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Tag des NotrufsTäglich 115 Einsätze im Kreis Euskirchen – App Nora hilft, Leben zu retten

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Ein Mann sitzt vor einer Reihe von Bildschirmen.

In der Leitstelle im Euskirchener Kreishaus laufen die Notrufe über die Nummer 112 auf.

In ganz Europa wählt man die 112, wenn man Hilfe braucht. Im Kreis Euskirchen laufen die Notrufe in der Leitstelle im Kreishaus auf. 

Das lernen schon die Kleinen im Kindergarten: Bei einem Notfall wählt man die 112. Aber was ist ein echter Notfall? Und welche Angaben muss man machen, damit die richtige Hilfe am richtigen Ort ankommt? Zum Europäischen Tag des Notrufs, der sinnig auf den 11.2. terminiert ist, erklären das Fachleute.

„Die klassischen fünf W – wo, was, wer und so weiter – muss man nicht wissen“, beruhigt Martin Fehrmann, Leiter der Abteilung Gefahrenabwehr in der Kreisverwaltung. Wer in der Feuer- und Rettungsleitstelle im Kreishaus anruft, landet bei einem Disponenten, der ihn mit gezielten Fragen gewissermaßen durch die Meldung leitet.

Auf dem Bildschirm eines Smartphones ist die Seite der App Nora zu sehen. Am unteren Rand hat sie ein rotes Feld, auf das man tippt, um einen Notruf zu senden.

Die App „Nora“ macht den Notruf noch einfacher.

36 Mitarbeitende, überwiegend Berufsfeuerwehrleute, seien dort im Einsatz, berichtet Markus Neuburg, Leiter der Leitstelle. Tagsüber sei sie mit sechs Personen besetzt, in der Nacht mit fünf. Im vergangenen Jahr sind in der Leitstelle rund 54.000 Notrufe über die 112 eingegangen, dazu kamen rund 340 Notrufe, die automatisch vom verunglückten Auto ausgelöst worden waren. Rund 150.000 Telefonate wurden geführt.

Täglich werden rund 115 Einsätze im Kreis Euskirchen geleistet

„Nicht jeder Notruf führt zu einem Einsatz“, sagt Fehrmann. Trotzdem kommen Feuerwehr und Rettungsdienste im Kreis Euskirchen auf durchschnittlich rund 115 Einsätze pro Tag. 30.000 Rettungsdiensteinsätze, 8500 Krankentransporte, 1150 Brandeinsätze, 390 ausgelöste Brandmeldeanlagen, 1300 Technische Hilfeleistungen und 550 Einsätze wegen chemischer, biologischer, radiologischer oder nuklearer Gefahren verzeichnet die Statistik.

Wählen sollte man die 112 bei echten Notfällen, also bei Bränden, Unfällen oder akuter Lebensgefahr, beispielsweise wenn der Verdacht auf einen Schlaganfall oder Herzinfarkt besteht. Bei gesundheitlichen Problemen, die nicht lebensbedrohlich sind, erreicht man den ärztlichen Notdienst unter 116117.

Mit Nora kann man auch Hilfe rufen, wenn man nicht sprechen kann

Aber was tun, wenn man – beispielsweise nach einem Schlaganfall – nicht sprechen kann? Die Fachleute empfehlen „Nora“. Das ist die offizielle Notruf-App der Bundesländer. Man kann sie sich kostenlos auf Handy herunterladen. Und muss im Notfall nur noch auf „Notruf starten“ tippen.

„Man muss keine Angst haben, den Notruf versehentlich auszulösen“, beruhigt Kreisbrandmeister Peter Jonas. Bevor eine Verbindung zur nächsten Leitstelle aufgebaut werde, laufe ein Countdown, währenddessen man den Anruf noch abbrechen könne. Tatsächlich kann man mit der App auch zum Üben einen „Demo-Notruf“ starten, damit man für den Ernstfall besser vorbereitet ist.

Die App übermittelt den Standort des Handys an die zuständige Leitstelle, die dann die Rettungskräfte gezielt losschicken kann. Und über die hinterlegten persönlichen Daten wissen die Helfer schon Bescheid über eventuelle Vorerkrankungen, auch wenn kein Gespräch zustande gekommen ist. „Nora“ kann ein Baustein sein, um wichtige Sekunden zu sparen – Sekunden, die im Ernstfall Leben retten können.

Um diese entscheidenden Sekunden nicht zu verschwenden, wird bei allen Notrufen, die von einem Handy ausgehen, der Standort automatisch ermittelt. Und die Nummer wird erkannt, auch wenn der Benutzer sie unterdrückt hatte. Beim E-Call, dem automatischen Notruf moderner Autos, wird der Standort ohnehin übermittelt. Der Notruf sei immer kostenlos, betont Martin Fehrmann, es entstünden auch keine Folgekosten für einen eventuellen Einsatz. Sein Appell: „Rufen Sie an!“


Ein Erfolg der Björn-Steiger-Stiftung

Seit 1973 gibt es den bundesweit einheitlichen Notruf 112, eingeführt auf Druck der Björn-Steiger-Stiftung, die damals gegen die Bundesrepublik geklagt hatte. 1991 hat dann die EU den für alle Mitgliedsstaaten verbindlichen Euronotruf 112 beschlossen. Die Nummer ist in allen Kommunikationsnetzen in Europa installiert, weltweit funktioniert sie in allen Mobilfunknetzen. Umgekehrt landet auch, wer in Europa die US-amerikanische Notrufnummer 911 wählt, in der nächstgelegenen Leitstelle.