- Der Kabarettist Jürgen Becker setzt sich in seinem Programm „Die Ursache liegt in der Zukunft“ mit der Coronakrise und dem Klimaschutz auseinander.
- Becker ist überzeugt, dass die Kultur trotz der aktuellen Krise wieder aufblühen wird.
- Der Kabarettist tritt erstmals im Sommerkino im Rheinauhafen auf. Ein Interview.
Herr Becker, der Name Ihres aktuellen Programms „Die Ursache liegt in der Zukunft“ klingt apokalyptisch und in Anbetracht der Corona-Krise fast schon prophetisch – worum geht es darin?Jürgen Becker: Das Programm ist noch vor Corona entstanden, aber ich muss sagen, es passt erstaunlich gut, und ich habe es dahingehend auch noch ein wenig angepasst. Man muss sich ja schon die Frage stellen, warum Politiker während der Corona-Krise die Wirtschaft herunterfahren können, fürs Klima allerdings nicht dazu in der Lage sind. Dabei müssten wir das doch eigentlich mit Blick auf den Klimawandel unbedingt machen. Gerade erst wurden die neuesten Zahlen veröffentlicht und festgestellt, dass diese sich eher an die „Worst Case“-Szenarien der Forscher vor 20 Jahren orientieren. Was wir in den vergangenen Monaten doch gelernt haben: Es geht auch ohne zu fliegen, das ist total unnötig. Ständig erzählen einem Leute, wie sie nach Australien geflogen sind und Kängurus gesehen haben. Und in Australien erzählen die Kängurus, dass sie bekloppte Kölner gesehen haben, die 40.000 Kilometer geflogen sind und die Umwelt verpestet haben, um sie zu sehen.
Sommerkino im Rheinauhafen
Jürgen Becker ist mit seinem Programm „Die Ursache liegt in der Zukunft“ am Donnerstag im Sommerkino im Rheinauhafen zu Gast. Beginn ist morgen um 20 Uhr. Tickets gibt es ab 44 Euro (2er-Ticket) online.
Sie sind also in einer zwiespältigen Situation, dass Corona Ihnen als Künstler einerseits geschadet, das Virus dem Weltklima allerdings geholfen hat.
Corona wäre definitiv eine Wohltat für die Welt, wenn wir das auch konsequent weiterverfolgen würden. Dann könnten wir das Klima wohl gerade noch so retten, auch wenn sich der Klimawandel nicht mehr aufhalten lassen wird. Aber warum macht die Regierung keinen konsequenten Klimaschutz? Corona betrifft nun einmal maßgeblich die über 60-Jährigen, und im Bundestag sind das knapp über 300 Abgeordnete, die darunter fallen. Die Klimakrise wird vor allem für die Jungen zum Verhängnis, bei den unter 30-Jährigen gibt es im Bundestag aber nur fünf Abgeordnete. Da kann man sich natürlich ausrechnen, was zuerst angegangen wird.
Trotzdem waren Sie als Künstler besonders betroffen, Ihnen wurde quasi die Arbeitsgrundlage genommen.
Es hat aber auch viele Versuche gegeben, etwas anderes zu machen – wie zum Beispiel die Geschichte in den Autokinos. Ich finde ja, Not macht erfinderisch, und es entstehen viele neue Sachen. Ich denke auch, dass sich davon viele Sachen, wie etwa Home Office, das sich bewährt hat, halten werden. Außerdem denke ich, dass uns es ganz gut getan hat, mal ein wenig kürzer zu treten. Der große Philosoph Harald Juhnke hat uns mit seiner Glücksdevise, keine Termine und leicht einen sitzen zu haben, sicherlich gut durch die Corona-Krise geholfen.
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Aber gerade in der Kulturbranche werden die Rufe nach Hilfe ja doch immer lauter. Sehen Sie als Künstler denn nicht die Gefahr, dass die vielfältige Kulturlandschaft auszusterben droht?
Das kann natürlich sein, dass viele zumachen werden oder Insolvenz anmelden müssen. Das ist aber wohl ein Effekt, der sich nicht ganz verhindern lässt – man kann eben nicht alles retten. Und genau dafür sind doch zum Beispiel Insolvenzverfahren da. Ich bin da optimistisch, dass hinterher alles auch wieder aufblüht. Die Leute brauchen und wollen Kultur und werden diese wiederbekommen. Aber ich glaube, dass alles erst mal auf einem kleineren Niveau weiterlaufen wird. Das heißt, dass die Vermieter der Hallen wohl mit dem Preis werden runtergehen müssen. Ein unendliches Wachstum, wie ihn der Kapitalismus anpreist, ist nun einmal in einem begrenzten System nicht möglich – das gilt auch für die Kulturbranche.
Kommen wir noch auf den Auftritt im Sommerkino zu sprechen – was können die Zuschauer erwarten?
Für mich ist das eine komplett neue Örtlichkeit, an dieser Stelle habe ich noch nie Kabarett gemacht. Aber ich finde, dass kann eigentlich nicht groß schiefgehen, das sieht ja schon immer schön aus, wenn ich da vorbeigekommen bin, und die Leute sahen auch immer glücklich aus.



