Bei Markus Lanz„Bleibt ein Traum“ – Ex-VW-Chef erteilt FDP-Plänen klare Absage

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Von links: Markus Lanz, Manfred Weber, Dr. Herbert Diess

Markus Lanz (v.l.n.r.), Manfred Weber und Herbert Diess am Dienstag (30.5.) im ZDF-Talk

Im ZDF ging es am Dienstagabend um den künftigen Antrieb von Autos. Herbert Diess hat eine klare Meinung dazu.

Bei Markus Lanz ließ der Moderator am Dienstagabend im ZDF verschiedene Themen diskutieren. Es ging um die Wahlen in der Türkei, die Präsident Recep Tayyip Erdogan für sich entscheiden konnte, aber auch den Zustand der deutschen Automobilbranche. Zu Gast waren der ehemalige Volkswagen-Chef Herbert Diess, CSU-Europapolitiker Manfred Weber, der deutsch-chinesische Wirtschaftsexperte Felix Lee sowie die „Welt“-Journalistin Carolina Drüten.

Zur Rolle der Türkei innerhalb Europas haben Diess und die anderen Gäste eine grundsätzliche unterschiedliche Meinung. Die Wiederwahl Erdogans war auch in Deutschland auf deutliche Kritik gestoßen, insbesondere Grünen-Politiker und Landwirtschaftsminister Cem Özdemir hatte eine „Zeitenwende“ in der deutschen Türkei-Politik gefordert, da Erdogan die Türkei weiter in ein „offenes Gefängnis“ verwandeln würde. Auch Felix Lee äußert sich bei Lanz nun kritisch: „Ich glaube, der Zug ist längst abgefahren im Fall der Türkei“, so Lee. 

Herbert Diess bei Markus Lanz: „Die Türkei gehört für mich zu Europa“

Etwas vorsichtiger drückt sich CSU-Politiker Weber aus. Man brauche unbedingt ein „Miteinander“ mit der Türkei, so Weber. Es handele sich um ein „demokratisches Ergebnis“. Eine EU-Aufnahme der Türkei schließt Weber auf absehbare Zeit allerdings aus. „Die Jahrzehnte, in denen wir jetzt dieser Fata Morgana der Vollmitgliedschaft nachgelaufen sind“, hätten Türkei und EU voneinander entfremdet, so der Vorsitzende der EVP-Fraktion im Europaparlament.

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Der ehemalige VW-Chef Diess sieht dies als einziger Gast des ZDF-Talks komplett anders. Er meint, „dass es nicht die Wahl der Europäer ist, das müssen wir akzeptieren.“ Er schließt einen EU-Beitritt deshalb nicht aus und sagt: „Die Türkei gehört für mich zu Europa.“

VW hat den Anschluss an China verpasst

Beim Thema Autos geht es um die Rolle der deutschen Konzerne wie Volkswagen und die Wirtschaftsmacht China. Bei der Elektromobilität sind deutsche Autobauer auf dem riesigen chinesischen Markt weitestgehend abgehängt. China-Experte Lee bringt es auf den Punkt: „Früher war China abhängig von Volkswagen – heute ist Volkswagen abhängig von China“, meint er.

Nicht nur in der Elektromobilität habe China mittlerweile die Nase vorn, meint Felix Lee. Auch mit Solarstrom sei das Land „an vorderster Front“. Dass Deutschland den Ausbau vor Jahren gestoppt habe, sei ein schwerer Fehler gewesen.

Diess singt ebenfalls ein Loblieb auf die Solarenergie und die Rolle Chinas. Die Wirtschaftsmacht habe es inzwischen geschafft, Solarstrom wettbewerbsfähig zu machen. Dies sei die Stromquelle der Zukunft. „Wir werden praktisch die ganze Welt mit Solarenergie versorgen können“, so der Manager. „Es war uns zu anstrengend, zu mühsam“, kritisiert auch Diess die deutsche Politik.

Dass VW unter der Führung von Diess aber auch Fehler gemacht hat und nicht stark genug auf Strom gesetzt hat, wird allerdings kaum bei Lanz thematisiert.

Ex-VW-Chef Herbert Diess erteilt bei Markus Lanz E-Fuels eine Absage

Beim Auto-Antrieb setzt Diess eindeutig auf Elektromobilität – ungeachtet möglicher eigener früherer Versäumnisse. Lanz fragt konkret nach: „Unsere Zukunft ist elektrisch?“ Was sei mit E-Fuels und Wasserstoff, wie dies ja insbesondere von der FDP propagiert wird, will der Moderator von Diess wissen. Ob diese Themen nicht relevant würden.

Dieser muss lachen: Die Zukunft des Transportsektors, auch bei Lkw, sei elektrisch. Auch Wasserstoff werde nur eine untergeordnete Rolle spielen. E-Fuels, also synthetische Kraftstoffe, seien gegenüber Strom hochgradig ineffizient. „Von daher bleibt es ein Traum, dass wir alle dann mit diesen E-Fuels fahren“, erklärt Diess und verpasst damit der Initiative der Liberalen, die die Möglichkeit von E-Fuels sogar auf europäischer Ebene durchgesetzt hatten, eine Absage. Diese Technologien seien interessant für Nischenfahrzeuge, „vielleicht auch für tolle Sportwagen“, aber Mainstream wird es sicher nicht“, so Diess.

Mit der Sportwagen-Aussage bezieht sich Diess auf eine Äußerung seines Nachfolgers bei VW, Oliver Blume. Dieser hatte sich zwar grundsätzlich für E-Mobilität ausgesprochen, den Einsatz von E-Fuels aber nicht komplett ausgeschlossen. Noch kürzlich sage er in einem Interview, der Porsche 911 könne beispielsweise in einer Sonderserie für Fans mit Verbrennungsmotor, der mit E-Fuels betrieben werde, weiterleben. Porsche betreibt eine Fabrik für E-Fuels in Chile.

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