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Neun Jahre alt: 22 Stunden Training

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EUENHEIM / KÖLN. Wie häufig muss man in seiner Sportart trainieren? Diese Frage stellen sich zahlreiche Freizeitsportler. Ein- oder zweimal pro Woche dürfte für die meisten - vor allem jungen - Amateursportler die Regel sein.

Ganz anders ist das bei der erst neun Jahre alten Rebecca Schöbel aus Euenheim. Die Franziskus-Schülerin trainiert vier- bis fünfmal in der Woche und bringt es so auf das stattliche Pensum von rund 22 wöchentlichen Trainingsstunden. Und das noch nicht einmal im Wohnort Euenheim oder in Euskirchen, sondern in Köln.

Durch ihre zwei Jahre ältere Schwester Lea, die schon vor ihr beim ETSC turnte, kam Rebecca zu dieser Sportart. Die ersten Gehversuche machte sie ebenfalls in der Turnabteilung des Euskirchener TSC. Die damalige Trainerin Janine Moritz erkannte schnell das Talent der jungen Sportlerin und empfahl den Eltern ein Probetraining beim „Turnteam Toyota Köln“, das beim Damenturnen eine Bundesliga-Mannschaft stellt. Janine Moritz ist heute noch Vorsitzende der Turnabteilung des ETSC und betreut die Gruppen „Leistungsturnen“.

Im Februar 2006 war es dann soweit. Zusammen mit ihrer Schwester absolvierte sie in der Sporthalle 21 der Sporthochschule in Köln ein Probetraining. Turnteam-Cheftrainerin Shanna Poljakova schlug Rebecca danach eine dreimonatige Talentsichtung vor. Schwester Lea hatte zwar auch Talent, aber nicht den Ehrgeiz ihrer Schwester. Sie wollte lieber weiter „zweigleisig“ Sport treiben: Sie spielt Tennis im TC Rot-Gold Bad Münstereifel und turnt nach wie vor im ETSC.

Fast täglich zum

Training nach Köln

Rebecca wurde nach der dreimonatigen Probezeit ein entsprechendes Talent attestiert und seitdem ist sie Vereinsmitglied beim „Turnteam Toyota Köln“. Täglich - außer donnerstags - geht es zum Training in die Domstadt. „Die Kosten für das Training und die Vereinsmitgliedschaft sind gegenüber Tennis oder Ballett verschwindend gering. Einzig der zeitliche Aufwand sowie die Fahrkosten treiben die Gesamtkosten in die Höhe“, skizziert Vater Volker Schöbel den Aufwand, den die Familie für den Sport der Tochter betreibt. Immerhin pendeln er und Ehefrau Anne rund 4000 Kilometer pro Monat zwischen Euenheim und Köln.

Der Höhepunkt in ihrer noch jungen Karriere war der Gewinn des Titels der Rheinischen Einzelmeisterin in ihrer Altersklasse im November 2009. Seit zwei Jahren gehört sie dem Landeskader an. Dazu gehören im kommenden Jahr fünf Turnerinnen in der Altersklasse 10. Rebecca Schöbel belegt im Landeskader hinter ihrer Teamkollegin Sarah Sonnenschein den zweiten Platz.

Wie es mit der sportlichen Karriere weitergeht, entscheidet sie ganz alleine. „Wir üben keinen Druck auf sie aus und lassen alles auf uns zu kommen. Druck bekommt sie hier im Verein genug“, erklärt Mutter Anne Schöbel, während sie auf einer Bank in der Sporthalle 21 das Training ihrer Tochter verfolgt.

Neben dem Turnen bleibt keine Zeit mehr für andere Hobbys: „Das Klavierspielen und Tennisspielen hat Becci aufgegeben. Wie es nach dem Schulwechsel im nächsten Sommer von der Grundschule zum Emil-Fischer-Gymnasium zeitlich werden wird, müssen wir erst einmal sehen“, sagt Anne Schöbel.

Währenddessen holt Rebecca Schöbel auf dem Trampolin immer wieder Schwung, um Saltos und Schrauben zu üben. Hilfestellung leiste dabei Trainer „Sascha“ Filipionak. Er relativiert das wöchentliche 22-Stunden-Training: Im internationalen Vergleich sei das noch wenig. „Die Chinesen und Russen trainieren im Schnitt 30 bis 35 Stunden in der Woche.“ Seiner Turnerin Rebecca Schöbel attestiert er viel Talent und Eifer. „Rebecca ist in der Gruppe die Eifrigste beim Training.“ Die Turnerin lächelt, als sie dies aus dem Mund ihres Trainers hört. Dann holt sie Schwung, um den nächsten Sprung zu üben.

Die junge Sportlerin denkt aber nicht nur an sich, sondern macht sich auch Gedanken über ihren Heimatverein: „Beim ETSC brauchten wir ähnlich gute Voraussetzungen wie hier in Köln. Unter den Hallenbedingungen und bei den Geräten, die wir dort zur Verfügung haben, ist Wettkampfturnen kaum durchzuführen.“