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NeujahrsempfangEuskirchen und Partnerstadt erneuern ihre Freundschaft – Leise Töne zu Beginn

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Das Bild zeigt die beiden Bürgermeister im Gespräch auf der Bühne.

Gemeinsam mit Bürgermeister Sacha Reichelt (l.) betonte Amtskollege Colin Phillimore aus Basingstoke and Dean die Bedeutung der Städtepartnerschaft in der heutigen Zeit.

Mit Mandolinenklängen eröffnete Euskirchens Bürgermeister Sacha Reichelt den Neujahrsempfang und blickte auf Fortschritt, Wandel und Zusammenhalt.

Mit leisen Tönen begann am Samstagvormittag der Neujahrsempfang von Euskirchens Bürgermeister Sacha Reichelt. Mandolinen bei der deutschen Nationalhymne – das ist so selten, dass es bislang kein passendes Arrangement dafür gab. Umso größer fiel das Lob des Gastgebers an den Leiter des Kuchenheimer Mandolinenorchesters, Ulrich Bleck, aus, der die Komposition eigens für diesen Anlass neu gesetzt hatte. Was dem Ensemble an Lautstärke fehlte, machten die Musikerinnen und Musiker mit Leidenschaft wett – und ernteten für ihre Auftritte immer wieder begeisterten Applaus.

Emotional zeigte sich Reichelt anschließend auch in seinem traditionellen Rückblick auf ein Jahr voller Höhen, aber auch mancher Schatten. Die Folgen der Flut seien, so der Bürgermeister, selbst viereinhalb Jahre später noch spürbar. „Im vergangenen Jahr konnten wir vier von sieben Kitas nach der Flut wieder in Betrieb nehmen“, sagte er.

Behelfsbauten und Modul-Kitas sind eine hilfreiche Übergangslösung, aber wir freuen uns sehr, wenn das ein Ende hat und die Kinder wieder in eigens für sie geplanten Einrichtungen ihren Alltag erleben dürfen.
Sacha Reichelt, Bürgermeister von Euskirchen

„Behelfsbauten und Modul-Kitas sind eine hilfreiche Übergangslösung, aber wir freuen uns sehr, wenn das ein Ende hat und die Kinder wieder in eigens für sie geplanten Einrichtungen ihren Alltag erleben dürfen“, so Reichelt weiter. Die verbleibenden Kitas in Kirchheim, am Kiefernweg und an der Nahestraße sollen bis spätestens Februar 2026 fertiggestellt sein.

Euskirchen verändere sich spürbar – baulich ebenso wie kulturell, betonte Reichelt. Beispiele seien die geplante Erweiterung der Therme Euskirchen, das Projekt Steinbachtalsperre samt künftigem Waldfreibad, der Ausbau des Fernwärmenetzes, die „Nacht der Bibliotheken“ oder das Musikfestival Stadt, Land, Live mit über 1000 Besuchern. „Das funktioniert nur mit Ihnen, mit den Bürgerinnen und Bürgern, die offen sind für Neues“, so Reichelt. „Ich freue mich, dass das an vielen Stellen schon gelingt, möchte Sie aber alle einladen, den neuen Projekten in Euskirchen eine Chance zu geben.“

Entwicklung von Euskirchen ist mit Herausforderungen verbunden

Viele dieser Entwicklungen seien jedoch auch mit Herausforderungen verbunden. So habe der Straßenkarneval im vergangenen Jahr aufgrund eines neuen Sicherheitskonzepts zahlreiche Veranstalter vor Probleme gestellt. „Das ist eine ständige Gratwanderung“, sagte Reichelt. „Ohne Sicherheit geht es nicht – denken Sie nur an das schreckliche Feuer in Crans-Montana. Gleichzeitig darf es aber auch nicht passieren, dass Veranstaltungen durch überzogene Auflagen unmöglich werden.“ Auch die zeitgleich zur Karnevalssession stattfindende Bundestagswahl habe organisatorisch einiges an Flexibilität erfordert.

Gemeinsam mit Colin Phillimore, dem Bürgermeister der Partnerstadt Basingstoke and Deane, blickte Reichelt zudem auf 40 Jahre Städtepartnerschaft zurück. Phillimore fand dabei auch zu politischen Themen klare Worte. Den Brexit nannte er eine „dumme Entscheidung“ und bedauerte, dass sich Großbritannien damit „selbst von der EU separiert“ habe. „Gerade in Zeiten, in denen es Menschen gibt, deren Ziel es ist, uns zu spalten, sind Freundschaften wie unsere Partnerschaft wichtiger denn je“, sagte er. „Die Geschichte zeigt uns: Was wir gemeinsam angehen, gelingt am besten.“

Das Bild zeigt die beiden Obengenannten mit Euskirchens Bürgermeister Sacha Reichelt.

Manfred van Bahlen (l.) und Josef Schleser (r.) wurden im Rahmen des Neujahrsempfangs als Ehrenstadtverordnete ausgezeichnet.

Das Bild zeigt das Orchester während des Auftritts.

Das Kuchenheimer Mandolinenorchester sorgte für stimmungsvolle Musikbegleitung des Neujahrsempfangs.

Für einen Moment der Heiterkeit sorgte Reichelt, als er auf die fehlende Bürgermeisterkette seines britischen Kollegen anspielte: „In England legt man offenbar mehr Wert auf das Material – die Versicherung hat Colin verboten, seine Kette mit ins Ausland zu nehmen. Meine ist zwar nicht tausende Pfund wert, dafür aber bestimmt tausende Pfund schwer.“

Zum Abschluss des Empfangs rückten zwei Persönlichkeiten in den Mittelpunkt, die das Stadtleben über Jahrzehnte geprägt haben. „Heute möchten wir zwei langjährige und besonders verdiente Ratsmitglieder ehren“, sagte Reichelt. Beide seien im vergangenen Jahr mit der Kommunalwahl aus dem Stadtrat ausgeschieden und einstimmig zu „Ehrenstadtverordneten“ ernannt worden.

Über Josef Schleser sagte der Bürgermeister: „Wer ihn kennt, weiß, dass er immer im Einsatz ist – für andere Menschen und für seine Heimatstadt.“ Selbst im Ruhestand ließ Schleser es sich nicht nehmen, einen Appell zu formulieren: „Bezahlbarer Wohnraum und Sozialwohnungen sind in Euskirchen noch zu selten. Da musst du noch etwas tun, lieber Sacha – das ist meine Bitte.“ Der zweite Geehrte, Manfred van Bahlen, habe sich insbesondere für Integration, Breitensport und Tourismus eingesetzt.

„Mit Manfred van Bahlen verlässt jemand den Rat, der über große politische Erfahrung, einen sicheren Kompass und eine faire Diskussionskultur verfügt“, betonte Reichelt. „Ich hoffe sehr, dass sich die Nachfolgenden ein Beispiel an seinem Engagement und seiner Haltung nehmen.“ Die Auszeichnung als „Ehrenstadtverordneter“ sei, so Reichelt, gleichermaßen Anerkennung für das Geleistete und Ansporn für kommende Generationen, „mit ähnlichem Einsatz die Entwicklung Euskirchens weiter voranzutreiben“.