschaft mbh & Co. KG (OCE). Das Unternehmen arbeitete unter anderem für die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB), die Rheinenergie und die Ford-Werke im Gleisbau. Im Jahr 2014 übernahm der Angeklagte mit seinem Firmen-Konglomerat die OCE.

Die Geschäfte liefen damals gut, doch dann brach die Geschäftslage ein, als laut Anklage der Großkunde Ford die Verträge mit der Gleisbaufirma 2015 kündigte. Auch die KVB soll die Zusammenarbeit mit OCE damals beendet haben. Zum endgültigen Aus von OCE soll es dann gekommen sein, als die „Knappschaft Bahn See“ wegen 25 000 Euro ausstehender Sozialabgaben einen Insolvenzantrag stellte. Mit der Insolvenz von OCE geriet auch das Firmen-Konglomerat in wirtschaftliche Schieflage und wurde zahlungsunfähig. Der Vorwurf der Anklagen: Der 44-Jährige soll, trotz leerer Kassen, zu spät die Zahlungsunfähigkeit beim Insolvenzgericht angezeigt haben. Am Ende, so die Staatsanwaltschaft, sollen mehrere Millionen Euro Schulden in den Büchern gestanden haben.

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Zum Auftakt bestritt der Angeklagte – der während der Anklageverlesung immer wieder den Kopf schüttelte – die Vorwürfe. Er sei nicht Täter, sondern Opfer: „Ich bin von den Altgesellschaftern geleimt worden“, sagte der 44-Jährige beim Prozessauftakt. Laut seines Verteidigers Ingo Wolf – der FDP-Politiker war von 2005 bis 2010 Innenminister von NRW unter CDU-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers — habe der Angeklagte „immense Summen in die Rettung der Unternehmen gesteckt“. Der Angeklagte räumte aber auch ein, dass er damals schwere wirtschaftliche Fehler begangen habe.

Der Prozess ist mit sechs weiteren Verhandlungstagen bis Ende März terminiert.

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