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Lebensmittel verteilenEuskirchener Tafel sucht händeringend Verstärkung

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Eifrige Frauen sortieren Lebensmittel und sorgen so dafür, dass die Waren der Tafel Euskirchen bei den Empfängern in akzeptablem Zustand ankommen. Die Vorsitzende Heidemarie Purwin-Görgen (2.v.r.) ist fast täglich in der Einrichtung.

Euskirchen – Sie machen sich um acht Uhr morgens auf zur ersten Tour, um neun Uhr startet gewöhnlicherweise die zweite Runde, dann ab 10.30 Uhr die dritte Fahrt: Matthias Meixner, gelernter Fotograf und ehemaliger Artillerie- und Nachrichtenoffizier der Bundeswehr , sitzt am Lenkrad des Ford-Transit-Kühlwagens der Euskirchener Tafel. Rudi Schäfer, ehemaliger Fahrdienstleiter der Deutschen Bahn, hat auf dem Beifahrersitz Platz genommen und füllt schon mal eine Liste aus: „Leergut“ für einen Supermarkt im Euskirchener Stadtgebiet.

Die beiden ehrenamtlichen Mitarbeiter der Euskirchener Tafel gehen nicht etwa auf Betteltour, sondern holen bei Verbrauchermärkten überflüssige oder nicht mehr verkäufliche Lebensmittel ab – und bringen leere Plastikkisten vom Vortag zurück. Am Donnerstagvormittag kurven Meixner und sein Spannmann Schäfer durch den Stadtkern, holen bei Edeka an der Billiger Straße kistenweise Salat, Obst, Gemüse und Brot vom Vortag ab, dazu einen Karton mit Fruchtjoghurt. Schäfer reicht die vollen Kisten von der Rampe an, Meixner stapelt sie im Kühltransporter.

Susanne Bröske vom Penny-Markt an der Kessenicher Straße reicht Matthias Meixner eine Kiste Brot an, das nicht mehr verkäuflich ist.

Weil Buchführung auch bei einer Tafel das A und O ist, notiert Schäfer, wie viele Kisten man mitgenommen hat, schreibt in Stichworten auf, was darin ist, und macht schon den nächsten Zettel fertig.

Temperaturen dokumentiert

Im Einkaufszentrum an der Georgstraße steuert Meixner die Rückseite von Aldi an. „Glück gehabt“, sagt er lachend. Die Rampe ist frei, das Team kann direkt bis ans Gebäude fahren. Aldi-Mitarbeiter Pascal Staisch hat den Warenüberschuss schon auf einen Palettenwagen gepackt und rollt ihn an die Ladekante: Salat, Tomaten, Obst und Bananen nimmt das Tafel-Team mit.

Weiter geht es durch die Kreisstadt. Bei den beiden Penny-Märkten an der Kessenicher Straße und der Gerberstraße reichen Susanne Bröske und Silke Meyer Kartons heraus, die sie bis zum Eintreffen des Tafel-Teams im Kühlhaus aufbewahrt haben. Auf den „Lieferscheinen“ sind die Temperaturen dokumentiert, unter denen die Waren bislang gelagert wurden.

Salat, Tomaten, Obst und anderes Gemüse rollt Pascal Staisch an die Laderampe des Aldi-Marktes an der Georgstraße.

Das Duo Meixner/Schäfer klappert nach einer festgelegten Liste unterschiedliche Märkte ab, ehe es die Ausgabestelle in der Roitzheimer Straße 36, im Hof der ehemaligen Spedition Daufenbach, ansteuert – und an diesem Vormittag tatsächlich erstmals warten muss. Denn ein Kühlfahrzeug der Mechernicher Tafel steht dort, an der Rampe werden gerade eingeschweißte Fleischprodukte eines Nahrungsmittelerzeugers aus dem Rhein-Sieg-Kreis ausgeladen.

Um die 300 Tonnen Lebensmittel, die sonst im Müll landen würden, verteilt die Euskirchener Tafel jährlich an zwei Ausgabetagen, dienstags und donnerstags, an Bedürftige, die je nach Größe der Familie nur wenige Euro für volle Lebensmitteltüten bezahlen müssen. 27.000 Kilometer fahren die beiden Kühlfahrzeuge der Tafel im Jahr, 44 ehrenamtliche Mitarbeiter opfern ihre Freizeit, um die Lebensmittel verteilen zu können. „Wir versorgen rund 120 Bezieher, die für 600 Bedürftige stehen“, rechnet Purwin-Görgen vor.

Netzwerk

„Unsere Tafel-Netzwerke funktionieren“, sagt Heidemarie Purwin-Görgen, die Vorsitzende der Tafel Euskirchen. Die Tafeln im Kreis und in der angrenzenden Region arbeiten eng zusammen. So werden Großspenden über die Tafeln in Köln in die Region verteilt.

Die Euskirchener Tafel beispielsweise hat Kontakte zu einem großen Konzern, der Milchprodukte herstellt: „Da schicken wir unser Fahrzeug dann nach Krefeld, holen die Spende ab und verteilen die Waren auch an unsere Partner-Tafeln“, so Beatrice Lange, die Tafel-Schriftführerin.

Andere Tafeln werden etwa von Obsterzeugern und Obsthändlern versorgt und geben dann Äpfel, Birnen und Orangen oder Mandarinen ins Netzwerk. (bz)

Doch für die Arbeit in der Tafel und mit den Tafel-Transportern sucht die Organisation dringend ehrenamtliche Mitstreiter. „Wir brauchen vor allen Dingen Männer, die den Transporter fahren und die Kisten ein- und ausladen“, schildert Purwin-Görgen, warum sich die Tafel mit einem Tag der offenen Tür an die Öffentlichkeit wendet.

Sauber dokumentiert Rudi Schäfer die Ergebnisse der Fahrt.

Außerdem könnte das Team der Ausgabestelle Verstärkung vertragen. Deshalb will die Tafel Euskirchen mit dem Tag der offenen Tür am Samstag, 8. September, auf ihr Anliegen aufmerksam machen und von 11 bis 15 Uhr interessierten Menschen die Möglichkeit geben, sich vor Ort an der Roitzheimer Straße selbst zu informieren.

www.euskirchener-tafel.de