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TheaterkarriereRebekka Biener erzählt von ihren Herausforderungen am Schauspiel Köln

4 min
11.12.2025
Köln, NRW
Rebekka Biener
Schauspielerin
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Rebekka Biener fühlt sich wohl in Köln. 

In den ersten Monaten der Intendanz von Kay Voges hat das Kölner Publikum viele neue Ensemblemitglieder am Schauspiel kennengelernt, darunter Rebekka Biener. Vor ihrer nächsten Premiere mit „Du musst dich entscheiden“ sprachen wir mit ihr.

Toller Arbeitsplatz oder doch lieber tolle Stadt? Diese Entscheidung musste Rebekka Biener zum Glück nicht treffen. Für sie passt zurzeit einfach alles.

„Die Stadt ist toll, das Haus ist toll, die Leute sind toll!“, schwärmt sie im Gespräch mit der Rundschau. Als Treffpunkt hat sie das Café Schmitz am Hansaring vorgeschlagen. Hier hält sie sich gerne auf, seit sie im Mai eine Wohnung ganz in der Nähe bezog.

Eines der jüngsten Ensemblemitgliedern

Biener ist Teil des neuen Ensembles am Schauspiel Köln. Mit 26 Jahren gehört sie zwar zu den jüngsten Mitgliedern, konnte aber durchaus schon Erfahrungen an renommierten Häusern sammeln. Bereits das letzte Jahr ihres Schauspielstudiums, das die gebürtige Ulmerin an der Kunstuniversität Graz absolvierte, verbrachte sie am Volkstheater Wien.

Dort lernte sie auch Kay Voges, mittlerweile Intendant am Schauspiel Köln, und dessen Hausregisseur und -autor Calle Fuhr kennen. Bevor man in Köln erneut zusammentraf, sammelte Biener zunächst Erfahrung als Ensemblemitglied am Schauspiel Wuppertal und anschließend beim Theater Osnabrück.

Durchgängige Festanstellung

Doch obwohl Voges und sie sich bereits kannten: Dass sie einen der begehrten Verträge im Kölner Ensemble bekam, sieht Biener keineswegs als Selbstverständlichkeit. „Ich habe mich zum Vorsprechen beworben, weil ich zeigen wollte, wie ich mich in der Zwischenzeit entwickelt habe“, berichtet sie. „Ich wollte ausprobieren, ob es funktionieren könnte. Wenn ich also abgelehnt worden wäre, wäre die Welt auch nicht untergegangen. Umso mehr freue ich mich, dass es geklappt hat.“

Überhaupt sieht Biener es als großes Privileg, dass sie seit dem Studium durchgehend Festverträge bei Theaterhäusern ergattern konnte. Ihr ist durchaus bewusst, dass viele Schauspielerinnen und Schauspieler sich als Freiberufler ohne jede finanzielle Sicherheit von Job zu Job hangeln.

Große Lob für die Gewerke

Da weiß sie die Vorzüge, die ihr die Arbeit am Schauspiel Köln bietet, nochmal mehr zu schätzen. Was ihr sofort aufgefallen sei, sagt sie, sei nicht nur die großartige Atmosphäre im Ensemble, sondern auch die „besondere Arbeitslust“ der Gewerke. „Die sind alle so herzlich und cool – das habe ich bisher so noch nicht erlebt.“

Bieners erste Premiere in Köln war „Imagine“ – jene Produktion, die sowohl die neue Spielzeit als auch die neue Intendanz einläutete und an der große Teile des Ensembles mitwirken. Unmittelbar danach folgte „Der Name“ – ein Stück für sechs Darsteller, in dem Biener eine zentrale Rolle spielt.

Mehr Lacher in Köln

Eine Übernahme aus Wien, wo es mit anderer Besetzung 2024 Premiere feierte. „Ich habe mir das Stück dort angesehen“, erzählt sie. „Und jetzt bei der Premiere war ich sehr überrascht über die unterschiedlichen Reaktionen. In Köln gingen die Menschen ganz anders mit, haben zum Beispiel zwischendurch auch immer mal gelacht. Das war bei der Vorstellung, die ich in Wien gesehen habe, gar nicht der Fall.“

Im Dezember feierte sie mit „#Kammerspiele 1: Eifersucht – Die Nacht der Lesben“ ihre dritte Premiere in Köln. Bereits am 11. Januar geht es weiter mit der Gameshow-Parodie „Du musst dich entscheiden“.

Freude fürs 17-jährige Ich

Jedes dieser Stücke, sagt sie, sei auf seine eigene Weise eine Herausforderung für sie. Zwei weitere Premieren hat sie in der laufenden Spielzeit noch auf dem Zettel. „Es ist schön“, sagt sie, „mit jedem neuen Stück auch immer andere Kollegen besser kennenzulernen.“

Stichwort Kollegen: Gibt es im Ensemble jemanden, auf den sie sich besonders gefreut hat? Da fällt ihr spontan Paul Grill ein. „Als ich ungefähr 17 war, habe ich in meiner Heimat Ulm im Jugendclub Theater gespielt. Wir probten damals Shakespeares ‚Der Sturm’. Zufällig lief das Stück gleichzeitig am Schauspiel Stuttgart, wo wir es uns angeschaut haben. So sah ich Paul in der Rolle des Ariel. Als ich ihn jetzt als Kollegen wiedertraf, hat sich mein 17-jähriges Ich sehr gefreut. Das habe ich ihm auch gesagt. In ‚Imagine’ haben wir auch zwei, drei wirklich schöne gemeinsame Szenen.“

Schade um Kürzungen im Jugendbereich

Gibt es etwas, das Biener als Künstlerin und Neu-Kölnerin im Hinblick auf den Umgang der Stadt mit der Kultur- und Theaterszene besonders ins Auge fällt? „Um mich konkret dazu zu äußern, kenne ich die Szene noch nicht gut genug“, sagt sie. „Aber was ich generell immer besonders bedauerlich finde, sind Kürzungen im Jugendbereich. Dabei sind Kinder und Jugendliche doch als Publikum so wichtig. Zum Beispiel sollte man die Zusammenarbeit von Theatern und Schulen eher stärken, als daran zu sparen. Es wäre schön, wenn das in den Köpfen der Verantwortlichen ankäme.“

Am kommenden Sonntag feiert Rebekka Biener Premiere mit „Du musst dich entscheiden Die Gameshow für Köln“ Premiere, weitere Aufführungen gibt es unter anderem am 11., 18. und 27.1. sowie im Februar. Am 7. Februar ist sie dann in der Premiere von „Das Wasser vun Kölle es jot“ zu sehen. Am 20.2. steht sie in „Kammerspiele #1: Eifersucht“ auf der Bühne, am 10., 11. und 26.2 in „Imagine“. (EB)