BRÜHL. Fällt im Brühler Turnverein (BTV) der Name Sinni, weiß man, wer gemeint ist. Sinni ist hier eine Institution.
Mit bürgerlichem Namen heißt er Hans-Werner Sinnwell, stammt aus dem Saarland und begann schon mit 14 Jahren, sich einen Namen im Judosport zu machen. Am 10. Januar wird Sinni 53 Jahre alt, und er hat ein großes Ziel: die Judo-Weltmeisterschaft in Tours in Frankreich im nächsten Juni. Erst Anfang November hat er sich in London den Europameistertitel in seiner Gewichtsklasse bis 81 Kilogramm geholt. Deutscher Vizemeister war er einen Monat zuvor in Berlin geworden.
So stolz der BTV auch auf den Sieger aus den eigenen Reihen ist, Sinni bleibt auf dem Teppich, oder genauer: auf der Matte. Prominent wird man damit nicht, und Geld kann man mit Judo schon gar nicht machen, bemerkt er nebenbei und erwähnt ebenso beiläufig, dass er mit einem bekannten TV-Sportmoderatoren-Paar befreundet ist.
Um sich an seine größten sportlichen Erfolge zu erinnern, muss Sinni seinen Pass vom Deutschen Judo-Verband hervorkramen. Nachzulesen ist darin, dass Hans-Werner Sinnwell 1971 mit 18 Jahren erstmals Saarlandmeister wurde - er wurde es noch oft in den folgenden Jahren.
Seit acht Jahren
Trainer beim BTV
Im selben Jahr nahm er erstmals an einer Deutschen Meisterschaft teil, wurde Junioren- und Jugendmeister und später auch noch Südwestdeutscher Meister. In seinem Abiturjahr 1973 verdiente sich Sinnwell durch einen dritten Platz bei den Deutschen Juniorenmeisterschaften die Eintrittskarte für den Kader der Bundeswehrleistungsgruppe Judo. Für zwei Jahre verpflichtete er sich als Zeitsoldat.
Das starre Trainingssystem verleidete ihm jedoch die Freude am Sport. Ich hatte danach einen Durchhänger, wollte aufhören mit dem Leistungssport , erinnert sich Sinnwell. Sport wollte er trotzdem studieren. Die Aufnahme in die Deutsche Sporthochschule Köln, damals schon Judo-Bundesleistungszentrum, brachte ihn zurück auf die Matte. Ich bekam den Faden wieder, erzählt der Schwarzgürtel-Träger.
Sein wohl bestes Jahr war 1977. Sinni errang den Vizetitel bei den Internationalen Deutschen Meisterschaften in der Klasse bis 78 Kilogramm, und er wurde vom damaligen Abteilungsleiter Judo des Brühler Turnvereins angesprochen, ob er die Bundesliga-Mannschaft des Vereins verstärken wolle. Sinnwell wollte, und wollte später auch die Leitung der Jugendabteilung im Judo übernehmen.
Seit acht Jahren ist der Familienvater, der in Wesseling-Berzdorf lebt, fest angestellter Trainer beim BTV. Die Abteilungsleitung blieb ein Ehrenamt. Fitnesskurse im Sporttreff Merten, wo der BTV Räume für Übungsstunden der Judoka gemietet hat, gibt der diplomierte Sportlehrer außerdem seit 15 Jahren.
In einer langen Wettkampfpause bis 2004 legte der 1,75 Meter große Meister kräftig an Gewicht zu, musste noch letztes Jahr bei der Weltmeisterschaft in Wien in der Klasse bis 90 Kilogramm antreten. Dennoch holte er mit der Mannschaft die Bronzemedaille und kam im Einzel auf Platz fünf.
Ich hasse das Wort Diät, sagt der Süßigkeitenliebhaber in Erinnerung an die schwierige Gewichtsabnahme. Sportskameraden hänselten ihn mit seiner Sumo-Ringer-Figur so lange, bis er sich auf eine Wette einließ. Ebenso motivierend, auf 81 Kilo abzunehmen, wirkte der eigene Entschluss, wieder ins Wettkampf-Geschehen einzusteigen.
Das erste Ethikprinzip im Judo, durch gegenseitiges Helfen zum beiderseitigen Wohlergehen gelangen, vermittelt Sinni auch den Eltern. Das zweite Prinzip, Mit dem geringstmöglichen Aufwand das Bestmögliche erreichen, bezieht sich auf Technik und Taktik. Sinnwell: Das kriegen wir später.