Kabeldiebe verursachen massive Schäden an E-Ladesäulen in Köln. Vier von fünf Schnellladesäulen waren bereits betroffen.
Reparatur kostet Tausende EuroMassive Schäden durch Kabeldiebe an E-Ladesäulen in Köln

Ein Elektroauto steht an einer Ladesäule im Agnesviertel, die bereits mehrfach beschädigt wurde.
Copyright: Nabil Hanano
Mögen die Zahlen auch noch nicht das Aus für den Verbrennermotor zementieren, ein gutes Fundament für die an Fahrt gewinnende Elektromobilität sind sie durchaus schon mal: Laut Bundesnetzagentur gibt es in Köln mittlerweile 2598 Ladepunkte (Stand 28. Januar 2026) für E-Autos. Die Zahl setzt sich zusammen aus sowohl den Ladepunkten, die sich im sogenannten halböffentlichen Raum befinden – in Tiefgaragen, auf Supermarktparkplätzen und an Tankstellen –, als auch den von der Stadt genehmigten Standorten im öffentlichen Raum. Und ein Sprecher der Stadtverwaltung stellt in Aussicht: „Für die nächsten zwei Jahre wird mit etwa 630 weiteren Standorten gerechnet.“ Doch zur Wahrheit gehört auch: Es gibt bei dieser Entwicklung mächtigen Gegenwind, erzeugt von Kupferdieben.
Nur die Schnellladesäulen haben fest montierte Kabel. An alle anderen Säulen schließen die E-Autofahrer ihr eigenes Kabel an. Und eben auf die Kabel der Schnellladesäulen haben es die Kupferdiebe abgesehen. Und das mit zunehmender Tendenz: „Seit letztem Jahr ist bundesweit ein Anstieg von Kabeldiebstählen zu verzeichnen, von dem auch die Ladeinfrastruktur in Köln betroffen ist“, sagt ein Sprecher von TankE, einem Unternehmen der Rheinenergie und damit Teil des Stadtwerkekonzerns (siehe Infokasten). Die Folge für die Betreiber sind lange Reparaturzeiten und hohe Reparaturkosten.
Sprunghafter Anstieg der Beschädigungen im Jahr 2025
Und wie groß ist der Schaden, der durch das Abschneiden der Kabel an den Schnellladesäulen entsteht? „Im öffentlichen Straßenland auf Kölner Stadtgebiet gibt es rund 90 Schnellladesäulen mit 180 Ladepunkten, von denen – Stand 6. Februar 2026 – 71 Säulen durch Kabeldiebstahl beschädigt worden sind“, lautet die Antwort der Stadt. Was aber nicht bedeuten muss, dass 71 Ladesäulen damit außer Betrieb sind. Da jede Säule zwei Ladepunkte hat, gibt es auch Fälle, in denen an einer Säule ein Ladepunkt beschädigt ist und einer funktioniert. Von den 71 beschädigten Säulen seien zudem „einige“ schon wieder repariert, sagt ein Stadtsprecher. Dennoch ist das unter dem Strich eine erschreckende Bilanz: Rund 79 Prozent der Kölner Schnellladesäulen sind von Kabeldieben beschädigt worden - nur jede fünfte blieb bislang verschont.
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Die Zahlen decken sich annähernd mit einer Antwort der Kölner Polizei auf dieselbe Frage: „Wir haben im vergangenen Jahr 66 Anzeigen wegen Kabeldiebstahls an Elektroauto-Ladesäulen registriert“, berichtet ein Sprecher. Rund ein Drittel der Taten habe sich im Kölner Westen zugetragen, in den Stadtbezirken Ehrenfeld und Lindenthal. Wobei die Antwort der Polizei zudem verdeutlicht, welche rasante Entwicklung der Diebstahl von Ladekabeln im Jahr 2025 genommen hat. Denn 2024 wurden lediglich vier Fälle registriert.
Nach Kabeldiebstahl muss die gesamte Ladestation neu geeicht werden
Dass sich die Zahl der Anzeigen im Jahr 2025 mit der Zahl der zum jetzigen Stand beschädigten Säulen annähernd deckt, bedeutet nicht, dass die in 2025 abgeschnittenen Kabel bis heute nicht ersetzt wurden. Durchaus können die Säulen zwischenzeitlich repariert, aber danach nochmals von Dieben beschädigt worden sein. Gleichwohl ist die Reparatur aufwendig und kostspielig. „Die Reparatur einer beschädigten Ladesäule kann mehrere Wochen in Anspruch nehmen. Denn es ist nicht bloß der Ersatz des Kabels. Die Ladestation ist inklusive der Kabel eichrechtskonform. Das bedeutet, dass die gesamte Station nach dem Kabeltausch wieder geeicht und durch das Eichamt abgenommen werden muss.
Zudem sind für die Instandsetzung spezielle Messgeräte erforderlich. Der Austausch gestohlener Kabel an einer Schnellladestation kostet mehrere Tausend Euro“, erklärt ein Stadtsprecher. Erschwerend kommt hinzu: Die Zeit, die die Monteure in die Reparatur investieren müssen, können sie nicht für den Ausbau der Infrastruktur nutzen.
Ersatz für gestohlene Kabel verursacht Tausende Euro an Kosten
Alles in allem ein Aufwand für die Betreiber, der im Missverhältnis zum Gewinn der Diebe steht. Laut TankE bekommen die für ein gestohlenes Kabel 40 bis 60 Euro.
Was sich an den Kölner Schnellladesäulen also abspielt, ist ein Hase-Igel-Rennen zwischen Kupferdieben und Reparaturteams. Um dieses Rennen beenden zu können, bräuchte es einen effektiven Diebstahlschutz. „Um weiteren Diebstählen vorzubeugen, arbeiten wir mit der Stadt Köln, den zuständigen Behörden sowie den Herstellern der Ladeinfrastruktur zusammen. Dabei werden verschiedene Ansätze geprüft, etwa die Entwicklung diebstahlsicherer Kabel. Allerdings sind praktikable und zugleich robuste Lösungen technisch anspruchsvoll. Wir appellieren an die Bevölkerung, mutmaßliche Diebstähle oder Beschädigungen sofort zu melden, damit wir die Lademöglichkeiten in Köln gemeinsam sicher und zuverlässig halten können“, sagt ein Sprecher von TankE.
Die Polizei regt an: Als zusätzliche Präventionsmaßnahme ist eine technische Überwachung der Ladesäulen denkbar. Doch Videoaufzeichnungen seien wegen des Datenschutzes nicht ohne Weiteres umsetzbar.
