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Plumbi und Kiki sind die StarsAufgaben beim Gesundheitsamt im Kreis Euskirchen sind vielfältig

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Das Bild zeigt ein Kita-Kind, wie es an einer Handspielpuppe das richtige Zähneputzen übt.

Wie funktioniert die richtige Zahnpflege? Kinder übten an Jimmy das richtige Zähneputzen.

Plumbi, Jimmy und Kiki sind die heimlichen Helden beim Tag der offenen Tür des Gesundheitsamts. Bei den Schuleingangsuntersuchungen stockt es. 

Die heimlichen Stars waren Jimmy, Kiki und Plumbi – jedenfalls bei den jüngsten Besuchern. Die sympathischen Maskottchen – Jimmy das Zahnputzpferd, das Drachenmädchen Kiki und Plumbi der Maulwurf – machten den „Tag des Gesundheitsamtes“ für die Kinder zu einem Ort voller Entdeckungen, Begegnungen und Mitmachaktionen.

Aber auch für die etwas größeren und vor allem älteren Besucher bot der Tag der offenen Tür die Gelegenheit, hinter die Kulissen einer Institution zu blicken, die für die Bevölkerung eine zentrale Rolle spielt, im Alltag jedoch oft kaum wahrgenommen wird. Unter dem Motto „Vielfalt für Gesundheit“ öffnete die Behörde ihre Türen und zeigte, wie breit das Spektrum ihrer Aufgaben ist.

Vielfältige Aufgaben beim Gesundheitsamt

Und diese Arbeit ist in der Tat vielfältig: Sie reicht vom Infektionsschutz über Prävention und Gesundheitsberatung bis hin zu Schuleingangsuntersuchungen. Darüber hinaus unterstützt das Gesundheitsamt Schwangere und Familien, Menschen mit chronischen oder psychischen Erkrankungen sowie sozial benachteiligte Gruppen. Auch Umweltmedizin, Hygieneüberwachung und Gesundheitsberichterstattung gehören zu den zentralen Aufgabenfeldern.

Vor allem Eltern kennen das Gesundheitsamt aufgrund der Schuleingangsuntersuchungen. Um die Tests bei den kommenden Grundschülern ranken sich zum Teil wilde Gerüchte und Mythen. Kein Geheimnis ist, dass die Zahl der durchgeführten Schuleingangsuntersuchungen in den vergangenen Jahren bei nur rund 60 Prozent lag. Der Grund: Personalmangel.

Die verfügbaren Personalressourcen in kinder- und jugendärztlichen Diensten werden derzeit gezielt auf Kinder mit erhöhtem Unterstützungsbedarf, beispielsweise Sprachentwicklungsstörungen, ausgerichtet.
Birgit Wonneberger-Wrede, Chefin des Kreis-Gesundheitsamts

„Die verfügbaren Personalressourcen in kinder- und jugendärztlichen Diensten werden derzeit gezielt auf Kinder mit erhöhtem Unterstützungsbedarf, beispielsweise Sprachentwicklungsstörungen, ausgerichtet“, erklärt Birgit Wonneberger-Wrede, Leiterin des Fachbereichs: „Daher wurde im Jahr 2024 bei den Schuleingangsuntersuchungen nach Bedarfsmeldungen von Eltern und Kindertageseinrichtungen priorisiert.“ Auch im vergangenen Jahr habe man priorisieren müssen.

Ähnlich wie in vielen Bereichen ist auch beim Kreis-Gesundheitsamt der Fachkräftemangel ein großes Thema. Erst jüngst hat auch der ehemalige Leiter des Gesundheitsamtes, Christian Ramolla, die Kreisverwaltung verlassen. Er wird nach eigenen Angaben Mitte Mai zum Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe nach Bonn wechseln. In Bonn übernehme er die Leitung des Referats „Klinische Versorgung“, in dem bundesweit Katastrophen- und Krisenkonzepte für Kliniken entwickelt werden, so Ramolla.

Das Bild zeigt die Amtsapothekerin des Kreises, wie sie eine Salbe herstellt.

Die unterschiedlichen Abteilungen öffneten für die Besucher ihre Türen. Unter anderem wurde auch Salbe hergestellt.

Das Bild zeigt Gunter-Projektleiter Stephan Schmitz am mobilen Gesundheitsamt.

Der Kreis Euskirchen ist mit Gunter, dem mobilen Gesundheitsamt, sehr zufrieden.

Seine Nachfolgerin berichtete im Gespräch mit dieser Zeitung, dass die Ressource „Arzt“ im Allgemeinen knapp geworden sei. Durch die Tarifbindung könne der Kreis mit der freien Wirtschaft nicht mithalten, wenn es ums Gehalt gehe. Zudem fliege der öffentliche Gesundheitsdienst oft unter dem Radar. „Viele Ärzte oder angehende Ärzte wissen gar nicht, dass es uns gibt“, so Wonneberger-Wrede.

