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Umdenken in Köln Der Hauptbahnhof bekommt zwei Fahrrad-Etagen

Zweistöckige „Doppelparker“ wie in Münster (Bild) sollen helfen, das Chaos wild abgestellter Fahrräder am Hauptbahnhof zu ordnen. Sie könnten künftig zum Beispiel am Vorplatz stehen, wo sich derzeit noch Container der Bundespolizei befinden.

Zweistöckige „Doppelparker“ wie in Münster (Bild) sollen helfen, das Chaos wild abgestellter Fahrräder am Hauptbahnhof zu ordnen. Sie könnten künftig zum Beispiel am Vorplatz stehen, wo sich derzeit noch Container der Bundespolizei befinden.

  • Wer Fahrrad und Bahn kombinieren will, um klimafreundlich zur Arbeit zu pendeln, steht häufig vor dem Problem, wo er sein Rad sicher abstellen kann.
  • Mehr als eine Million Stellplätze für Fahrräder fehlen an deutschen Bahnhöfen, schätzt der Städte- und Gemeindebund. Auch in Köln ist die Nachfrage enorm gestiegen.
  • Um dieser Nachfrage gerecht zu werden, soll es bald eine große, zweistöckige Abstell-Möglichkeit in Köln geben.

Köln – Obwohl die Stadt am Hauptbahnhof seit 2013 zahlreiche Abstellmöglichkeiten geschaffen hat, hält das Angebot mit der Nachfrage kaum Schritt. Täglich werden größere Flächen auf dem Bahnhofsvorplatz und dem Breslauer Platz mit Hunderten Fahrrädern zugestellt.

Darunter sind auch Leihräder von Fordpassbike und Mobike, seit Juni gesellen sich die allgegenwärtigen E-Scooter dazu. In den umliegenden Straßen nutzen Radfahrer praktisch jedes freie Geländer und jeden Laternenpfahl, um ihr Velo anzuketten.

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Hauptbahnhof-Eingang weiterhin voll mit Fahrrädern

Die beim Bau der Radstation am Breslauer Platz im Jahr 2003 gehegte Hoffnung, das Entree zum Bahnhof möglichst frei von Fahrrädern zu halten, hat sich nicht erfüllt. Und eine große Lösung wie im niederländischen Utrecht, wo ein unterirdisches Radparkhaus mit 12 500 Plätzen gebaut wurde, lässt sich am Kölner Hauptbahnhof nicht realisieren.

Trotzdem zeigt sich der städtische Fahrradbeauftragte Jürgen Möllers zufrieden mit der Entwicklung. Es sei gelungen, den rasanten Zuwachs an Rädern vor allem auf der Rückseite des Bahnhofs unterzubringen, was aus städtebaulichen Gründen ja so gewollt sei.

„Rund um den Bahnhofsvorplatz zählen wir seit Jahren rund 300 abgestellte Räder, bei aktuell 60 Abstellmöglichkeiten. Dort ist die Lage konstant. Am Breslauer Platz hatten wir vor fünf Jahren rund 350 abgestellte Räder, heute sind es schon 800 Räder bei 400 Abstellmöglichkeiten.“

Radstation wird stärker genutzt

Auch die Radstation an der Bahnhofsrückseite mit 1000 Plätzen, bei der man sein Rad für einen Euro pro Tag oder 90 Euro pro Jahr sicher und regengeschützt unterstellen kann, wird stärker genutzt. „Wir haben Zuwachsraten von vier bis fünf Prozent pro Jahr. Inzwischen liegen wir bei rund 70 Prozent Auslastung“, sagt Betriebsleiter Roland Neuschil. Anfangs waren es mal mickrige 10 bis 20 Prozent.

Der Bedarf werde in Zukunft weiter steigen, ist sich Möllers sicher. Deshalb sollen die Kapazitäten am Hauptbahnhof weiter ausgebaut werden. „Wir prüfen zurzeit 300 zusätzliche Stellplätze auf der Domseite und weitere 300 am Breslauer Platz.“ Bei einer gemeinsamen Begehung mit der Deutschen Bahn habe man 30 mögliche Standorte auf ihre Eignung untersucht. Von denen seien am Ende „vielleicht fünf bis acht“ realistisch.

Kinderleicht dank Stoßfedern

Am Bahnhofsvorplatz werde man „natürlich nicht den Eingangsbereich mit Rädern zustellen“, betont der Fahrradbeauftragte. „Wir möchten zusätzliche Radständer rechts im Bereich des Alten Wartesaals platzieren und links dort, wo derzeit noch die Container der Bundespolizei stehen.“ Einfacher sei es am Breslauer Platz, wo es mehrere geeignete Flächen gebe.

Um den knappen Raum effizienter zu nutzen, soll bald auch doppelstöckig geparkt werden. Möllers möchte am Hauptbahnhof so genannte „Doppelparker“ aufstellen, wie es sie in der Fahrradmetropole Münster schon lange gibt. Dabei werden die Räder auf verstellbare Schienen geschoben, können so in zwei Lagen übereinander geparkt werden. „Das funktioniert dank einer cleveren Mechanik mit Gasdruckstoßfedern kinderleicht.“

Novum im öffentlichen Straßenraum

Für Köln wäre das ein Novum im öffentlichen Straßenraum. In der Radstation gibt es vergleichbare Anlagen älterer Bauart. Für weitere Abstellmöglichkeiten jenseits der geplanten maximal 600 sieht Möllers vorerst keinen Platz. „Das wird sich erst ändern, wenn der Hauptbahnhof um zwei S-Bahngleise erweitert wird. Dann entstehen neue Räumlichkeiten, in denen ein weiteres Fahrradparkhaus untergebracht werden kann und soll.“

Der Kreisverband Köln des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) begrüßt die Pläne. Vorsitzender Christoph Schmidt: „Der Bedarf an sicheren Fahrrad-Abstellanlagen ist insbesondere für Pendler extrem hoch, da das aktuelle Angebot den Bedarf bei weitem nicht abdeckt.“ Doch selbst wenn Köln alle geplanten Maßnahmen umsetze, reiche das „noch lange nicht aus, um die Verkehrswende einzuleiten“, so Schmidt. „Wir würden uns an noch mehr Pendlerstationen Parkhäuser wünschen und diese auch für gelegentliche Nutzer öffnen.“