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Gottschalk trifft auf die Gegenwart„Wetten, dass..?“ feiert einmaliges Revival

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Thomas Gottschalk kommt zu Beginn der Jubiläumsshow "Wetten, dass..?" auf die Bühne. Vor 40 Jahren wurde die Sendung zum ersten Mal ausgestrahlt.

Nürnberg/Mainz – Einmal noch in alten Zeiten schwelgen: Sieben Jahre nach dem Aus der Show und zehn Jahre nach seiner letzten Sendung präsentierte Thomas Gottschalk am Samstagabend eine Revival-Ausgabe von „Wetten, dass..?“. Gäste der Jubiläumssendung waren die Abba-Sänger Björn Ulvaeus und Benny Andersson, Helene Fischer sowie Joko und Klaas – und Show-Erfinder Frank Elstner, der die Sendung zurück im Programm sehen möchte. Dies waren die Höhepunkte der Show.

Mit Helene macht alles Sinn

Helene Fischer betritt die Bühne – und auf einmal wird klar, warum „Wetten, dass..?“ noch einmal läuft. Für einen deutschen Weltstar gibt es hierzulande nur einen einzigen Ort, um schwanger vor das Publikum zu treten. Boris Becker hat bei „Wetten, dass..“ seine Verlobung mit Lilly Kerssenberg verkündet. Später hat Sabrina Setlur hier mitgeteilt, dass sie von Becker nicht schwanger ist. Und natürlich gehört auch Helene Fischers Familienglück auf das Wettsofa und nirgendwo sonst hin.

Als später der männliche Teil von Abba kommt, singen alle drei zusammen „SOS“, und der ganze Saal singt mit. „Nicht heute Nacht“, sagt Gottschalk, als das Publikum danach jubelnd Zugaben fordert. Schade. Dies wäre genau der Moment, in dem er einfach weiterfeiern könnte – mit seinen Superstars und mit seinem Publikum. Als ob es kein Morgen gäbe, sozusagen. Und für „Wetten, dass..?“ gibt es doch wirklich kein Morgen.

Wetten wie zu alten Zeiten

Wenn der Regisseur nichts weiß: Tiere, Kinder, Trockeneis! Kein Format hat das Grundprinzip guter Unterhaltung konsequenter umgesetzt als „Wetten, dass..“. Auch in dieser Hinsicht lässt das Revival nichts zu wünschen übrig. In der ersten Wette sortiert ein Terrier Müll, in der zweiten hangelt ein Grundschüler an den Füßen durch die Halteschlaufen einer U-Bahn. Künstliche Nebelschwaden fehlen in der Waggon-Kulisse zwar, aber es kommt ja noch der Show-Act zum „Eiskönigin“-Musical.

Später wird es in den Wetten dann volksnah und bodenständig: Die Feuerwehr bläst ein Go-Kart  mit Wasserschläuchen über den Sportplatz, ein Handwerker fängt Frisbees mit der Baggerschaufel. Und ein kicherndes Frauen-Duo imitiert die Melodien beliebter Pop-Songs mit der Klobürste. Alles wie früher. Wettkönig wird am Ende ein Mann, der seine Wette vorher verloren hatte: Leon Krampe wollte mit Dartpfeilen die Länder auf einer blinden Karte treffen, verpasste eins zu viel – und wird mit 50000 Euro getröstet.

Und wo bleiben die Zoten?

Passt Thomas Gottschalk überhaupt noch in die Zeit? Keiner grübelt mehr darüber als er selbst. „Ich weiß, dass ich vieles heute nicht mehr sagen könnte, was mir einst Lacher und Beifall beschert hat“, schreibt er in einem Gastbeitrag für „Spiegel Online“ – und formuliert eine Art Twitter-Toleranzedikt: Widerspruch muss sein, aber bitte kein Hass. Er sei dafür gelobt worden, Leichtigkeit ins Fernsehen gebracht zu haben, sagt er – und fordert diese Leichtigkeit auch für die Gegenwart ein. „Ich vermisse diesen Freiraum. Im Graubereich zwischen richtig und falsch durfte man ein Suchender sein, der zwar immer strebend sich bemüht, aber eben auch irrlichtert, blödelt und provoziert.“

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Thomas Gottschalk (l-r) unterhält sich bei Jubiläumsshow "Wetten, dass..?" mit Helene Fischer, Joko Winterscheidt, Klaas Heufer-Umlauf und Michelle Hunziker.

