Markus Jennissen ist Vorsitzender des Deutschen Teckel-Club Köln Im Gespräch mit Bernd Imgrund geht er unter anderem dem Dackelblick auf den Grund.
Chef im Teckel-Club Köln„Mit unserer Hilfe lernt man seinen Hund kennen“

Markus Jennissen mit Dackel „Marder von Velbert“, gerufen: Fridolin
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Ich weiß, wie Herr Merz Bundeskanzler geworden ist, aber wie wird man Vorsitzender eines Dackelclubs?
Die Züchterin sagte beim Kauf, wir sollten dem Hund etwas Gutes tun und herausfinden, was in ihm steckt. Und dafür sollten wir dem Deutschen Teckel-Klub (DTK) beitreten, der auch eine Kölner Abteilung hat. Zuerst war ich Mitglied, aber als nach einem Jahr ein neuer Vorsitzender gesucht wurde, schwante mir schon was.
Nämlich?
Dass man auf mich zukommen würde. Ich hatte auch eine gewisse Vorbildung als Vorstandsmitglied eines Kleingartenvereins.
Sie sind anscheinend eine geborene Führungspersönlichkeit.
(lacht) Das würde ich jetzt nicht unbedingt sagen. Wenn du Leuten erzählst, du bist Vorsitzender vom Dackelverein, dann müssen die an sich halten. Aber die Vereinsarbeit macht mir Spaß, und manchmal muss man eben auch Verantwortung übernehmen.
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Sind Sie eher ein liberaler Präsi oder ein Trump-Typ?
Ich bin liberal. Es geht darum, die Menschen an den Verein zu binden. Es geht auch nicht nur um die Prüfungen, die wir anbieten. Sondern um das Zusammensein, die Arbeit mit dem Hund. Der soll nicht wie bei Oma Gertrud den ganzen Tag auf dem Sofa liegen und verwöhnt werden. Mit unserer Hilfe lernt man seinen Hund kennen: Hat er eine Spürnase, ist er eine Sportskanone, entwickelt er einen Jagdtrieb?
Was sind die großen Themen im Vorstand?
Unsere verschiedenen Veranstaltungen wie etwa die Hundewiese. Weil wir auch jagdliche Prüfungen abnehmen, brauchen wir ein Schussgelände. Aber dafür müssen wir tief in die Eifel fahren, du kannst ja nicht einfach in den Grüngürtel raus und rumballern. Und im Vorstand fragen wir uns natürlich auch ständig, wie wir die Mitglieder motivieren, auch mal etwas für den Verein tun, statt nur von ihm zu profitieren.
Kenne ich aus dem Tischtennisverein: Wer putzt mal die Platten und flickt die Zählgeräte.
Genau. Wer macht Platzpflege? Wer zieht den neuen Zaun? Wer besorgt Getränke fürs Vereinsfest, für eine Zuchtschau? Es wäre halt schön, wenn nicht jede solche Aufgabe am Vorstand hängen bleiben würde.
Warum ein Dackel statt etwa ein Schäferhund?
Wir hatten in meiner Jugend einen Dackel, geerbt von den alten Nachbarn. Mein Vater war zunächst dagegen. Er kommt gebürtig vom Bauernhof und meinte, ein Hund gehört auf den Hof, in den Zwinger, nicht in die Wohnung. Dann war es mir lange Zeit beruflich nicht möglich, einen Hund zu halten. Während Corona und Home Office sagte ich mir schließlich: Ich habe eine Frau, wir haben ein Kind und eine schöne Wohnung direkt am Zülpicher Platz. Das Größte, was in meinem Leben noch passieren könnte, wäre ein Hund. Seltsamerweise hat mein kleiner Sohn damals sofort gesagt, dass er einen Dackel möchte.
Der Dackel, habe ich gelesen, gilt als der Philosoph unter den Hunden. Was ist damit gemeint?
Nun ja, er hat den Ruf, sehr eigenwillig zu sein. Das stimmt auch. Der Dackel setzt nicht jeden Befehl sofort um, sondern reagiert eher so nach dem Motto: Hm, macht das jetzt Sinn, was der Mensch von mir will? Und will ich das auch? Dackel sind sehr vielseitige, auch mutige Tiere.
Wie würden Sie Ihren Dackel Fridolin charakterisieren?
Er hat zwei Gesichter. Zuhause ist er die Kuschelkatze, und sobald er draußen ist, gibt er Vollgas, ohne eine Grenze zu akzeptieren. Wenn mein Sohn auf einen Baum klettert, will der Fridolin auch da hoch – wie der kleine Bruder.
