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Rundschau-Debatte des Tages
Nach Signal aus Rom – Ist der Synodale Weg am Ende?

Lesezeit 4 Minuten
22.01.2023, Vatikan, Vatikanstadt: Papst Franziskus blickt während der Messe zum Tag des Wortes Gottes im Petersdom auf das Buch des Evangeliums.

Papst Franziskus.

Aus Rom kommt ein neues Stoppsignal für das Reformprojekt deutscher Katholiken. Der Chef der Bischofskonferenz will nicht klein beigeben, Kölns Kardinal Woelki erklärt die Intervention von fünf Bischöfen.

Da war wohl richtig Feuer drin am Montag bei der Versammlung des Ständigen Rates der Deutschen Bischofskonferenz in Würzburg. Normalerweise dringt so gut wie nichts nach außen, wenn sich die 27 Ortsbischöfe – ohne Weihbischöfe – etwa alle zwei Monate turnusmäßig treffen. Doch dann ließ am Abend eine Erklärung des Vorsitzenden aufhorchen – ausdrücklich als persönliches Statement formuliert zur „Kommunikation mit dem Heiligen Stuhl“.

Vatikan: Nein zum geplanten „Synodalen Rat“

Bischof Georg Bätzing informiert darin zum einen, dass es ein Stoppsignal aus Rom gibt, nämlich ein klares Nein zum geplanten „Synodalen Rat“. In diesem sollen – oder sollte man „sollten“ sagen? – Bischöfe, Priester und Laien künftig gemeinsam über kirchliche Grundsatzfragen und über den Einsatz finanzieller Mittel beraten und entscheiden.

Zum anderen aber betont der Vorsitzende fast schon trotzig, man wolle weiter daran arbeiten, zunächst in einem vorbereitenden „Synodalen Ausschuss“, der „durch das römische Schreiben nicht infrage gestellt“ sei. Auch der „Synodale Rat“ werde sich „innerhalb des geltenden Kirchenrechts bewegen“. Er sei dankbar, so Bätzing weiter, dass „ein großer Teil des Ständigen Rates erneut den Willen bekräftigt hat, den Beschluss der Synodalversammlung zum Synodalen Ausschuss umzusetzen und die Beratungen aufzunehmen“.

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Ein Brief von fünf Bischöfen

Wie groß der Teil war, ist nicht bekannt, doch gehören zur Minderheit sicher jene fünf bischöflichen Mitbrüder, die das neue Schreiben aus Rom mit initiiert hatten durch einen Brief an den Vatikan vom 21. Dezember. Einen Brief, der – wie aus Teilnehmerkreisen zu hören war – bis heute weder der Bischofskonferenz noch den anderen Bischöfen bekannt sei. Ob Bätzings Hinweis auf das Stichwort „Kommunikation“ auch darauf abzielt?

Wie nun dem Schreiben aus Rom zu entnehmen ist, hatten sich kurz vor Weihnachten der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki sowie die Bischöfe von Eichstätt (Hanke), Augsburg (Meier), Passau (Oster) und Regensburg (Voderholzer) an Rom gewandt und gefragt, ob sie an einem „Synodalen Ausschuss“ teilnehmen müssen und ob sie teilnehmen dürfen.

Man sei sich der Notwendigkeit von Reformen bewusst, erklärte Woelki dazu gegenüber der Rundschau. Doch: „Nicht zuletzt Papst Franziskus hat darauf hingewiesen, dass mögliche Reformen aber stets im Einklang und in Einheit mit der Weltkirche stehen müssen.“ Das Anliegen der fünf Bischöfe sei gewesen, „dass die notwendigen Schritte im Gleichklang gegangen werden“.

Papst steht inhaltlich dahinter

Die Antwort aus Rom fiel eindeutig aus: Natürlich seien die Bischöfe nicht zur Teilnahme verpflichtet. Doch darüber hinaus wird das Schreiben viel grundsätzlicher: „Weder der Synodale Weg noch ein von ihm eingesetztes Organ noch eine nationale Bischofskonferenz“ seien befugt, ein solches Gremium einzurichten. Der Rat würde, so die Warnung aus Rom, „eine neue Leitungsstruktur der Kirche in Deutschland bilden, die (...) sich über die Autorität der Bischofskonferenz zu stellen und diese faktisch zu ersetzen scheint“. Und einem Ausschuss, der so einen Rat vorbereiten solle, fehle die Kompetenz, bilanziert Woelki gegenüber der Rundschau.

Kirchenrechtler sprechen von einem „Täuschungsmanöver“

Unterzeichnet ist der Brief von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin und den Kurienkardinälen Luis Ladaria und Marc Ouellet. Sie betonen, dass Papst Franziskus das Schreiben approbiert und dessen Übermittlung angeordnet habe, dass er also inhaltlich dahinterstehe. Der Zusatz „in forma specifica“ bedeutet laut Kirchenrechtler Thomas Schüller, dass diese päpstliche Entscheidung rechtlich nicht mehr anfechtbar ist. Diese Linie stimmt mit dem überein, was Parolin, Ladaria und Ouellet den deutschen Bischöfen bereits bei ihrem Rom-Besuch im November ins Stammbuch geschrieben hatten. Vor allem geht es darum, zu verhindern, ein auch mit Laien besetztes Gremium „über die Autorität des einzelnen Bischofs in seiner Diözese zu stellen“.

Im Grunde bestätigt das neue Schreiben aber auch Warnungen von Kirchenrechtlern wie des Bonners Norbert Lüdecke. Der sprach etwa von einem „Beteiligungs-Avatar“ und „Täuschung“. Bätzing dagegen will nicht klein beigeben, betont allerdings, niemand stelle die Autorität des Bischofsamtes infrage. Für Schüller bekennt er sich damit zur „episkopalen Alleinherrschaft“. Die Gefahr einer Schwächung des bischöflichen Amtes sieht Bätzing nicht – im Gegenteil: „Ich erlebe synodale Beratung geradezu als eine Stärkung dieses Amtes.“ Er wolle „noch viel intensiver“ über derlei nachdenken und darüber das Gespräch mit den Verantwortlichen im Vatikan suchen.

Apropos Kommunikation: Hier merkt der Limburger Bischof an, „dass wir über Inhalte und Zielsetzung synodaler Beratung auf allen Ebenen in der Kirche unseres Landes mit Rom noch überhaupt nicht haben sprechen können“. Und er ergänzt, man werde „die im Brief ausgesprochene Einladung zum Gespräch mit Rom zeitnah aufgreifen – und zwar auch als Präsidium des Synodalen Weges“, also zusammen mit Laienvertretern. (mit kna)

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