Sender aus vier Ländern boykottieren den ESC, weil Israel dabei sein darf. Was ist hier los? Wie sollten sich Medien in der Auseinandersetzung um den Gaza-Konflikt überhaupt verhalten?

ESC und Friedrichs-PreisWie Medien im Gaza-Konflikt instrumentalisiert werden

Ziel massiver Angriffe: Yuval Raphael, Überlebende des Massakers von 2023 und ESC-Teilnehmerin 2025.
Copyright: Jens Büttner/dpa
Jihia Sinwar, dem Chefplaner des Hamas-Massakers vom 7. Oktober 2023, wird der Ausspruch zugeschrieben, nun habe er die Israelis genau dort, wo er sie haben wolle. Sinwar hat den Tod gefunden, den seine Anhänger als Martyrium sehen. Aber seine mörderische PR-Strategie ist aufgegangen, wie das ESC-Debakel beweist: Die Folgen des Gaza-Krieges werden in der internationalen Öffentlichkeit weithin allein Israel zur Last gelegt.
Dabei haben palästinensische Terroristen den größten Judenmord seit dem Holocaust begangen und die Bedingungen für den damit entfesselten Krieg gesetzt: verminte Häuser, Munitionslager unter Wohnvierteln, Kindergärten als Raketenbasen, angeheuerte Zivilisten als Geiselwächter. Israel allerdings hat sich in einem Maße darauf eingelassen, das zuletzt die eigene Militärführung nicht mehr für verantwortbar hielt. Zudem lieferten rechtsextreme israelische Minister mit maßloser Rhetorik den Feinden ihres Landes das publizistische Wurfmaterial frei Haus.
Israelische Kollegen wie Paria behandelt
Europäische Medien sollten da ihren Job tun: differenziert berichten und analysieren. Stattdessen behandeln Vertreter von vier Rundfunkanstalten aus EU-Ländern ihre israelischen Kollegen wie Paria, mit denen sie beim ESC nicht zusammenarbeiten wollen. Und dies, nachdem bei den beiden letzten ESC-Runden die israelischen Teilnehmerinnen Eden Golan und Yuval Raphael – eine Überlebende des Hamas-Massakers – übelsten Angriffen ausgesetzt waren.
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Es ist gut, dass die Mehrheit des Senderverbandes EBU sich dem Boykottdruck nicht gebeugt hat. Bei aller verständlichen Kritik am Vorgehen Israels darf nicht vergessen werden, wer im Gazakrieg der Angreifer war und wer der Angegriffene.
Über diesen Krieg sachgerecht zu berichten, war schwierig. Auch deutsche Sender haben Anlass, ihren Umgang mit Gaza-Videos kritisch zu überprüfen. Dazu gehört allerdings auch der Hinweis auf israelische Restriktionen, die ihre Arbeit stark erschwerten. Ob das unter diesen Bedingungen zu erreichende Ergebnis preiswürdig war, darüber kann man geteilter Meinung sein – nicht aber darüber, dass die Diffamierungskampagne gegen die mit einem Medienpreis ausgezeichnete ARD-Journalistin Sophie von der Tann die Grenzen jeder legitimen Kontroverse weit überschritten hat.
Das darf so nicht weitergehen. Ob beim ESC oder bei der Kölner Verleihung des Hanns-Joachim-Friedrich-Preises: Alle möglichen Interessengruppen versuchen, Medien im Nahost-Konflikt zu instrumentalisieren. Das dürfen unabhängige Journalistinnen und Journalisten nicht mit sich machen lassen.

