Köln – Es waren Bilder wie im Film. Mitten in der Kölner Innenstadt überwältigen vorigen Freitag vermummte Beamte eines Spezialeinsatzkommandos (SEK) einen bewaffneten Autofahrer (49). Bei einer Verkehrskontrolle auf der Autobahn 1 in Remscheid war er geflüchtet – mehr als eine Stunde folgte ihm die Polizei bis ins Kölner Stadtzentrum, wo Hunderte Schaulustige Zeugen der Festnahme wurden. Am Montag wehrte sich die Polizei gegen Vorwürfe, mit ihrer Einsatztaktik ein großes Risiko eingegangen zu sein.
Wie die Rundschau aus Polizeikreisen erfuhr, soll der bewaffnete Täter während seiner Flucht den Notruf gewählt und mit der Polizei gesprochen haben. „Es war ein ruhiges Gespräch. Er hat keine Forderungen gestellt und klargemacht, dass er keinem Unbeteiligten etwas tun wird“, sagte ein Ermittler. Der Mann habe jedoch damit gedroht, sich selbst zu verletzen oder auf Polizisten zu schießen, sollten sie ihm zu nahe kommen.
Zwischen der Polizei und dem flüchtigen Mann, dessen Audi von rund zehn Streifenwagen verfolgt wurde, sollen mehrere Telefonate geführt worden sein. Nachdem seine Handynummer bekannt war, habe ihn die Polizei regelmäßig kontaktiert. „Er sagte, ihm gehe es nicht gut und er wolle Hilfe haben“, sagte ein Polizist der Rundschau. Man habe sich bereit erklärt, ihm einen Psychologen bereitzustellen.
Als sich der Täter der Innenstadt näherte, sei plötzlich dessen Handy-Akku leer gewesen. Mitten in der City habe er wegen eines rangierenden Lastwagens schließlich in die Zeppelinstraße fahren müssen, wo er von SEK-Kräften festgenommen wurde. Verletzt wurde letztlich niemand.
Der Einsatzablauf wird auch im Präsidium noch einmal besprochen. Dabei gehe es um einen „Erfahrungsaustausch“ zwischen den beteiligten Dienststellen. Aufgrund des dauernden Kontakts zu dem Flüchtigen war es aus Polizeisicht offenbar keine Option, ihn schon auf der Autobahn zu stoppen. „Bei dem gefahrenen Tempo birgt ein Abdrängen unkalkulierbare Risiken. Das funktioniert nicht so, wie man das aus dem Fernsehen kennt“, sagte Polizeisprecher André Faßbender. Ebenso riskant sei es, einen künstlichen Stau zu produzieren, weil die Gefahr bestehe, dass der Flüchtige ins Stauende rast oder auf der Autobahn dreht und als Geisterfahrer unterwegs ist.
Der Festgenommene sitzt in Untersuchungshaft. Gegen ihn lag laut Polizei ein Haftbefehl wegen Unterschlagung vor.
