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Brühler Eisenwerk„Alle müssen Opfer bringen“

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Brühl – BRÜHL - „Die Verhandlungen mit dem Betriebsrat sind abgeschlossen“, sagte gestern Geschäftsführer Friedrich-Wilhelm Jörn. Über die Gründung einer Beschäftigungsgesellschaft werde derzeit noch verhandelt.

Als Folge der Wirtschaftskrise war der Absatz des Eisenwerks zu Jahresbeginn nach Angaben von Jörn um etwa 40 Prozent eingebrochen. Darüberhinaus habe die Branche auch mit Überkapazitäten und Konkurrenz aus Billiglohnländern zu kämpfen. Als Reaktion auf die Absatzschwierigkeiten hatte das Unternehmen als einer der führenden Hersteller von Motorblöcken und Zylinderblöcken für Autos seine Produktion bereits im November 2008 gedrosselt. Die Zahl der Schichten wurde von drei auf zwei zurückgefahren, eine dreiwöchige Produktionspause eingelegt und die Arbeitszeiten durch den Abbau von Überstunden und Resturlaub reduziert. Zudem wurden mehr als 200 Leiharbeiter nicht weiter beschäftigt. Die Maßnahmen reichten aber offenbar nicht aus, um den Absatzeinbruch auszugleichen.

Der Tarifvertrag für die rund 1500 Mitarbeiter der Stammbelegschaft hatte ursprünglich Kündigungen bis 2010 ausgeschlossen. Der Betriebsrat war bei den Verhandlungen bis zuletzt bemüht, durch Streichung von Fremdvergaben und andere Maßnahmen die Zahl der Entlassungen noch zu reduzieren. Mit Erfolg, denn ursprünglich hatte die Geschäftsführung beantragt, 120 Mitarbeiter zu entlassen. Mit den weiteren Einsparvorschlägen der Geschäftsführung, wie dem Verzicht auf Weihnachts- und Urlaubsgeld, hat sich eine Tarifkommission von Betriebsrat und IG Metall befasst. „Alle müssen nun Opfer bringen, die Gesellschafter und die Belegschaft“, erklärte der Geschäftsführer. Außer den Entlassungen werde es auch finanzielle Einschnitte bei der Belegschaft geben. „Zudem braucht das Unternehmen auch finanzielle Unterstützung“, sagte Jörn. Derzeit liefen Gespräche mit Banken.

„Wir sehen aber eine gute Chance, das Eisenwerk mit diesen Maßnahmen über die sehr schwierige Zeit hinwegzubringen“, betonte der Geschäftsführer. Von den sechs weltweit großen Gießereien werden seiner Ansicht nach nicht alle überleben. Technisch sei das Eisenwerk für die Zukunft sehr gut aufgestellt.

Produktpalette wird erweitert

„Ich hätte mir einen besseren Abgang gewünscht“, so Jörn, der mit 68 Jahren Ende des Monats aus dem Unternehmen ausscheidet. Mit Argusaugen verfolgt er zurzeit die Entwicklung beim amerikanischen Autobauer Chrysler: „Wenn das Unternehmen nach der Insolvenz spritsparende Motoren einsetzen will, muss es sie in Europa kaufen.“ In den kommenden fünf Jahren sollen laut Jörn insgesamt rund 100 Millionen Euro am Standort Brühl investiert werden. Neue Dreizylinder-Motoren, für die es schon Aufträge von Ford und VW gebe, kämen 2010 auf den Markt. Ferner habe das Eisenwerk einen Zweizylinder-Motor für Fiat entwickelt. Mit den Investitionen sollen aber auch die Produktpalette beispielsweise um Auspuffrohre aus Aluminium erweitert werden.