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VerbesserungsvorschlägeChristen kritisieren die Amtskirche in Euskirchen

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Muntere Diskussionen: In kleinen Gruppen und im gesamten Plenum wurde über die Zukunft der Kirche beraten.

Euskirchen – Wenn Vera Krause dem Erzbischof von ihrem Abend in Euskirchen erzählt, dürfte der sich nicht über alles freuen. Die Leiterin der Diözesanstelle Pastoraler Zukunftsweg wird Kardinal Rainer Maria Woelki zwar von einem Gesprächsforum „Update“ im Euskirchener Casino berichten, das am Dienstagabend rund 250 Menschen besucht haben und sich durch eine offene Aussprache und eine hohe Streitkultur auszeichnete – das aber auch deutlich machte, wie tief die Kluft zwischen der Basis und der Amtskirche inzwischen geworden ist.

Gekommen, um zuzuhören: Moderatorin Eva Krause (vorne) und das Pastoralteam des Seelsorgebereichs Euskirchen-Bleibach/Hardt.

Genauso deutlich wie das Pastoralteam im Seelsorgebereich Euskirchen-Bleibach/Hardt für seine Arbeit von den Teilnehmern gelobt wurde, wurden auf der anderen Seite die hohen Würdenträger der katholischen Kirche kritisiert. Wobei auch ein Besucher viel Applaus erhielt, der an die Verantwortung jedes Einzelnen appellierte: „Wer etwas vermisst, aber nichts tut, ist wie ein Mensch, der am Bahnhof aufs Schiff wartet.“

Die Gläubigen

„Wow“, entfuhr es Pastoralreferent Robert Sins, als er in die Reihen des Publikums blickte. Mit so viel Resonanz hatten die Organisatoren nicht gerechnet. Stühle mussten zusätzlich herangeschafft werden. Der Altersschnitt, so schätzte Vera Krause, spiegele den in den Gottesdiensten wider. „Es sind auch einige junge Leute gekommen“, freute sich die Moderatorin des Abends. Dass Sins nach einigen Minuten seiner Eröffnungsrede für alle vernehmbar gefragt wurde, wer er denn eigentlich sei, bewertete Krause als gutes Zeichen. Nicht zuletzt sollte sich die Veranstaltung ja an Menschen richten, die nicht jeden Sonntag zum Gottesdienst kommen.

Die Kritik

Es durfte alles gesagt werden, Querdenken und Kritik waren nicht nur erlaubt, sondern erwünscht. „Wir wollen heute eine hörende Kirche sein“, gab Sins den Ton vor. Die Teilnehmer ließen sich nicht lange bitten. Abgehoben, nicht auf Augenhöhe mit der Basis – so wurde die Amtskirche gleich in mehreren Wortbeiträgen charakterisiert. Das würden auch jene zu spüren bekommen, die sich vor Ort in den Gemeinden und den Sendungsbereichen engagierten. Ob ein Update da wirklich ausreiche, fragte ein Mann: „Irgendwann ist die Hardware auch nicht mehr kompatibel.“

Dass sich Kardinal Woelki in seinem diesjährigen Fastenbrief theologisch dem Sinn der Eucharistie auf acht Seiten widmete, veranlasste eine Frau zu der Frage in Richtung Köln: „Lieber Kardinal, hast du eigentlich keine anderen Probleme.“ So könne man die Menschen nicht halten.

„Der Umgang der Amtskirche mit den Gläubigen lässt viel zu wünschen übrig“, stellte ein Besucher fest. Das alles mache es schwer, den Glauben im Freundes-, im Kollegen- und selbst im Familienkreis zu leben und zu vertreten – auch angesichts von Kindesmissbrauch, Priestermangel, Zölibat und Sexualmoral. „Die Kirche steht von außen stark unter Feuer“, stellte der Mann fest. Die „Glaubwürdigkeit der Amtskirche liegt bei null“, merkte ein anderer an.

Die Vorschläge

Mehr Einsatz für die, die von der Gesellschaft an den Rand gedrängt würden, wünschte sich ein junger Besucher: „So könnten Menschen mit Behinderung zu den Veranstaltungen aus ihren Einrichtungen abgeholt werden.“ Eine junge Frau schlug die Eröffnung eines offenes Café in der Stadt vor, wo sich Menschen treffen könnten – und das bitte nicht in kirchlichen Räumen, um die Hemmschwelle niedrig zu halten, bat die Teilnehmerin. Denn eine Kirche, die zu einem harten Kern Strenggläubiger schrumpfe, sei dann nicht mehr ihre Kirche. „Viele junge Menschen leben sehr wohl den Glauben, aber nicht in der Kirche“, stellte ein anderer Teilnehmer fest.

Wäre es nicht besser, statt der Predigt zuweilen ein Predigtgespräch in den Gottesdienst einzubauen, fragte ein älterer Herr. Überhaupt die Gottesdienste! Wenn sie mit ihren Kindern zur Messe komme, empfände sie die Stimmung oft als erdrückend, berichtete eine Frau: „Da fehlt die Fröhlichkeit.“

Dass auch die großen kirchenpolitischen Fragen an der Basis zuweilen anders beantwortet werden als in der Bischofskonferenz oder in der Kurie, blieb in der meinungsfreudigen Atmosphäre dieses Abends auch nicht unerwähnt: „Warum gibt es nicht Frauen als Priesterinnen?“, fragte ein älterer Herr. Als „Durchgangsstation“ dorthin schlug er die Einsetzung von Diakoninnen vor. Mehr Geistliche, mehr Leben in der Gemeinde, so seine Gleichung.

Das Pastoralteam

Es war gekommen, um zuzuhören – das 12-köpfige Pastoralteam mit Pastor Max Offermann an der Spitze. „Wir werden uns schon bald zusammensetzen, um Schlüsse aus diesem Abend zu ziehen“, sagte Sins. Dabei gehe es darum, was vor Ort verändert werden könne: „Wir in Euskirchen werden den Zölibat aber nicht abschaffen können.“

Am 23. Mai soll dann ein weitere Veranstaltung stattfinden, während der mit den Gläubigen beraten werden soll, was getan werden kann und sollte. „Der Abend war dafür sehr motivierend“, freute sich Sins.

Offermann gegen raschere Versetzungen

Kritisch äußerte sich der Euskirchener Pfarrer Max Offermann zu Überlegungen im Erzbistum, die leitenden Pfarrer in zeitlich kürzeren Abständen zu versetzen.

Dieses Thema sei kürzlich bei einer Konferenz angesprochen worden, sagte Offermann während der Veranstaltung „#update“ im Euskirchener Casino am Dienstagabend, nachdem ihn ein Teilnehmer gefragt hatte, wie er sich als Leiter des Pastoralteams in Köln einbringen könne. „Ich denke, dass ich in der Lage bin, auch deutlich zu sagen, was ich für richtig halte oder was nicht“, so Offermann.

Mit Mitbrüdern habe er die Frage gestellt, wie eine Versetzung in kürzeren Abständen zu realisieren sei, wenn die Räume immer größer werden. „Seelsorge hat etwas mit Beziehungen zu tun“, so Pfarrer Offermann. Die könnten aber nur mit der Zeit wachsen. „Das sind so Dinge, die diskutiert werden und wo wir sagen, was wir denken“, erläuterte der Geistliche am Dienstag. (sch)