Attacke auf EinsatzkräfteTäter im Prozess um Bonner Silvesterkrawalle zu Bewährung verurteilt

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Nach der Silvesternacht kursierten etliche Videos der Randale aus Medinghoven im Internet.

Nach der Silvesternacht kursierten etliche Videos der Randale aus Medinghoven im Internet.

In der Silvesternacht 2022/23 attackierten mehrere junge Menschen die Einsatzkräfte in Medinghoven. Nun wurden die Urteile gesprochen.

Die Vorbereitungen für den Angriff auf Polizeibeamte begannen vier Tage vor Silvester. In einer am 27. Dezember 2022 gegründeten Chatgruppe unter jungen Leuten im Bonner Stadtteil Medinghoven wurden allerlei Vorschläge gesammelt, wie man Polizisten in eine Falle locken und dann gegen sie vorgehen könne, zum Beispiel mit „Polenböllern“, brennendem Benzin und Barrikaden aus Autoreifen und Mülltonnen. „Sollen wir Bullen entführen?“, fragte ein ehemaliger Fußballtrainer in die Runde – und bezog sich damit auf den Netflix-Film „Athena“, in dem Jugendliche in einer französischen Vorstadtsiedlung einen Polizisten als Geisel nehmen. Der Film diente den Krawallmachern von Medinghoven als Vorbild für ihre Aktion.

Am Mittwoch wurden sieben Angeklagte von einer Jugendkammer des Bonner Landgerichts wegen gemeinschaftlichen schweren Landfriedensbruchs, Widerstand und tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte und versuchter gefährlicher Körperverletzung zu Jugendstrafen zwischen sechs und acht Monaten, Anti-Gewalt-Kursen und Geldauflagen verurteilt. Der Ex-Fußballtrainer, mit 34 Jahren der einzige Erwachsene unter den 18 bis 21 Jahre alten Verurteilten, erhielt ein Jahr und neun Monate. Alle Strafen wurden zur Bewährung ausgesetzt.

Die Randale begannen kurz nach Mitternacht. Auf dem Europaring versammelten sich zunächst 15 bis 20 junge Leute, dunkel gekleidet und vermummt; die Zahl verdoppelte sich bald. Als ein Tanklöschfahrzeug der Feuerwehr gegen 0.10 Uhr zu einem Heckenbrand vorfuhr, wurde es von Böllern empfangen, sodass der Löschtrupp abzog. Drei Streifenwagen der Polizei wurden danach ebenfalls mit Raketen, Krachern oder leeren Getränkekisten unter Beschuss genommen, die sechs Polizisten zogen sich zurück. Gegen 0.30 Uhr rückte eine Einsatzhundertschaft der Bereitschaftspolizei an, alle mit Helm und Schutzkleidung. Inzwischen brannte auf dem Europaring ein mehrere Meter breites und hohes Feuer, das ein 18-Jähriger mit einem Flammenwerfer angezündet hatte. Müllcontainer gingen in Flammen auf; auf einem Video ist zu sehen, wie ein Polizist in einem Feuerball stand.

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Der Hundertschaft gelang es schließlich, die Gruppe zu zerstreuen. Gegen 1 Uhr wurde ein 18-Jähriger festgenommen, auf seinem Handy sicherte die Kripo die Chats. Darin ist zu erkennen, wie Jugendliche vor den Feuern posierten und geradezu euphorisch Ranglisten ihrer Taten erstellten. „Nächstes Jahr wieder“, schrieb einer und riet dann, den Chatverkehr zu löschen.

Der Vorsitzende Richter sagte in seiner anderthalbstündigen Urteilsbegründung, die Gefährlichkeit der Taten sei allen Angeklagten bewusst gewesen. Er nannte die Attacke „fundamentalen Angriff auf die Werte unserer Gesellschaft und damit einen Angriff auf uns alle“. Das Gericht hielt den Beschuldigten zugute, dass sie Geständnisse abgelegt und Reue gezeigt hätten. Vier Urteile sind bereits rechtskräftig.

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