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KostendruckWarum Taxiunternehmer im Kreis Euskirchen die Gebührenerhöhung fordern

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Das Bild zeigt bei Nacht ein beleuchtetes Schild mit der Aufschrift „Taxi“ auf dem Dach eines Autos.

Nachts geht das Angebot an verfügbaren Taxis im Kreis Euskirchen deutlich zurück – ein wirtschaftlicher Betrieb ist dann mit Ausnahme der Silvesternacht und im Karneval kaum möglich. Eine Verpflichtung für eine 24/7-Erreichbarkeit gibt es laut Kreis hier nicht. 

Taxifahren im Kreis Euskirchen soll teurer werden. Ist das ein Ärgernis oder für eine Branche überlebenswichtig? 

Taxifahren soll im Kreis Euskirchen schon bald teurer werden: Wie berichtet, steht die Gebührenordnung mit den entsprechenden Kilometertarifen auf der Tagesordnung des Kreistags.

Für den einzelnen Fahrgast mag die bevorstehende Preiserhöhung ärgerlich sein – Taxiunternehmer wie Monika und Wolfgang Goebel aus Kall, die bereits seit Jahrzehnten im Geschäft sind und die Branche gut kennen, sehen sie als längst überfällig an. Zuletzt waren die Gebühren im Jahr 2022 angehoben worden – jetzt hat der Verband der Taxiunternehmen eine Anpassung der Tarife beantragt.

Hohe Kosten für Diesel und Versicherung sorgen für Probleme

Die Kreisverwaltung hält eine Erhöhung grundsätzlich ebenfalls für notwendig, schlägt jedoch eine moderatere Anpassung vor – so geht es aus der Sitzungsvorlage für den Kreistagsausschuss hervor. Demnach soll die Grundgebühr künftig 5 Euro betragen. Der Kilometerpreis tagsüber würde auf 3 Euro steigen, nachts und an Feiertagen auf 3,20 Euro. Eine Fahrt vom Bahnhof in Kall zum Rathaus in Hellenthal würde sich dann (tagsüber) von jetzt rund 42 auf etwa 47 Euro verteuern.

Die Preisanpassung ist absolut notwendig, um den Taxibetrieb weiterhin wirtschaftlich anbieten zu können.
Wolfgang Goebel, Taxiunternehmer

„Die Preisanpassung ist absolut notwendig, um den Taxibetrieb weiterhin wirtschaftlich anbieten zu können“, betont Wolfgang Goebel. Als Grund nennt er beispielhaft die aktuellen Preissteigerungen für den Dieselkraftstoff und gestiegene Kosten für die Versicherung seiner Fahrzeuge. „Bei einer Fahrleistung von etwa 50.000 Kilometern jährlich kostet die Vollkaskoversicherung für jedes einzelne Taxi etwa 500 Euro im Monat“, so Goebel.

Obwohl der Kaller bereits vor 57 Jahren erstmals hinter dem Steuer eines hellelfenbeinfarbenen Mercedes – so heißt die offizielle Taxi-Farbe in Deutschland – saß, um Fahrgäste von A nach B zu befördern, ist das Geschäft für ihn die „Zweitkarriere“, die er erst zum Beruf machte, als er mit Anfang 50 aus seinem Dienst bei der Bundeswehr ausschied.

Der Taxiunternehmer Wolfgang Goebel aus Kall steht in der geöffneten Tür seines Taxis, einer Mercedes-E-Klasse.

Saß bereits 1969 erstmals hinterm Steuer eines Taxis: Unternehmer Wolfgang Goebel aus Kall.

„Meine Eltern hatten den Taxibetrieb in Kall schon 1962 gegründet. Ich habe die Firma dann 1998 zusammen mit meiner Frau übernommen“, erzählt Goebel, der auch heute noch regelmäßig hinterm Steuer des Diesel-Mercedes sitzt, der das obligatorische Taxischild auf dem Dach trägt. Neun Fahrzeuge mit dem Taxi-Goebel-Schriftzug sind von Kall aus im Einsatz.

Taxis übernehmen im Kreis Euskirchen viele Krankenfahrten

Das Geschäft hat sich laut Goebel in den vergangenen Jahrzehnten enorm verändert. „Inzwischen machen Krankenfahrten bis zu 70 Prozent des Umsatzes aus“, rechnet Betriebsinhaberin Monika Goebel vor, die das Büro leitet und die Buchhaltung erledigt. „Solche Fahrten – etwa zur Dialyse oder zur Chemotherapie – werden jedoch nicht nach dem allgemeinen Taxi-Tarif abgerechnet“, ergänzt Ehemann Wolfgang. Die Fachvereinigung Personenverkehr Nordrhein Taxi-Mietwagen, in der die Unternehmen aus der Region organisiert sind, handelt dazu mit den Verbänden der Krankenkassen separate Verträge aus. „Diese Kilometerpreise liegen deutlich unter den allgemeinen Sätzen“, so Goebel weiter.

Während die meisten „normalen“ Fahrten für Goebel und sein Team innerhalb des Kaller Gemeindegebiets und auf Strecken innerhalb des Kreises Euskirchen verlaufen, werden bei Krankenfahrten auch die Unikliniken in Aachen, Köln oder Bonn angesteuert. Aachen ist auch einmal pro Jahr das Ziel jedes seiner Taxis, wenn der Taxameter geeicht werden muss.

