WESSELING – Erdbeeren das Pfund zurzeit ab einem Euro, Süßkirschen für wenig Geld. Das gibt es nur bei Brigitte Hanke. Die 62-jährige Geschäftsfrau hat ein Gespür für das, was ihre Kunden mögen. Und sie hat mehr als genug Arbeit. Dabei gab es auch Zeiten, in denen Hanke schier verzweifelte, weil sie arbeitslos war und kein Unternehmen sie einstellen wollte. Doch Ewigkeiten scheint das jetzt her zu sein.
Um dem Mann ihres Herzens zu folgen, gab sie ihren festen Arbeitsplatz in Brühl auf und zog zu ihm nach Flensburg. Damals war sie bereits Mitte 50. „Ich hatte es mir in Flensburg so schön vorgestellt“, erinnert sie sich. Doch weder mit den Norddeutschen wurde sie warm, noch fand sie dort eine Arbeitsstelle. Nach 17 Monaten zog sie mit ihrem Mann zurück ins Rheinland, nach Wesseling.
Lange hatte sie da bereits den Plan, sich selbstständig zu machen. Obst und Gemüse wollte sie verkaufen zu günstigen Preisen. Dabei dachte sie jedoch weniger an ein festes Ladenlokal als vielmehr an einen mobilen Verkaufstisch.
Und so begann es: Mit zehn Kisten Erdbeeren, einem Biertisch und einem Sonnenschirm eröffnete sie im August 2003 ihren ersten Verkaufsstand am Kronenweg / Ecke Eichholzer Straße. „Und schon nach wenigen Stunden war ich ausverkauft“, erzählt sie.
Statt einer Mittagspause machte sie sich auf zum Landwirt, um vom ersten Verdienst neue Ware zu kaufen. So vergingen einige Tage, und fast täglich wuchs auch die Angebotspalette auf dem schmalen Biertisch. Als Ende September die Saison zu Ende ging, hatte Brigitte Hanke bereits viele Stammkunden, die mehrmals die Woche zu ihr kamen, um das frische Obst und Gemüse zu kaufen.
Damals besaß sie lediglich einen kleinen Ford Fiesta und daheim einen großen Kühlschrank. „Der Ford war mein Lieferwagen, der Kühlschrank mein Lager“, erzählt die 62-Jährige. Doch das änderte sich bereits in der ersten Winterpause. Vom Erlös konnte sie eine Kühlzelle für die Garage und einen alten gebrauchten VW-Bus kaufen, den sie ab Mai 2004 mit den ersten Erdbeeren der Saison beim Landwirt füllte.
Statt einem Biertisch musste sie nun bereits zwei Biertische aufbauen um ihre Gemüse- und Obstvielfalt präsentieren zu können. Außer Erdbeeren verkaufte sie auch Spargel, Salate, Kartoffeln, Kirschen und vieles mehr.
Als die Saison Ende September zu Ende ging, stand ihr Unternehmen so gut da, dass sie sich einen ersten Verkaufsanhänger kaufen konnte. An den Wochentagen stand sie weiterhin am Kronenweg, an den Sonntagen verkaufte sie auch über den Winter hinweg ihre Waren auf Trödelmärkten im ganzen Rheinland.
Im Mai 2006 war die ganze Arbeit alleine gar nicht mehr zu schaffen, zumal sie nun auch einen zweiten Verkaufsstand in Hürth-Efferen eröffnete. Zu ihren Kunden zählten inzwischen längst nicht nur Privatpersonen. Schnell kamen auch Anfragen vom Großmarkt, der Gastronomie, von Bäckern und dem Einzelhandel.
Abends nach der Arbeit beginnt für Brigitte Hanke die eigentliche Arbeit. „Dann muss die Ware bestellt, Konditionen ausgehandelt und die Ware abgeholt werden“, erklärt sie. So wurden die ersten Mitarbeiter eingestellt, eine Angestellte für den Verkaufsstand in Efferen und ein Fahrer, der die Waren bei den Erzeugern abholte und die beiden Verkaufsstände tagsüber mit frischer Ware belieferte. Auch ein größerer Kühlcontainer wurde gekauft und zwei weitere Lieferfahrzeuge.
Inzwischen hat Brigitte Hanke ein Unternehmen geschaffen, das zehn Mitarbeiter und sie selber von morgens bis abends auf Trab hält. Einen dritter Verkaufsstand eröffnete sie vor drei Jahren an der Rodenkirchener Straße. Und mit dem Kauf eines jetzt 15 Meter langen Verkaufsanhängers hat nun auch der letzte Biertisch ausgedient.
