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Abriss und Baugrube brauchen noch ein JahrGrundschule Odendorf bislang ohne Architekt und Baufirmen

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Füchse, Frösche, Bären, Hunde - Schüler haben an der Grundschule in Odendorf farbige Handabdrücke hinterlassen. Die alte Schule ist verriegelt und verrammelt.

Füchse, Frösche, Bären, Hunde - Schüler haben an der Grundschule in Odendorf farbige Handabdrücke hinterlassen. Die alte Schule ist verriegelt und verrammelt.

Der Abriss der Grundschule in Odendof zieht sich weiter hin und wird teurer. Für den Schulneubau gibt es auch noch keinen Architekten und auch keine Baufirma.

Die Beseitigung der alten Grundschule in Odendorf wird noch ein langwieriges und umfangreiches Unterfangen, das den geplanten Schulneubau weiter aufzuschieben droht. Die Vorlage der Swisttaler Gemeindeverwaltung für den Bauausschuss offenbart, warum schon lange nicht mehr einfach von „Abriss“ gesprochen werden kann, sondern wirklich von „Rückbau“. Es geht um Schadstoffe, Leitungsverlegungen und den Schutz von Anliegern. Wegen möglicherweise in Rolladenkästen nistender Vögel, soll jedes Fenster vorsichtig von Hand zerlegt werden. Letztlich bedarf es für den Neubau auch einer neuen Ausschreibung, und ob die Gemeinde überhaupt jemanden findet, der ihr eine neue Schule bauen will, die sie bezahlen kann, wird sich zeigen. 

An dem Abruchgebäude hat sich jemand ausgetobt.

An dem Abruchgebäude hat sich jemand ausgetobt.

2023 gab es eine erste, europaweite Ausschreibung für die Planung - doch ohne die nötige Resonanz. Als es darum ging, im alten Schulgebäude nach dem Aufbau des Containerprovisoriums noch übergangsweise Platz für 132 Flüchtlinge zu schaffen, gab es hitzige Debatten. Vor allem sollte das Ende des Provisoriums im Februar 2025 zugunsten eines zügigen Abrisses festgeschrieben werden, weil da der Neubau der Schule dranhängt. Doch trotz der Beteuerungen der Gemeinde, im Gebäude sei alles für einen Abriss vorbereitet, ging es dann doch nicht wie gewünscht weiter. Erst im Dezember hieß es, ein Büro zur Planung des Abrisses sei gefunden.

Die provisorische Grundschule am Ortsrand besteht aus Containern.

Die provisorische Grundschule am Ortsrand besteht aus Containern.

Der Bauausschuss wird in seiner nächsten Sitzung informiert, was noch alles zu tun ist. Offenkundig sind Stoffe entdeckt worden, die umständlich geborgen und entsorgt werden müssen, was sowohl die Kostenerwartungen als auch den Zeitansatz betrifft. „Die Kosten für die Rückbau und Entsorgungsleistungen“ seien „auf Grundlage der neu gewonnen Erkenntnisse“ zu aktualisierien, heißt es in der Vorlage. Außerdem müssen erst noch Gutachter den Zustand der Nachbargebäude feststellen, damit es bei Schäden später keine lange Diskussion gibt. Das soll voraussichtlich im Mai geschehen, vorher wird also nichts abgerissen. Leitungen liegen ebenfalls noch im Weg: Ein Strommast aus Beton ist zu verlegen, was mit dem Energieversorger abzustimmen ist. Ebenso muss eine Glasfaserleitung anders verlegt werden, weil sie über das Schulgelände verläuft und einem Neubau im Wege sein dürfte.

Schon mehrfach angekündigt und ebenfalls noch nicht erledigt: Eine Sondierung durch den Kampfmittelbeseitigungsdienst steht aus, ist aber notwendig. Eine Vorerkundung der geschichtlichen Fakten drängt dazu, das Gelände genauer zu untersuchen, bevor dort wieder eine Schule gebaut werden kann. 

Dass eventuell nistenden Vögeln nichts geschiet, dafür werden die Düsseldorfer Umweltingenieure, die von der Gemeinde den Auftrag erhalten haben, schon sorgen.

Abgerissen wird übrigens auch ein Wohnhaus neben der Schule, die Flamersheimer Straße 23. Samt Keller werden die Jahrzehnte alten Bauten verschwinden und einer riesigen Baugrube Platz machen. Sie soll, wie die Gemeinde dem Ausschuss das beschrieb, nahezu das gesamte Gelände umfassen. Da es weitere Gebäude an der Grundstücksgrenze gibt, sollen sie durch eine Trägerbohlenwand gesichert werden.

Vermutlich wegen der großen Vorfreude hatte die Gemeinde bereits vermeldet, der Rückbau beginne nun im Frühjahr, doch die neue Gemeindesprecherin Anna Peters musste das korrigieren. Vielmehr sei im März erst eine Information der Anlieger geplant. Ein Abriss mit schwerem Gerät sei für diesen Sommer zu erwarten, eine fertige Baugrube erst im Frühjahr des kommenden Jahres. Die Gemeindeverwaltung ist zuversichtlich weiter voranzukommen. Zwar müssten die Architektenleistungen für Objektplanung, Gebäude und Innenraum  für den Neubau einer Schule mit Dorfsaal neu vergeben werden, doch „der Zuschlag wird aller Voraussicht nach vor Beginn der Sommerferien erteilt werden können“, heißt es. Kosten und Zeitplan soll es später geben.

Die ehemalige Grundschule ist abgesperrt.

Die ehemalige Grundschule ist abgesperrt.

Die Container für den Ersatzbau in Odendorf, der nach der Flut im Jahr 2021 notwendig wurde, hatte die Gemeinde gekauft. Sie sollten im Anschluss an die Verwendung in Odendorf für die Bauarbeiten an der Gesamtschule in Heimerzheim Verwendung finden. Doch ohne ein Nutzungsende in Odendorf, werden diese Container nicht für andere Projekte frei. Dies bestätigte die Gemeindeverwaltung inzwischen auch auf eine Anfrage der Rundschau hin: „Da in Heimerzheim der Gesamtschulzubau 2027/2028 beginnen soll, ist es zeitlich nicht möglich, die Containeranlage Odendorf in Heimerzheim weiter zu verwenden.“

Die Rundschau hatte auch nach den Schadstoffen gefragt. Die Antwort: „In zahlreichen Bohrungen wurden verdeckte Baustoffe festgestellt, die entweder schadstoffverdächtig sind (z.B. Bituminöse Trennschichten, Schwarzanstriche, KMF-Dämmungen) oder zumindest als Störstoff (z.B. Styropordämmungen oder Trennlagen, Heraklithplatten, Kunststofffolien) einzustufen sind. Da die Schadstoffe im Baumaterial gebunden sind und im laufenden Betrieb keine Gefahr darstellten, könnten diese dann beim Rückbau freigesetzt werden. Hierzu sind entsprechende Schutzmaßnahmen für den Rückbau zu treffen.“