Die Wirtschaft in der Region kommt nicht in Schwung. Die Unternehmer sind mit ihrer Lage nicht zufrieden und schauen pessimistisch in die Zukunft, wie die aktuellen Konjunkturberichte der IHK Köln und der IHK Bonn/Rhein-Sieg zeigen.
IHK-Konjunkturberichte„Die Wirtschaft in der Region kommt nicht vom Fleck“

Ein Mitarbeiter eines Maschinenbauers schneidet mit einem Trennschleifer Metallteile aus einem Träger. Gerade in der Industrie ist die Stimmung gedämpft.
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„Die Unternehmen warten vergeblich auf Entlastungen, Planungssicherheit und klare Reformen. Die De-Industralisierung schreitet weiter voran“, sagte Uwe Vetterlein, Hauptgeschäftsführer der IHK Köln. Gerade in der Industrie würden Jobs abgebaut. Es sei wirklich höchste Zeit zu handeln. Am IHK-Konjunkturklimaindex lässt sich ablesen, ob mit Wachstum zu rechnen ist. In Köln und Bonn liegt er unter der Schwelle von 100 Punkten. Es ist also kein Wachstum zu erwarten. „Die massiven Schuldenpakete der Bundesregierung haben bislang nichts daran geändert, dass die Stimmung bei vielen Unternehmen in unserer Region weiterhin gedämpft ist", beurteilt Stefan Hagen, Präsident der IHK-Bonn/Rhein-Sieg, die Situation.
Die Lage
Zum Jahresbeginn bleibt die wirtschaftliche Lage in der Region schwierig. Zwar hat sich die Einschätzung der Firmen im Bereich der IHK Köln um drei Punkte verbessert. Mit minus 7,2 Punkte verharrt der Lageindikator zum fünften Mal in Folge im negativen Bereich. Rund 23 Prozent bezeichnen ihre Lage als gut, 30 Prozent als schlecht. „Wie bei der Vorumfrage tut sich nichts nach vorn“, so Vetterlein. Ähnlich sieht es im Bereich der IHK Bonn/Rhein-Sieg aus. Nach einer minimalen Verbesserung im Vergleich zum Herbst bewerten jeweils 25 Prozent der Unternehmer ihre Geschäftslage als gut beziehungsweise als schlecht.
Die Erwartungen
Pessimistisch fällt der Blick auf die kommenden 12 Monat aus. Im Bezirk der IHK Köln erwarten 12 Prozent der Unternehmen bessere Geschäfte, 26 Prozent fürchten eine Verschlechterung. Der sich daraus ergebende Saldo fällt mit minus 14 Punkten um 2,6 Punkte schlechter aus als in der Vorumfrage. Im Bereich der IHK Bonn/Rhein-Sieg rechnen nach der Konjunkturumfrage nur 18 Prozent mit besseren Geschäften, 26 Prozent befürchten schlechtere. „Ohne Reformen kommen wir nicht aus dem Tief“, sagte Vetterlein. Auf Bundesebene hatten positive Exporterwartungen — möglicherweise in Folge von Freihandelsabkommen — laut DIHK für eine Stimmungsaufhellung gesorgt. „Das können wir hier nicht erkennen“, so Vetterlein.
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Die Investitionen
Durch die getrübte wirtschaftliche Lage wollen in Bonn 23 Prozent und in Köln 25 Prozent der befragten Unternehmen die Investitionen erhöhen. Reduzieren wollen die Investitionen 36 beziehungsweise 35 Prozent. Wer Geld in die Hand nimmt, beschafft in der Regel Ersatz von defekten Maschinen. Kapazitätserweiterungen blieben aus, so Vetterlein von der IHK Köln.
Der Arbeitsmarkt
Die schwache Entwicklung hat Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Der Beschäftigungsindikator im Bereich der IHK Köln verschlechterte sich im Vergleich zur Vorumfrage und liegt im Saldo bei minus 14 Punkten. So planen rund 27 Prozent der Betriebe eine Verringerung des Personalstands. Lediglich 13 Prozent wollen die Beschäftigtenzahl erhöhen. In Bonn/Rhein-Sieg sieht es etwas besser aus. Aber auch hier liegt der Indikator weiter mit minus elf Punkten im negativen Bereich. 15 Prozent der Unternehmen wollen einstellen, 26 Prozent müssen Stellen streichen, so die Kammer.
Die Branchen
Dienstleister im Bereich der IHK Bonn/Rhein-Sieg sehen ihre Lage leicht negativ, die im Bereich der IHK Köln positiv mit einem Saldo von elf Punkten. Die Erwartungen sind aber jeweils im negativen Bereich. Die Lage der Industrie verbesserte sich auf sehr niedrigem Niveau auf minus 26,6 Punkte. Die Kapazitätsauslastung sank aber auf 70,4 Prozent, entsprechend der Auslastung zu Corona-Zeiten.
Die Regionen
Entsprechend des Branchenmixes ist die Lage in den Regionen. In Köln halten sich positive und negative Lagebeurteilungen die Waage, der Blick in die Zukunft ist aber pessimistisch. Schlechter fallen Beurteilung der Lage und der Erwartungen in den Umlandkreisen auf, besonders negativ im industriell geprägten Oberbergischen Kreis.
