Klaus-Anton Schäfer macht aus seinen Sorgen kein Hehl. „Seit einigen Jahren sind die Mitgliederzahlen in unseren Vereinen leicht rückläufig“, sagt der Geschäftsführer des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) – Bezirk Köln. Knapp fünf Prozent betrüge der Verlust pro Jahr, bundesweit sei die Entwicklung ähnlich.
Veranstaltungen 2016
• 5. Mai„65. Rund in Refrath“, Veranstalter: RSC Staubwolke Refrath• 14.–16. Mai„Cologne Classic“, Veranstalter:RC Günther Köln-Longerich• 11./12. Juni„100 Rund um Köln“, Veranstalter: VCS Köln• 26. August„Schmitter-Nacht von Gleuel“, Veranstalter: RC Schmitter Köln Gleuel• 4. September„Wappen von Pulheim“, Veranstalter: Pulheimer SC11. September„41. Erftpokal von Quadrath“, Veranstalter: RC Staubwolke Quadrath• 25. September„38. Rund an der Eigelsteintorburg“, Veranstalter: VCS KölnDie
Für 2015 verzeichnete der Ehrenamtler in seinen Unterlagen 2.554 Mitglieder in den Clubs der Bezirks-Region, die sich auf 58 Vereine verteilten. Lediglich 114 davon waren Kinder und Jugendliche. Die größten Truppen im Raum sind die RSG Ford Köln (176 Mitglieder), der MTB Rhein-Berg (168), der Radsport-Club Schmitter Köln (101) und der Verein Coelner Straßenfahrer (105). Letzterer ist als Veranstalter des Radklassikers „Rund um Köln“, der in diesem Jahr am 12. Juni zum 100. Mal ausgetragen wird, überregional bekannt. „Der VCS-Vorsitzende Artur Tabat engagiert sich seit 1974 für das international renommierte Rennen und ist für uns eine Galionsfigur“, so das Bezirksvorstandsmitglied.
Traditionsreiche Events
Mit vielen Aktionen und Veranstaltungen versuchen die Vereine, dem Mitgliederschwund zu begegnen. Neben „Rund um Köln“ spielen weitere Profirennen wie die „Cologne Classic“ (14. bis 16. Mai) oder „Rund um die Eigelsteintorburg“ (25. September) eine wichtige Rolle bei der Popularisierung des Sports. „Die Dopingskandale der Vergangenheit haben uns Radlern allerdings sehr weh getan und einen Imageschaden zugefügt“, erzählt Klaus-Anton Schäfer, der sich seinerzeit häufiger von Autofahrern als „Doper“ beschimpfen lassen musste. Glücklicherweise gehören diese Zeiten der Vergangenheit an, von den Events geht wieder eine positive Wirkung aus.
Waghalsige Artisten auf BMX-Rädern
Attraktive Treffpunkte

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Ein beliebter Treffpunkt für die Zweiradakrobaten ist die „Snipes Halle 59“ in den Abenteuerhallen Kalk. „Rund 35.000 Funsportler besuchen jährlich diese Einrichtung, darunter etwa Skater oder Rollerblader“, sagt Stephan Prantl. „Circa 5.000 Sportler dort sind BMXer, davon wiederum etwa 500 aus der Region.“ Darüber hinaus trainieren die Geschicklichkeitskünstler in den Skateparks am Rheinauhafen sowie am Lentpark, in der Lohserampe in Nippes und am Ehrenfelder Takufeld. „Ebenfalls hoch im Kurs steht die North-Brigade in Weidenpesch, die im vergangenen Jahr aufwendig renoviert wird.“ Viele attraktive Möglichkeiten zum Ausüben eines eindrucksvollen Sportes mithin.
Anlage im Radstadion
Eine weitere reizvolle Location könnte mittelfristig hinzukommen. Denn derzeit prüfen die Sportstätten GmbH und das Sportamt die Möglichkeit, rund um das Radstadion Köln im Sportpark Müngersdorf eine Mountainbike-Strecke zu bauen. Und in diese wiederum soll eine BMX-Trainingsanlage integriert werden. Gäbe es noch in diesem Jahr grünes Licht, würden die Arbeiten im Winter beginnen, sodass die ersten BMXer das neue Angebot bereits im Sommer 2017 nutzen könnten. Eine tolle Option natürlich auch für die Mountainbiker, die sich bislang ihre Offroadstrecken in den umliegenden Wäldern suchen müssen.
Freier Eintritt für Fans
In diesem Jahr geht das Event am 2. und 3. Juli über die Bühne. „Spektakuläre Stunts und Tricks werden im Mittelpunkt stehen“, sagt Stephan Prantl. Der Veranstalter erwartet mehr als 200 Aktive aus der ganzen Welt, die sich in den Sparten „Street“, „Spine Ramp“, „Flatland“ und „Kickturn Ramp Old School Style“ messen. „Bis zu 45 Teilnehmer aus Köln werden an den Start gehen“, so Prantl. Unter dem Motto „Celebrating BMX“ haben alle Fans freien Eintritt.
