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GesundheitNach der Insolvenz übernimmt wohl der Kreis die Klinik in Prüm

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Zwei Männer und eine Frau stehen an einem Röntgengerät, das im Operationssaal des Krankenhauses in Prüm eingesetzt wird.

Ersatzinvestition trotz Insolvenz: Ute Schellen (OP-Leitung, v.l.), Chefarzt Dr. Thomas Beyer und Geschäftsführer Michael Wilke (von links) neben dem neuen C-Bogen für den Operationssaal.

Gesundheitsversorgung in der Region: Die Entscheidung über die Trägerschaft des St.-Josef-Krankenhauses steht am 7. September an.

Für 150.000 Euro hat der derzeitige Träger des St. Josef-Krankenhauses in Prüm einen neuen „C-Bogen“ für die 3D-Röntgentechnik im Operationssaal gekauft. Die Ersatzbeschaffung erfolgte wenige Wochen vor einem schicksalhaften Tag für das in Insolvenz in Eigenverwaltung geratene Krankenhaus: Am 7. September steht die Frage des Landkreises Bitburg-Prüm als möglichem künftigen Träger auf der Tagesordnung des Kreistages.

Dass es genau dazu kommt, hält Klinik-Geschäftsführer Michael Wilke nicht für unwahrscheinlich. Denn als Einrichtung der medizinischen Grundversorgung darf St. Josef nicht geschlossen werden. Steigt die Josefs-Gesellschaft gAG als Träger aus, wonach es aussieht, und findet sich kein anderer, bleibt nur der Landkreis übrig. Für den wäre der Erhalt eine Pflichtaufgabe.

Viele kleine Krankenhäuser auf dem Land haben Probleme

Für den Ausstieg aus der Verantwortung bedarf es in solchen Fällen eines notariell beglaubigten Vertrags, der allerdings aufschiebende Wirkung hat, bis der neue Krankenhausträger gefunden ist. Zudem muss dem Wechsel auch die Aufsichtsbehörde, die ADD in Trier, zustimmen. St. Josef in Prüm ist nach Einschätzung Wilkes kein Einzelfall: „In Deutschland gibt es an die 500 Krankenhäuser, die in einer vergleichbaren Lage sind.“ Seiner Beobachtung nach ziehen sich überall private Träger eher zurück.

Ein Mann steht neben einer Figur des heiligen Josef.

Mit St. Josef: Eine Zukunft unter neuem Träger sieht Michael Wilke für die Klinik in Prüm.

Die Ursachen für die Probleme bei der Wirtschaftlichkeit kleiner Krankenhäuser auf dem Land sind dabei strukturbedingt, davon ist Wilke überzeugt. So sei die Krankenhausfinanzierung schon vor Jahrzehnten zu marktwirtschaftlich ausgerichtet worden. Er meint: „Wir sind als Krankenhaus doch näher bei der Feuerwehr als bei einem Türengeschäft.“ Und auch die heute gravierenden demografischen Probleme seien lange absehbar gewesen.

Wilke beschreibt die Lage so: „Wir haben mit St. Josef etwa 5200 bis 5300 stationäre Patienten pro Jahr, so viele hat ein größeres Haus wie etwa das Brüderkrankenhaus in Trier schon in einer Fachabteilung.“ Das Prümer Haus müsse mit diesen Zahlen aber für ein Verbreitungsgebiet von der Größe Berlins arbeiten und zudem einen 24/7-Bereitschaftsdienst aufrechterhalten. Das verursache insgesamt Personalkosten, die mit den Einnahmen aus dem Krankenhausbetrieb nicht mehr zu decken seien.

Geschäftsführer: Arbeisplätze und Leistungen in Klinik sind sicher

Wilke sieht daher in einer Überführung der Trägerschaft unter das Dach einer Gebietskörperschaft wie dem Landkreis Bitburg-Prüm die vielleicht einzige Lösung. Auch wenn das den Landkreis teuer kommen werde.

Egal, wie es mit St. Josef weitergehe – für ihn stehe fest: „Alle 450 Arbeitsplätze sind sicher. Auch das Leistungsangebot der Fachabteilungen und die Fachabteilungen selbst.“ Die Zuversicht nimmt er aus dem gesetzlichen Grundversorgungsauftrag, den St. Josef erfüllen muss. „Und der wird von niemandem angezweifelt“, so Wilke.

Wie zum Beweis hat der Noch-Träger, die Josefs-Gesellschaft gAG, gerade den neuen „C-Bogen“ für die 3D-Röntgentechnik gekauft. Das Gerät ersetzt ein altes und ist zudem eine Anforderung der Berufsgenossenschaften. Ein „C-Bogen“, der Name bezieht sich auf die Form, ermöglicht dreidimensionale Aufnahmen während laufender Eingriffe. So können Operateure einen noch präziseren Blick auf Knochen, Gefäße und Implantate ohne zusätzlichen Eingriff werfen.

150.000 Euro ausgeben, wo eigentlich jeder Cent zweimal umgedreht werden müsste? Für Wilke ist das kein Widerspruch: „Bei einer Insolvenz in Eigenverwaltung darf man keine strategischen Investitionen vornehmen. Für den Fortbetrieb des Hauses nötige aber schon.“ Man wolle so den Patienten auch medizinisch weiterhin eine gute Versorgung auf höchstem Niveau bieten. Und: „Wir wollen unsere Position als verlässlicher Gesundheitsversorger in der Region stärken.“