Ist dann aber schwierig mit den kurzen Beinchen.
Ja, so ist das. Aber er probiert alles, um es trotzdem zu schaffen.
Kann man Dackel im Wald laufen lassen? Das sind doch Jagdhunde.
Das ist tatsächlich ein Thema. Unser Dackel darf an der Schleppleine laufen, die ist 15 Meter lang. Im Gegensatz zu meinem ersten Dackel hört er auch immer aufs Wort. Bisher jedenfalls. Ich würde für einen Dackel aber nie meine Hand ins Feuer legen, weil der Jagdtrieb mit ihm durchgehen kann. Wenn der Fährte aufgenommen hat, agiert er wie im Tunnel. So etwas lernst du halt, wenn du mit dem Tier viel arbeitest. Du musst den Augenblick erkennen, in dem er den Tunnel verlässt, um ihn dann wieder zurückzuholen. Fridolin hat zur Sicherheit einen GPS-Tracker am Halsband, mit dem wir ihn übers Handy finden.
Ist er mal abgehauen?
Da war er noch ganz jung. Er ist durch ein Feld gelaufen. Und ich hinterher.
Wer ist schneller?
Der Hund. Und er hat auch mehr Ausdauer. (lacht)
Was kann der Mensch vom Dackel lernen?
Genügsamkeit. Nach einem Spaziergang ist er ausgepowert, auch mental. Dann legt er sich aufs Kissen und straht diese unglaubliche Ruhe und Zufriedenheit aus. Ich finde total schön, ihn dabei zu beobachten. Das erdet einen auch selbst.
Könnte man einen Dackel Lassie taufen?
Nee, der Name ist besetzt für Collies. Aber ich hatte mal einen Kumpel, der seinen Golden Retriever Uschi nannte. Damals gab noch viele Uschis, und wenn wir nach dem Hund gerufen haben, drehten die sich alle um.
Ihr Dackel ist ein gebürtiger „Marder von Velbert“.
Den Namen hat er von der Züchterin, das ist ein sogenannter Zwingername. „Velbert“ bezieht sich auf den Ort im Bergischen. Und Würfe folgen dem Alphabet, das war ein M-Wurf. Deshalb „Marder“.
Aber Sie wollten ihn nicht Marder von Velbert rufen?
Mein Sohn hatte ihn schon Fridolin getauft. Das passte, Fridolin hat etwas Fröhliches. Der Züchterin war auch klar, dass es nicht beim Marder bleiben würde.
Picassos Dackel hieß Lump, der von Königin Margarete von Dänemark hieß Evita. Was ist das für eine Sache mit den Namen von Haustieren?
Da stecken die unterschiedlichsten Geschichten hinter. Wir haben zum Beispiel im Verein einen Dackel, der Flönz heißt.
Dackel werden ja auch „Würstchenhunde“ genannt.
Ja, genau, vielleicht kommt der Name da her. Ein anderes Mitglied rief seinen Hund Nacho. Ich dachte, okay, so ist das halt. Jeder verbindet irgendwas mit diesen Namen.
Vor ein paar Wochen habe ich eine Haustierkremiererin interviewt. Wie gehen Sie mit dem Tod von Ihren Dackeln um?
Das ist für jeden Hundebesitzer das Schlimmste überhaupt. Wir nennen den Frido immer scherzhaft „unseren Jüngsten“. Aber er ist eben tatsächlich ein Familienmitglied. Wenn wir meine Schwiegereltern besuchen, wird als erster der Hund begrüßt. Und dann kommt erst der Rest.
Teckel, Dackel oder Dachshund: Was bevorzugen Sie?
Das ist situationsabhängig. Dackel ist der Alltagsbegriff. Teckel sagen wir unter uns Vereinsmitgliedern. Die Bezeichnung Dachshund verwende ich oft, wenn wir im Wald unterwegs sind und der Hund anfängt, in Löcher einzutauchen. Für die Dachsjagd wurden die Dackel ja ursprünglich gezüchtet.
Was ist ein Dackelblick?
(lacht) Wie soll ich sagen? Der Dackel sitzt vor dir und schlägt die Augen auf eine Art auf, die dich direkt berührt. Dann ist alles vorbei, und du kannst nicht mehr nein sagen.
Auch Ihnen als erfahrenem Dackelclubvorsitzenden geht das so?
