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Nach DemoSchwere Vorwürfe gegen die Kölner Polizei

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Bei der Abschlussdemonstration des Protestcamps „Rheinmetall entwaffnen“ wurden Teilnehmende von der Polizei auf der Zeughausstraße festgesetzt.

Bei der Abschlussdemonstration des Protestcamps „Rheinmetall entwaffnen“ wurden Teilnehmende von der Polizei auf der Zeughausstraße festgesetzt.

Bei der Abschlussdemo des Protestcamps „Rheinmetall entwaffnen“ wurden Polizeibeamte und Aktivisten verletzt. 

Was als Abschlussdemonstration mit rund 1000 Teilnehmenden begann, endete für einen Teil der Demonstrierenden in einem stundenlangen Polizeikessel – begleitet von gegenseitigen Vorwürfen über das Ausmaß der eingesetzten Gewalt. Am letzten Tag des Protestcamps „Rheinmetall entwaffnen“ eskalierte eine Demo am Samstag in der Kölner Innenstadt. Die Rede ist von zahlreichen verletzten Demonstranten sowie Polizeikräften – eine Fortsetzung der Auseinandersetzung könnte es auch vor Gericht geben.

Nach Angaben der Kölner Polizei setzte sich der Aufzug mit mehreren Hundert Teilnehmenden gegen 14.30 Uhr am Samstagnachmittag vom Bahnhofsviertel in Bewegung. Unmittelbar danach seien Farbbeutel auf ein Bankgebäude an der Komödienstraße geworfen und Pyrotechnik gezündet worden. Auf Höhe der Zeughausstraße hätten vermummte Teilnehmende die Einsatzkräfte mit Schlägen und Tritten angegriffen und mit Feuerlöschern besprüht. Gegen 15.10 Uhr habe die Polizei dann eine „unfriedliche Gruppierung“ von rund 300 Personen in der Nähe des Hotel Pullman festgesetzt – auf Fotos der Demo, die unserer Redaktion vorliegen, ist dies gut zu erkennen. Aus den Reihen der Aktivisten seien Einsatzkräfte zuvor gezielt mit Stahlkugeln beschossen worden, Metallteile hätten sich noch in Uniformen gefunden. Um weitere Angriffe zu verhindern, habe die Polizei „einfache körperliche Gewalt“ eingesetzt. Den Einsatz mit Wasserwerfern bestätigte die Polizei am Montag nicht. Mehrere Strafverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung und schweren Landfriedensbruchs seien gegen Demonstranten eingeleitet worden, die genaue Zahl war zunächst nicht zu erfahren.

Kölner Politikerin nahm an der Demo teil

Die Polizei selbst sprach am Samstagabend von elf verletzten Beamtinnen und Beamten, einer von ihnen sei nicht mehr dienstfähig gewesen. Weiteres konnte die Polizei am Montag nicht mitteilen. Die Auswertung des Einsatzes sei noch nicht abgeschlossen, sagte ein Sprecher. Währenddessen werden Vorwürfe gegen das Vorgehen der Beamten laut. Der Kölner Kreisverband der Partei Die Linke sprach bereits kurz nach der Demo von „Polizeigewalt“. Der „einschüchternde Aufmarsch“ der Beamten sei  „von Anfang an unverhältnismäßig und einer Demokratie unwürdig“ gewesen, heißt es in einer Mitteilung.

Teilnehmerin und parlamentarische Beobachterin bei der Demo war auch Lea Reisner, Mitglied des Deutschen Bundestages für die Linkspartei, deren Wahlkreis im Kölner Westen liegt. „Ich konnte beobachten, wie die Polizei bei der Einkesselung unverhältnismäßige Gewalt gegen Demonstrierende eingesetzt hat“, berichtet Reisner, die sich nach eigener Aussage außerhalb des Kessels befunden habe, auf Nachfrage. „Die Rechtsgrundlage für diese freiheitsentziehende Maßnahme ist mindestens fraglich.“ Sie und die Kölner Linke raten nun den Betroffenen, sich rechtlich beraten zu lassen und gegebenenfalls Anzeige zu erstatten.

Bei der Abschlussdemonstration des Protestcamps "Rheinmetall entwaffnen" werden Teilnehmer der Demo von Polizisten weggedrängt.

Tumultartige Szenen bei der Abschlussdemo des Protestcamps „Rheinmetall entwaffnen“. Teilnehmende der Demo werden von Polizisten weggedrängt.

Sanitäter sprechen von auffällig hoher Zahl an Kopf- und Gesichtsverletzungen

Auch ein Augenzeuge, der sich an unsere Redaktion gewandt hat, spricht von „gewaltsamen Angriffen“, die auf Demonstrierende ausgeübt worden seien. Er selbst habe friedlich mit einer Gruppe am Rand des Zuges gestanden, gesungen und Parolen für die Eingekesselten gerufen – dann sei die Polizei mit einer „heftigen Ladung“ auf die Gruppe zugekommen. Er soll durch einen Schlag auf den Kopf verletzt worden sein. „Unser Verhalten war strikt friedlich, wir haben nichts geworfen und keinen Widerstand geleistet“, schreibt er in einer E-Mail an die Redaktion.

Die Sanitätsgruppe Süd-West zieht ebenfalls eine kritische Bilanz. Insgesamt hätten sie an dem Tag 227 Menschen behandelt – 70 während der Demonstration, 157 im Camp während und nach den Ereignissen –, davon seien 22 an den Rettungsdienst oder den ärztlichen Notdienst übergeben worden. Auffällig sei die hohe Zahl an Kopf- und Gesichtsverletzungen gewesen. Die Sanitätsgruppe wirft der Polizei zudem vor, ihre Arbeit wiederholt behindert zu haben: Demo-Sanitäterinnen und ‑Sanitäter seien geschubst worden, Verletzte hätten teils erst nach längerer Diskussion mit Notarzt oder Einsatzleitung behandelt werden können.

Das Protestcamp, das wie berichtet seit dem 1. September im Inneren Grüngürtel stand, hatte die Polizei nach eigenen Angaben mit bis zu 1200 Einsatzkräften begleitet. Während der Woche kam es mehrfach zu Auseinandersetzungen mit Teilnehmenden, etwa bei einer Blockade der Lüttich-Kaserne in Longerich und einer Sitzblockade vor dem Rheinmetall-Werk in Bonn-Beuel.

Schon im vergangenen Jahr war die Gewalt zwischen Polizei und Aktivisten in Köln eskaliert: 2025 hielt die Polizei bei der ersten Ausgabe des Protestcamps fast 1000 Menschen über Nacht in einem Kessel fest. Die Rede war damals von 147 verletzten Demonstranten. NRW-Innenminister Herbert Reul räumte später Fehler beim Vorgehen der Polizei ein. Die wollte man nach den Erfahrungen des Vorjahres offenbar nicht ein zweites Mal machen: Die eingekesselten Personen wurden in diesem Jahr laut Polizei mit Getränken versorgt, außerdem habe man mobile Toiletten aufgestellt und die medizinische Versorgung sichergestellt.