Die Stadt Schleiden wird doch nicht wie geplant die Verlässliche Grundschule auslaufen lassen. Stattdessen soll die OGS attraktiver werden.
Gute Nachricht für ElternVerlässliche Grundschule in Schleiden wird nicht abgeschafft

Für Bildungsangebote im Rahmen der Offenen Ganztagschule gibt es ab dem nächsten Jahr einen Rechtsanspruch.
Copyright: picture alliance/dpa/Arne Dedert
Die betroffenen Eltern werden es gerne hören: Die Verlässliche Grundschule (VG) wird an den drei Grundschulstandorten in Schleiden, Gemünd und Dreiborn auch in Zukunft weiter angeboten. Parallel soll das Bildungsangebot in den Offenen Ganztagsschulen (OGS) verbessert werden. Diese einstimmige Empfehlung gibt der Aussschuss für Bildung, Soziales, Kultur und Ehrenamt dem Stadtrat, der die Entscheidung in seiner nächsten Sitzung trifft.
Bei der Verlässlichen Grundschule, die in einigen Grundschulen im Kreis Euskirchen angeboten wird, werden Kinder nach dem Unterrichtsende bis zum Ende der sechsten Stunde betreut, ehe sie nach Hause gehen oder fahren.
Stadt wollte Angebot ursprünglich auslaufen lassen
Die Stadt wollte das Angebot in den beiden Grundschulen im Stadtgebiet ursprünglich zum Schuljahr 2026/2027 auslaufen lassen und dafür mehr Kinder in der Offenen Ganztagsschule betreuen lassen. Das hatte die Verwaltung mit dem neuen OGS-Träger „Schule mit Herz“ und unter Beteiligung der Schulleiterinnen der Grundschule Schleiden und des Grundschulverbunds Gemünd-Dreiborn entschieden.
Alles zum Thema Ahrweiler Hochwasser
- Theater Bonn „Gott des Gemetzels“: Ensemble brilliert, Politisierung irritiert
- Ausflüge Diese Ziele erreicht man ab Siegburg/Bonn in unter zwei Stunden mit Regionalzügen
- Rampenfieber und Co. Der Kreis Euskirchen erhält erneut Landespreis für Bildungsprojekte
- Gute Nachricht für Eltern Verlässliche Grundschule in Schleiden wird nicht abgeschafft
- Neujahrsempfang Euskirchen und Partnerstadt erneuern ihre Freundschaft – Leise Töne zu Beginn
- Antrag der FDP Planung für eine neue Gemünder Brücke soll zügig vorangetrieben werden
- Enorme Zahl an Einsätzen Jahresbilanz für die Freiwillige Feuerwehr Bornheim
Die Verwaltung verwies auf die vom Land NRW vorgegebene Stärkung, Optimierung und Attraktivierung der Betreuung in der OGS an allen Grundschulstandorten, um unter anderem dem Rechtsanspruch der Eltern auf Ganztagsbetreuung gerecht zu werden.
In alle Grundschulstandorte im Stadtgebiet Schleiden seien in den vergangenen Jahren zweckgebundene Fördermittel des Landes für den Bau der OGS-Räume und Küchen sowie Außenanlagen geflossen, hatte die Verwaltung betont.
Eltern kritisierten die starre Regelung in der OGS
Viele Eltern wollten sich aber mit der Entscheidung der Stadt nicht abfinden und hatten Unterschriften für den Erhalt der „Verlässlichen Grundschule“ gesammelt. Auch Eltern, deren Kinder zum Schuljahr 2026/2027 eingeschult werden, sprachen sich für die Betreuungsform aus. „Die Eltern kritisieren beispielsweise die starre Regelung bei der OGS, wo die Kinder nur um 15 oder um 16 Uhr abgeholt werden können“, hatte der Beigeordnete Marcel Wolter ein Motiv der Eltern erläutert. Vom Kindergarten seien sie mehr Flexibilität gewöhnt.

Der Grundschulstandort in Gemünd ist einer von dreien im Schleidener Stadtgebiet.
Copyright: Wolfgang Kirfel
Die VG sei eine Betreuungsform, die zusätzlich zur OGS angeboten werde, so Wolter. In Schleiden sei der Anteil der VG-Kinder am niedrigsten, in Dreiborn am höchsten. Gemünd liege dazwischen. Wer Alternativen wie Großeltern oder Nachbarn habe, für den sei die Betreuung bis Schulschluss ausreichend. Menschen in ländlichen Gebieten hätten da in der Regel mehr Möglichkeiten als in den Städten.
Das Problem bei der VG sei der Personaleinsatz für den Träger. Wegen des Rechtsanspruchs seien die Grundschulen auf Ganztagsbetreuung ausgerichtet. Das VG-Modell sei für den Träger nur auskömmlich, wenn deutlich mehr Kinder in der OGS als in der VG angemeldet seien. Dann könne das Personal der OGS die anderen Kinder bis zum Schulschluss mitbetreuen. In Dreiborn aber seien nur 17 Kinder in der OGS und 26 in der VG angemeldet. In Schleiden sei das Verhältnis mit 76 Kindern in der OGS und 23 in der VG besser.