Daran erkennt man, wie Herrchen, Frauchen und Umfeld mit dem Hund zusammenwachsen. Der Mensch lernt den Hund zu lesen, ob er raus will oder fressen. Aber der Hund kann auch dich lesen, sogar meistens viel schneller. Der weiß genau, welchen Knopf er drücken muss, um bei dir etwas Bestimmtes zu erreichen. Und da kommt dann auch der berühmte Dackelblick zum Einsatz.
Ihr persönlicher Blick ist geprägt durch auffällig bunte Brillen, heute ist eine rote am Start. Sind Sie der Elton John vom Zülpicher Platz?
(lacht) Ich mag es einfach gern bunt. Grau sieht man genug.
Hat Tom Gerhardt als „Hausmeister Krause“ den Dackelclubs mehr geholfen oder geschadet?
Als er im Theater am Dom mitgespielt hat, sind wir mit dem ganzen Dackelverein hingegangen. Nachher hat er sich mit uns unterhalten und Fotos gemacht. Er hat uns und den Dackeln auf jeden Fall gutgetan.
Sie wohnen direkt am Zülpicher Platz. Macht das Spaß?
Wir sind da bewusst von der Beethovenstraße aus hingezogen. Wer dort lebt, dem muss klar sein, dass er nicht am Friedhof wohnt. In der Kölner Innenstadt darf man nicht den Anspruch auf Grabesruhe haben. Wenn ich nachts um 3 nach Hause komme und da sind noch Leute auf der Straße, dann ist das okay. Das ist City, das ist Leben. Die schlimmste Zeit am Zülpicher Platz war Corona mit Ausgangssperre. Es gibt nichts Trostloseres als eine Millionenstadt, in der alles tot ist. Ich finde auch den Karneval am Zülpicher Platz nicht per se schlimm. Sondern nur, was daraus geworden ist.
Ich habe Ende der 1980er im Stiefel gekellnert, da war auf der Zülpicher Straße an Karneval noch gar nichts los.
Ich weiß, und im Müller-Lüdenscheid saßen wir an Weiberfastnacht mit fünf Leuten. Heute kommen zu viele Leute nicht wegen des Feierns, sondern um die Sau rauszulassen. Da werden Bushaltestellen zerstört, Laternen umgetreten, und an der Kirche fehlen die Dachrinnen. Habe ich kein Verständnis für, weil das alles andere auch kaputtmacht.
Wie reagiert denn der Fridolin auf kölsche Musik?
Wenn bei uns alles abgesperrt ist, packen wir ihn dreimal am Tag in den Rucksack und ziehen mit dem Fahrrad los. Aber das ist auch ein Stadthund. Der ist geschickt und tritt zum Beispiel nie in Glasscherben. Ratternde Straßenbahnen, Martinshörner - alles kein Problem. Der Hund ist in seinem Umfeld zu Hause und kennt die Herausforderungen.
Gibt es in Köln genug Freilaufflächen?
Ja, schon. Blöd ist, dass die meisten nicht eingezäunt sind, zum Beispiel am Volksgarten oder am Rathenauplatz. Und wenn, dann sind die Zäune kaputt, so dass kleine Hunde drunter durchschlüpfen können.
Als Spaziergänger höre ich von den Haltern freilaufender Hunde immer: Der tut nix, der will nur spielen. Vertrauen flößt mir das nicht ein.
Zu recht. Auf seinen Hund muss man achten. Auch an der Leine erwarte ich, dass der Hund in greifbarer Nähe neben dem Herrchen oder Frauchen geht und eben nicht bis an mich oder meinen Hund heranreicht.
Was halten Sie vom Hundeführerschein?
Für sogenannte Listenhunde ist er ja schon Pflicht. Sagen wir es so: Ich fände es schon gut, wenn sich jeder Hundehalter mit seinem Hund beschäftigt. Der Führerschein oder bestimmte Prüfungen würden helfen, indem da potenziell problematische Situationen durchgespielt werden. Genau das bieten wir an mit unserer Begleithundeprüfung.
Sie sind jetzt im vierten Jahr Vorsitzender. Welche Ziele schweben Ihnen vor?
Bei uns musst du mit deinem Dackel keine Pokale gewinnen. Vor allem wünsche ich mir natürlich, dass der Verein weiterexistiert. Zur Zeit haben wir knapp über 100 Mitglieder, und wir hoffen zu wachsen, ohne unsere DNA zu verlieren. Das wäre schön.
In diesem Sinne: Alles für den Dackel ...
... alles für den Club!

