REFRATH / KÖLN. Acht Tage nach dem Mord an der 21-jährigen Alina aus Refrath scheint der Fall vor der Aufklärung zu stehen:
Bereits am Samstag nahm die Kriminalpolizei einen 52-jährigen Mann unter dringendem Tatverdacht fest. Am Sonntag wurde der Verdächtige dann dem Haftrichter in Köln vorgeführt, der daraufhin sofort Haftbefehl erließ. Es soll sich bei dem Festgenommenen um einen in Köln gemeldeten Mann türkischer Abstammung handeln. Angeblich ist der Tatverdächtige ein enger Freund der Familie.
So richtig Licht ins Dunkel des mysteriösen Mordes ist damit aber noch immer nicht gekommen:
Die Staatsanwaltschaft Köln verhängte aus ermittlungstaktischen Gründen eine Art Nachrichtensperre im Mordfall Alina. Außer der Mitteilung der Festnahme gaben die Beamten am gestrigen Tage offiziell keine weiteren Informationen zur Bluttat preis.
Weil die Ermittlungen zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen seien, wolle man keine weiteren Angaben zum Festgenommenen machen. Auch zu einem möglichen Tatmotiv hüllten sich die Ermittler gestern in Schweigen.
Erst am späten Freitagnachmittag hatte die eigens für den Mordfall Alina eingerichtete Sonderkommission Friesen eine große Fahndungsaktion in Refrath gestartet. Auf Plakaten wurde im Umkreis des Tatorts nach einem etwa 40- bis 50-jährigen Mann gefahndet, der in der Nacht zum Montag vergangener Woche (23. Dezember) in das Einfamilienhaus an der Friesenstraße 5 eingedrungen sein soll.
Der mutmaßliche Täter, nach der Beschreibung der überlebenden Schwester (19) bekleidet mit einer schwarzen, glatten Lederjacke und schwarzen Lederschuhen, soll Deutsch mit einem ausländischen Akzent gesprochen haben.
Die Eltern hatten sich zum Zeitpunkt der Tag (1.15 bis 2.45 Uhr) außer Haus befunden: Weil der Stiefvater über Rückenbeschwerden geklagt hatte, war er gemeinsam mit seiner Frau zur Behandlung in ein Krankenhaus gefahren. Als die Mutter schließlich um kurz vor 3 Uhr morgens zurückkehrte, fand sie die Zimmer des Einfamilienhauses hell erleuchtet vor. Schränke waren durchwühlt.
Weil sie vermutete, Einbrecher seien noch in dem Haus, flüchtete die Mutter zu einem Nachbarn. Von dort aus verständigte sie die Polizei. Als die Beamten das Haus durchsuchten, bot sich ihnen im Keller ein schreckliches Bild: die 21-Jährige erschossen, getötet mit einem Kopfschuss. Die zwei Jahre jüngere Schwester überlebte die Tragödie, gefesselt im Badezimmer des Elternhauses.
Vom Dachgeschoss bis zum Keller stellten die Spurensucher der Polizei in den Tagen nach dem Mord das Einfamilienhaus auf den Kopf.
Möglicherweise stießen sie dabei auf Indizien, die jetzt zum Täter führten. Mysteriös: Laut bisheriger Aussage der Polizei fanden sich an dem Haus keinerlei Einbruchspuren. Wie aber gelangte der Täter dann in das Haus hinein? Hat er geklingelt und wurde ihm arglos geöffnet? Kannten ihn die beiden jungen Frauen? Hatte er einen Schlüssel? Stand die Haustür offen? Offen ist dazu die Frage, ob der Täter Gegenstände aus dem Haus entwendet hat.
Obwohl der Tatort zentral im Stadtteil Refrath liegt, waren bis zum Wochenende nur einige wenige Hinweise aus der Bevölkerung bei der Mordkommission Friesen eingegangen.
Dabei verläuft gegenüber dem Haus die Stadtbahnlinie 1 (Bensberg-Köln), die Haltestelle Refrath befindet sich weniger als 100 Meter vom Tatort entfernt - mit Taxenstand und Park- & -Ride-Plätzen ein belebter Platz.
Nach dem Mord war die Betroffenheit in Refrath groß. Das Opfer, das eine Ausbildung zur Bankkauffrau bei einer Bank in Bergisch Gladbach machte, galt als ausgesprochen freundlich. Nach bestandener Ausbildung hatte sie ihr Arbeitgeber übernehmen wollen. Anfang des Jahres hatte die junge Frau noch die mündliche Abschlussprüfung vor sich.
Es gibt immer noch keine heiße Spur, hatten die Ermittler noch am Freitagabend mitgeteilt. Am Wochenende dann die dramatische Wende mit der Festnahme eines Verdächtigen aus dem Freundeskreis der Familie.