In der Show nimmt Gottschalk den Gedanken wieder auf: „Es ist ja keine Frage, ob ich einen Shitstorm kriege, sondern wie lange es dauert“, sagt er gleich zu Beginn. Es gebe aber ein Alter, in dem einem alles egal sein sollte – und er selbst hat es erreicht. Seiner Assistentin Michelle Hunziker gesteht Gottschalk dann wie zum Trotz, dass er schon sehnsuchtsvoll wie ein Hund vor ihrem Bett geheult habe. Als sie dank ihres Wettsiegs nicht tief dekolletiert in die Yoga-Beuge gehen muss, äußert er Bedauern über die verpasste Gelegenheit. Und zur Kritik, dass er Frauen stets zu nah auf die Pelle rückt, sagt er schlicht: Zumindest Michelle habe „immer zurückgefummelt“.

Pingpong der Generationen

Als „Wetten, dass..?“ erfunden wurde, gab es noch nicht mal Privatfernsehen. Netflix kam nach Deutschland, als die ZDF-Show gerade eingestellt wurde. Das Revival hätte eine Art Pingpong zwischen Gottschalk und Gegenwart werden können, aber richtig flott inszeniert sind die Ballwechsel nicht. Die Außenwette moderiert Giovanni Zarrella vollkommen zielgruppengerecht – unmöglich zu sagen, ob er das zum ersten Mal macht oder schon immer dabei war. Mit Lisa und Lena treten einmal zwei Superstars aus der Instagram-Welt vor die Kamera – aber nur, um kurz mitzuteilen, dass sie backstage irgendwas fürs Internet machen. Für die Show spielt es keine Rolle.

Am verblüffendsten: Das Gespräch mit Joko und Klaas verpufft auch. Die beiden waren immerhin mal für die „Wetten, dass..?“-Nachfolge im Gespräch. Stattdessen haben sie dann bei Pro Sieben ihr Publikum tätowiert, sich selbst den Mund zugenäht – und die Wetten Markus Lanz überlassen. Warum spricht jetzt niemand darüber, wieviel spektakulärer „Wetten, dass..?“ mit ihnen untergegangen wäre? Kein Wort davon, was für eine Gelegenheit hier versäumt wurde. Klaas sagt nur einmal kurz, dass er sich auf dem Wettsofa wie in einem Fiebertraum fühlt. Diesen Wahnsinn kostet er dann leider nicht aus; im Talk belässt er es bei freundlichem Spott und Respektsbekundungen – besonders, als Frank Elstner die Szene betritt.

Jährliche Wiederholung?

Die allerletzte Wette des Formats soll sein Erfinder präsentieren. Am Ende der Show kommt deshalb Frank Elstner aufs Sofa. Bis hier hat er die Show in der Garderobe verfolgt. Es ist nicht zu übersehen: Er liebt sie noch immer. „Bei einigen Wetten habe ich immer so das Gefühl: Alleine dafür muss man die Sendung erfinden“, sagt er. „Das ist für mich der Platz für ,Wetten, dass..?‘ – Dinge zu zeigen, die nicht üblich sind. Ihr habt das ja nachgemacht auf eure unnachahmliche Weise: Ganz besonders große Abenteuer herauszufordern“, sagt Elstner zuletzt an Joko und Klaas gerichtet.

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Dann wendet er sich Gottschalk zu und fordert ihn auf: „Rede mit dem Programmdirektor vom ZDF. Wenn wir morgen keine schlechte Quote haben, dann fordere ich, nein, bitte ich, dass wir das einmal im Jahr machen. Dann können wir nämlich gucken: Wie alt ist Thomas geworden, wie jung ist Michelle geblieben?“ Gottschalk reagiert jedoch reserviert: „Fernsehen hat sich verändert“, sagt er und weist ebenfalls zu Joko und Klaas: „Jetzt machen die das.“

Wie sich aber bereits wenige Stunden nach der Show zeigt, scheint der Sender der Idee nicht abgeneigt. „Wir freuen uns sehr über den großartigen Erfolg der Jubiläumsausgabe“, teilt ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler m it. „Eine Fortsetzung war eigentlich nie geplant. Angesichts der großen Resonanz werden wir aber sicher darüber noch einmal nachdenken.“