Bonn – Am Abend des 5. September 2014 war Marja R. (Name geändert) mit mehreren Freundinnen auf Tour gewesen. Schließlich landete die Mädelsclique in einer Kölner Disco am Hohenzollernring. Die Stimmung war fröhlich, ja ausgelassen. Die 16-jährige Schülerin traf auch bald einen jungen Mann, den sie nicht übel fand. Die beiden tanzten, flirteten, auch kam es zu ersten Zärtlichkeiten und Küssen.
Aber dann passierte etwas für Marja R. völlig Unerwartetes: Der 17-Jährige soll sie plötzlich mit roher sexueller Gewalt genommen haben. So jedenfalls heißt es in der Anklage der Bonner Staatsanwaltschaft, die dem Berufsschüler Vergewaltigung vorwirft.
Wie eine Behördensprecherin bestätigte, befand sich das junge Paar gegen 23 Uhr vor den Toiletten im Keller der Diskothek, habe dort noch zusammen gestanden und geknutscht, als der 17-Jährige sie plötzlich in die Herrentoilette gezerrt, in eine der Kabinen gezwungen und diese auch abgeschlossen haben soll. Dann soll er sie vergewaltigt haben. Die Proteste der 16-Jährigen und ihre Gegenwehr habe er nicht respektiert, heißt es in der Anklage.
Freundin meldete Vorfall der Polizei
Die ganze Szenerie ist vielen nicht verborgen geblieben; die Security soll in der Herrentoilette erschienen sein und das Mädchen beschimpft haben, was es hier zu suchen habe. Auch wurde ihr ein Hausverbot angedroht.
Marja R. war von der Gewalt so geschockt, dass sie nur nach Hause wollte. Eine ihrer Freundinnen jedoch meldete den Vorfall der Polizei, die in der Nacht noch die 16-Jährige abholte und Ermittlungen einleitete. Bei der Schülerin wurden deutliche DNA-Spuren des Angeklagten gefunden, die „auf einen Sexualkontakt“ hinweisen.
Der Angeklagte jedoch, der in Bonn lebt, hat bestritten, Marja R. überhaupt zu kennen. An dem Abend sei er mit einem ganz anderen Mädchen unterwegs gewesen, versuchte er sich ein Alibi zu geben. Aber die angebliche Zeugin zeigte sich überrascht: Sie kannte den 17-Jährigen überhaupt nicht.
Da der Angeklagte zur Tatzeit noch Jugendlicher war, findet der Prozess demnächst vor einer Bonner Jugendstrafkammer unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.