Ausschuss empfiehlt keine Einschränkungen bei der VG
CDU und Grüne hatten daraufhin beantragt, dass die Angelegenheit im Fachausschuss und Stadtrat beraten wird. Beide Fraktionen setzten sich dafür ein, dass das Angebot der VG an allen Grundschulstandorten grundsätzlich erhalten bleibt. Nach der Empfehlung des Ausschusses soll es nun keine Einschränkungen bei der VG geben. Stattdessen soll das OGS-Angebot verbessert werden.
„In der Stadt Schleiden ist die Auslastung der OGS im Vergleich zu anderen Kommunen sehr niedrig“, teilte Wolter mit. In den benachbarten Schulstädten Monschau und Mechernich gebe es weiterführende Schulen sowie drei beziehungsweise vier Grundschulstandorte, die „zentraler“ oder „dörflicher“ gelegen seien. „In Monschau sind dies Höfen, Mützenich und Konzen.
In Mechernich sind es Mechernich, Lückerath, Kommern und Firmenich“, sagte der Beigeordnete. Die Situation sei vergleichbar mit Schleiden. In Mechernich nutze jedes zweite Kind die OGS, in Monschau fast jedes zweite Kind. „In Simmerath gehen sogar drei von vier Grundschulkindern in die OGS.“
Einschränkungen in der Attraktivität und der Qualität der OGS
Auch in der Gemeinde Kall mit den beiden Grundschulstandorten Kall und Sistig besuche rund jedes zweite Kind die OGS. „In allen genannten Grundschulstandorten außer in Sistig wird auch eine VG-Betreuung angeboten.“
„In der Stadt Schleiden nutzen von 408 Grundschulkindern nur 129 das Bildungsangebot der OGS. Das heißt: Noch nicht mal jedes dritte Grundschulkind nimmt an der OGS teil.“ Dies führe zu Einschränkungen in der Attraktivität und der Qualität des OGS-Betriebs. „Wenn nur wenige Kinder mitmachen, ist es zum Beispiel schwer, eine Fußball-AG oder einen Töpferkurs anzubieten. Niedrige Bildungs- und Betreuungsquoten erschweren zudem die Finanzierung der OGS“, so Wolter.
Standorte in Gemünd und Schleiden waren von der Flut stark betroffen
Gleichwohl gebe es ab dem nächsten Jahr einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung. Hinzu komme, dass auch die Rahmenbedingungen für die Bildungsangebote der OGS noch nicht optimal seien: „Die Standorte in Gemünd und Schleiden waren von der Flut stark betroffen und befinden sich noch im Wiederaufbau. So ist beispielsweise die Zweifachturnhalle noch nicht fertiggestellt.“ Die soll zu einer Sport- und Mehrzweckhalle umgebaut werden und nach Fertigstellung auch attraktive OGS-Bewegungsangebote ermöglichen.
Mit dem Schuljahr 2025/2026 hat ein neuer Träger die drei Grundschulstandorte Schleiden, Gemünd und Dreiborn übernommen: der Verein „Schule mit Herz“. Gemeinsam mit dem Träger wolle man nun die Auslastung der OGS durch attraktivere Angebote erhöhen: „Das betrifft die Bildungsangebote, aber auch das Mittagessen. Außerdem sollen die Elternbeiträge etwas gesenkt und die Flexibilität erhöht werden.“ Ferner sollen die räumlichen Rahmenbedingungen für die OGS verbessert werden.
Der neue Träger „Schule mit Herz“ hatte sein Angebot sowie die Hintergründe zu den Inhalten des OGS-Betriebes in der Ausschusssitzung vorgestellt und Fragen der Ausschussmitglieder beantwortet. Einschränkungen bei der VG-Betreuung wollte die Schleidener Politik fraktionsübergreifend aber nicht vornehmen. Die nächste Ratssitzung findet am 26. Februar statt.
Verein „Schule mit Herz“ ist für OGS-Angebote zuständig
Der Verein „Schule mit Herz“ ist nach eigenen Angaben ein korporatives Mitglied der Arbeiterwohlfahrt Regionalverband Rhein-Erft & Euskirchen e.V. (AWO) und fungiert als anerkannter Träger der freien Jugendhilfe.
Zweck des Vereins ist die Erfüllung der Aufgaben in den Bereichen Kinder- und Jugendhilfe, dabei insbesondere die Organisation, der Betrieb sowie die Durchführung von Betreuungs-, Bildungs- und Erziehungsangeboten für Kinder und Jugendliche an Schulen.
Konkret ist der Verein als Träger von Offenen Ganztagsschulen der Primarstufe sowie als außerschulischer Kooperationspartner im Rahmen des Gebundenen Ganztages weiterführender Schulen tätig. Der Verein ist für die OGS-Angebote in Grundschulen in Brühl, Kerpen, Bergheim im Rhein-Erft-Kreis sowie im Grundschulverbund Hellenthal zuständig.