Taxiunternehmer dürfen Fahrten nicht ablehnen und zahlen manchmal drauf

„Im Gegensatz zu normalen Autos muss ein Taxi außerdem auch im Jahresrhythmus zur Hauptuntersuchung beim TÜV“, zählt der Kaller einen weiteren Kostenfaktor auf. Geregelt ist das in Paragraf 41 der BOKraft (Verordnung über den Betrieb von Kraftfahrzeugunternehmen im Personenverkehr).

„Das alles verursacht natürlich Kosten, die erst wieder erwirtschaftet werden müssen“, so Goebel: „Außerdem gibt es Fahrten, da lege ich Geld dazu, darf sie aber gar nicht ablehnen, wenn ich meine Taxi-Konzession behalten möchte.“ Als Beispiel nennt er eine Fahrt von Sistig nach Reifferscheid. „Innerhalb des Kaller Gemeindegebiets darf ich keine Anfahrt berechnen – die Strecke von Kall nach Sistig zahle ich also selbst“, erklärt der Taxiunternehmer. Statt eines Gesamtbetrags von rund 40 Euro landen so nur 17 Euro in der Kasse.

Mit steigenden Kosten muss die Branche auch ab Anfang 2027 rechnen, wenn der Mindestlohn von derzeit 13,90 auf 14,60 Euro angehoben wird. „Uns kostet die Stunde allerdings rund 18 Euro, weil ja auch noch die pauschalen Beiträge der Renten- und Sozialversicherung und anteilige Kosten für Berufsgenossenschaft, Betriebsarzt und Datenschutz dazukommen“, so Monika Goebel. „Ganz davon abgesehen, dass es sehr schwer ist, verlässliches und vernünftiges Personal zu finden“, so Wolfgang Goebel.

Die Klage, dass man immer dann, wenn man auf ein Taxi angewiesen sei, keines bekomme, will Goebel nicht gelten lassen: „Da kann ich nur für mich sprechen, aber wir sind in der Woche bis 23.30 Uhr und am Freitag und Samstag sogar bis 2.30 Uhr für unsere Fahrgäste unterwegs.“ In den Nachtstunden sei das Geschäft in einer ländlich geprägten Region hingegen uninteressant. Ausnahme: „In der Silvesternacht und an Karneval geht es natürlich länger.“


27 Taxiunternehmen gibt es im Kreis Euskirchen

Die wirtschaftliche Lage der Taxi-Branche im Kreis Euskirchen gilt laut Fachvereinigung Personenverkehr Nordrhein Taxi-Mietwagen trotz sinkender Unternehmerzahlen bislang als stabil: Während die Zahl der Taxiunternehmen im Kreis seit dem Jahr 2022 von 36 auf aktuell 27 zurückging, blieb die Zahl der Fahrzeuge nahezu konstant.

Laut Auskunft der Kreisverwaltung seien Betriebsschließungen bislang vor allem auf Krankheit oder Todesfälle bei den Unternehmen zurückzuführen – nicht auf mangelnde Rentabilität.

Taxi-Unternehmen gibt es nach Angaben der Kreisverwaltung derzeit in acht von elf Kommunen im Kreis Euskirchen. In Hellenthal, Nettersheim und Weilerswist sind demnach keine Firmen ansässig. Die Mobilität sei aber überall gewährleistet. „Auch durch die weiteren ÖPNV-Angebote wie MiKE kann der Bedarf aber gut gedeckt werden – auch in den Gemeinden ohne Taxi-Unternehmen“, sagt Kreissprecher Wolfgang Andres.

Die geltende Taxenordnung für den Kreis Euskirchen regele vor allem das Bereithalten von Taxis an Taxenständen, Sonderfälle, den Bereitschaftsdienst außerhalb zugelassener Taxenstände oder nächtliches Bereithalten vor Lokalen. „Eine allgemeine Kernzeit, zu der jedes Unternehmen erreichbar sein muss, gibt es aufgrund der Abwägung zwischen Nachfrage und Kosten im Kreis Euskirchen nicht“, so Andres weiter.


Bedarfsverkehr ist stark nachgefragt

Der Bedarfsverkehr im Kreis Euskirchen verzeichnet weiterhin steigende Nutzerzahlen. Wie aus aktuellen Zahlen des Kreises hervorgeht, wurden seit Einführung des heutigen Mike-Systems (Mobil im Kreis Euskirchen) im Jahr 2002 insgesamt rund 3,67 Millionen Fahrgäste befördert. Dabei absolvierten die Fahrzeuge knapp 1,94 Millionen Fahrten und legten insgesamt rund 21,86 Millionen Kilometer zurück.

Besonders stark nachgefragt war das Angebot im Jahr 2025. Mit 295.241 Fahrgästen und 136.658 Fahrten wurde die höchste Nachfrage seit Einrichtung des Bedarfsverkehrs registriert. Die Fahrzeuge legten dabei rund 1,4 Millionen Kilometer zurück.  Der durchschnittliche Besetzungsgrad lag 2025 bei 2,16 Fahrgästen pro Fahrt und damit auf einem vergleichsweise hohen Niveau für den Bedarfsverkehr.

Zu den Strecken mit den höchsten Fahrgastzahlen und überdurchschnittlichen Besetzungsgraden gehörten die Linie 811 zwischen Mechernich und Zülpich, die Linie 819 zwischen Bad Münstereifel und Rupperath sowie die Linie 824 von Blankenheim über Tondorf nach Bad Münstereifel. (tom)