Viele Prozesse laufen mittlerweile digital ab

Dabei wird auch die Arbeit im Gesundheitsamt immer digitaler. Um die Digitalisierung weiter voranzutreiben, hatte der Kreis vor drei Jahren einen Förderantrag in Höhe von 3,5 Millionen Euro gestellt. Ein Teil der Summe ist investiert worden – beispielsweise in das Fahrzeug „Gunter“.

Aber auch gewisse Prozesse laufen längst digital. So können Termine online gebucht werden. Eltern können laut Wonneberger-Wrede im Vorfeld der Schuleingangsuntersuchungen die entsprechenden Unterlagen hochladen. „Zudem entwickeln wir bei den Lebensmittelkontrolleuren einen elektronischen Workflow, der viele Dinge erleichtert – für alle Beteiligten“, so die Euskirchener Gesundheitsamtschefin.

Zudem hat sich nach Angaben der Kreisverwaltung der Austausch zwischen den Gesundheitsämtern, aber auch zwischen Laboren, Apotheken und Kliniken verbessert. Bisher war der Weg per Post oder mit inkompatiblen Dateien umständlich und zeitintensiv.

Ein besonderes Highlight beim Tag der offenen Tür war das Gesundheitsmobil „Gunter“ – ein hochmodernes Laborfahrzeug, das direkt vor Ort Wasserproben analysieren kann. Ob aus Flüssen, Seen oder Tanks – mikrobiologische und chemische Untersuchungen sind nahezu in Echtzeit möglich. Dank moderner Technik liegen Ergebnisse oft schon nach wenigen Stunden vor.

Im Inneren des Fahrzeugs befinden sich zwei voll ausgestattete Arbeitsplätze, eine Sicherheitswerkbank sowie Messgeräte zur Bestimmung von Trübung und Leitfähigkeit. Eine ausfahrbare Probenstange erleichtert die Entnahme auch an schwer zugänglichen Stellen. Das autark arbeitende Fahrzeug wurde mit EU-Mitteln finanziert und soll helfen, im Ernstfall schneller reagieren und die Bevölkerung besser schützen zu können.

Bleimaulwurf Plumbi ist für die Aufklärung zuständig

Auch das Projekt „Plumbi – der Bleimaulwurf“ zeigt, wie Gesundheitsvorsorge und Aufklärung ineinandergreifen. Hintergrund sind erhöhte Bleigehalte im Boden, insbesondere in den Regionen rund um Mechernich und Kall. Untersuchungen hatten ergeben, dass etwa 15 Prozent der Kinder erhöhte Bleiwerte aufweisen. Der Kreis reagierte mit Sanierungen und mit gezielter Aufklärung.

Im Mittelpunkt steht die Figur „Plumbi“, die Kindern spielerisch vermittelt, wie sie sich im Alltag schützen können. Ergänzt wird das Konzept durch ein Kinderbuch, Schul- und Kitabesuche sowie Informationsangebote für Familien. Für dieses Engagement wurde der Kreis Euskirchen mit einem Sonderpreis des Bodenschutzpreises NRW ausgezeichnet.

Soziotherapie richtet sich an mit Menschen mit psychischen Erkrankungen

Ein weiterer wichtiger Baustein ist die Soziotherapie. Sie richtet sich an Menschen mit psychischen Erkrankungen und setzt direkt im Alltag an. Ziel ist es, Betroffene zu stabilisieren, ihre Selbstständigkeit zu fördern und ihnen den Umgang mit krankheitsbedingten Belastungen zu erleichtern. Neben Einzelgesprächen umfasst das Angebot auch praktische Unterstützung im Alltag, Hilfe in Krisensituationen und Begleitung bei Behördengängen.

Weniger sichtbar, aber ebenso bedeutend ist die Arbeit im Bereich der Arzneimittelsicherheit. Auch dies fällt in den Zuständigkeitsbereich des Gesundheitsamtes – in den von Amtsapothekerin Stephanie Trutwin-Bornhöft. Sie überwacht Apotheken und stellt sicher, dass gesetzliche Vorgaben eingehalten werden. Apotheken selbst seien dabei weit mehr als reine Ausgabestellen für Medikamente.

Sie beraten Patientinnen und Patienten umfassend, prüfen Verordnungen und stellen bei Bedarf individuelle Arzneimittel her. Gerade bei sogenannten Rezepturen – also speziell angefertigten Medikamenten – seien Fachwissen, Sorgfalt und strenge Kontrollen gefragt, so die Expertin. Jeder Herstellungsschritt müsse dokumentiert werden. Wie wichtig all diese Aufgaben seien, zeige sich besonders in Krisenzeiten, etwa während der Corona-Pandemie oder nach der Flutkatastrophe im Jahr 2021.

In solchen Situationen übernimmt das Gesundheitsamt eine zentrale Rolle bei der Koordination von Maßnahmen und dem Schutz der Bevölkerung. „Viele dieser Leistungen werden im Alltag kaum wahrgenommen – und sind doch von enormer Bedeutung für unsere Gesellschaft“, so Achim Blindert, Allgemeiner Vertreter des Landrats.