Spektakuläre Stunts und Tricks
Nicht in Vereinen organisiert sind die BMXer. Dennoch sind die Radartisten in großer Menge an den Hotspots Kölns anzutreffen. „Genaue Zahlen sind kaum zu benennen, da die Fahrer keinem offiziellen Verband angehören“, sagt Stephan Prantl. „Außerdem unterteilt sich unser Sport in zahlreiche Disziplinen.“ Der 47-Jährige ist der BMX-Experte in Köln schlechthin. Er gewann als Profi vier Vize-Weltmeisterschaften und holte mehrere deutsche Titel. Zudem ist Prantl als Organisator seit mehr als 20 Jahren für das Großereignis „BMX Cologne“ verantwortlich. Das internationale Treffen der Szene steigt jährlich im Jugendpark Deutz.
Großer Familientag
Zusätzlich zum absoluten Spitzenradsport bieten die Clubs weitere Veranstaltungen an. Zahlreiche Rennen warten auf Teilnehmer, fast jedes Wochenende können die Aktiven an attraktiven Radtourenfahrten (RTF) dabei sein. „Dabei lerne ich ständig neue Menschen und schöne Gegenden kennen“, sagt Schäfer, um die Vorzüge seiner Passion zu unterstreichen. Ein weiterer Pluspunkt: die Vielfalt der Disziplinen. Um diese vorzustellen, richtete der Vorstand des Bezirk Köln zusammen mit der RSG Ford Köln und der Radsportjugend NRW, im vergangenen Jahr einen „Familien- und Jugendtag“ im Radstadion Köln aus. Neben Breiten- und Rennsport standen bei diesem Anlass zudem Bahn- und Kunstradfahren im Mittelpunkt. Für die Jüngsten war ein Geschicklichkeitsparcours aufgebaut. Andere Clubs führen ähnliche Veranstaltungen durch. Die sportliche Konkurrenz – vor allem König Fußball – schläft ja nicht und hat oft deutlich mehr mediale Präsenz. Schäfer gibt sich optimistisch, dass die Maßnahmen Früchte tragen werden. „Wir hoffen bei den Mitgliederzahlen im Bezirk für 2016 auf ein leichtes Plus, aber zumindest auf Stabilität“, sagt der Ehrenamtler.
Talente entdecken

Die Clubs der Region machen attraktive Angebote.
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Die an Beliebtheit ständig wachsenden „Jedermann-Rennen“ sorgen ebenfalls für Zulauf in die Clubs. Bezirksgeschäftsführer Schäfer ist selber über einen solchen Wettbewerb zum ambitionierten Radsport gekommen. „Ich bin beim ersten Jedermann-Rennen im Rahmen von ‚Rund um Köln‘ an den Start gegangen“, erzählt der heute 55-Jährige. „Die Teilnahme hat nicht nur viel Spaß gemacht, sondern gleichzeitig meinen Ehrgeiz geweckt.“ Ungleich jüngere Aspiranten lockt die Heinrich-Böll-Gesamtschule im Kölner Norden in den Sattel. Die „Partnerschule des Leistungssports“ will über das reguläre Angebot hinaus helfen, Talente zu entdecken und zu fördern. Zu diesem Zweck kooperiert die Lehranstalt mit der RSG Heinrich-Böll-Gesamtschule, die als Trägerverein fungiert. Das Training erfolgt in Leistungskursen oder Arbeitsgemeinschaften.
Günstige Beiträge
Im Vergleich zu anderen Sportarten fällt die Anfangsinvestition für Einsteiger naturgemäß etwas höher aus. Mehrere Tausend Euro müssen allerdings beileibe nicht in die Hand genommen werden. „Sowohl ein gutes gebrauchtes Rennrad als auch ein vernünftiges Mountainbike sind ab etwa 500 Euro zu haben“, sagt Klaus-Anton Schäfer. Die Jahresbeiträge in den Vereinen bewegen sich im Schnitt um die 50 Euro pro Jahr. Teilweise kommt eine Aufnahmegebühr hinzu. Jugendliche bis 18 Jahre können in den meisten Clubs kostenlos Mitglied werden.
Engstelle Ehrenamt
Das Gegensteuern zum Mitgliederschwund bringt also erste Hoffnungsschimmer. Schlechter sieht die Situation laut Klaus-Anton Schäfer im Ehrenamtsbereich aus. „Es finden sich leider immer weniger Leute, die sich unentgeltlich engagieren wollen“, beklagt er. „Es haben sich in der jüngeren Vergangenheit schon Clubs auflösen müssen, weil niemand Verantwortung übernehmen wollte.“ Gefragt sind für die Zukunft also nicht nur Aktive, die leidenschaftlich in die Pedale treten, sondern zudem Menschen, die Rahmenbedingungen für organisierten Sport schaffen.
