Der tödliche Zwischenfall bei einer Übung eines Kölner Spezialeinsatzkommandos wird ab Montag vor dem Landgericht verhandelt. Ab 9.30 Uhr muss der 38-jährige Elite-Polizist Rainer B. auf der Anklagebank Platz nehmen. Bei dem mit Spannung erwarteten Prozess sind nur Journalisten der schreibenden Zunft zugelassen; Fotografen oder Fernsehteams dürfen weder im Gerichtssaal noch in den Fluren des Gebäudes Aufnahmen machen.
Der Vorsitzende Richter will gewährleisten, dass die Gesichter der Spezialkräfte nicht in der Öffentlichkeit bekannt werden. Die Identität des Angeklagten und der Zeugen aus der Spezialeinheit muss geschützt werden, sagte Gerichtssprecher Hubertus Nolte der Rundschau. Je nach Ausgang des Prozesses könnte der Beschuldigte wieder bei der Polizei und auch dem SEK mitarbeiten: Daher muss er anonym bleiben. Bei einer Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr wäre der Angeklagte aber automatisch aus dem Polizeidienst heraus, so der Gerichtssprecher.
Kugel traf den
Polizisten in die Brust
Der dramatische Vorfall hatte sich Anfang Februar vorigen Jahres in einem Dienstgebäude in Marienburg ereignet. Bei einer Übung sollte eine aus drei SEK-Beamten bestehende Gruppe eine Zielperson überwältigen. Der Einsatz war geplant und gehörte zum Standard-Trainingsprogramm der Einheit. Während der Übung im Dunklen löste sich aus der Pistole des Beschuldigten eine Kugel und traf den 32-jährigen Kollegen Alexander S., der bei dem Training die Zielperson darstellte. Mit schwersten Brustverletzungen kam der Mann in die Klinik und starb. Bei der Übung hatte der Beschuldigte verbotenerweise seine eigene Waffe mit scharfer Munition verwendet.
In der Prozessankündigung des Landgerichts heißt es: Beim Zugriff soll der Angeklagte seine scharfe Dienstwaffe gezogen haben, um daran eine Lampe zu befestigen. Dabei soll er nicht mehr daran gedacht haben, dass die Waffe geladen war.