Leverkusen – Je mehr man sich in der Samstagnacht Opladen näherte, desto lauter wurde es: Siege der deutschen Nationalmannschaft feiern die Leverkusener am liebsten auf ihrer Kö – der Kölner Straße im Herzen Opladens. Und der 7:6-Sieg gegen die Squadra Azzurra musste natürlich ausgiebig zelebriert werden.
Dass die Polizei aus Sicherheitsgründen die Kölner Straße zwischen Neustadtstraße und Menchendahler Straße für den Verkehr sperren ließ, war bei all den Feuerwerkskörpern, die in dem Bereich gezündet wurden, wohl gar keine schlechte Maßnahme im Sinne der Autobesitzer. Der Autokorso suchte und fand allerdings neue Wege. Laut hupend brausten Pkw über den unteren Teil der Kölner Straße. Die riesige Deutschlandflagge, die von der einen bis zur anderen Straßenseite reichte und im Wind flatterte, war keine ernstzunehmende Barrikade – im Schritttempo einfach unten durch.
Fußballfan Johannes Mauer fasste die vorausgegangen 120 Minuten plus Elfmeterschießen in einer bloß ein Wort umfassenden Spielanalyse zusammen: „Geil!“. Gemeinsam mit Freunden hatte der Opladener in der Kneipe Stilbruch drei Stunden lang gebangt, gehofft und gezittert. Hervorragend sei die Stimmung dort gewesen.
Das hätte die Polizei auch zu gerne behauptet. Mehrere Beamte mussten eine Straße weiter kurz nach Abpfiff des Fußballspiels einen Vertreter aus der Gruppe der vermutlich Unbelehrbaren zur Räson bringen. Ihn hatten die Polizisten beim Werfen von illegalen , ultra-lauten Böllern erwischt. Die Böller und so genannte Bengalos wurden unmittelbar nach dem Spielende auf der Kölner Straße gezündet. Es ging ausgelassen, aber vereinzelt auch aggressiv zu: Die verbotene erste Strophe des Deutschlandlieds wurde gehört und der Hitlergruß, wenn auch sehr vereinzelt, beobachtet.
Leere Kneipen
Einen Katzensprung vom Stilbruch entfernt im Zwieback, einer weiteren Opladener Traditionskneipe, blieb es jedoch ruhig. Kellnerin Diana wirkte nach dem Spiel trotz der vielen Gäste noch recht fit: „Die Leute starren während des Spiels alle ganz gebannt auf den Bildschirm. Vor allem beim Elfmeterschießen hat niemand Zeit zu trinken“, erzählte sie. Während eines Elfmeterschießens verlässt sie grundsätzlich nicht ihren geschützten Thekenbereich. „Das geht sonst im Falle des Jubels mit einem Tablett auf dem Arm schief.“
In den Kneipen ohne Fernseher herrschte am Samstag Leere. Offensichtlich gibt es nicht genug Fußballmuffel. Auch auf der eigentlichen Leverkusener Hauptstraße des Fußballs, der Bismarckstraße, ging es im Vergleich zur Kölner Straße geruhsam zu. Eine halbe Stunde nach Abpfiff war der amerikanische Schnellimbiss gegenüber des Stadions der bestbesuchte Laden weit und breit. Was nicht heißt, dass das während des Spiels auch so war. In der Sportsbar Pille fieberten über 200 Fans , fast genauso viele waren es auf der anderen Straßenseite in der Bayer 04-Fankneipe Schwadbud. „So ein Spiel hat die Schwadbud während ihres zweijährigen Bestehens noch nicht erlebt“, befand Chef Bene Dahm. Dass mit Hector ausgerechnet ein Kölner den entscheidenden Elfmeter verwandelt hatte, habe nicht gestört.
Eine Runde Freibier
Gut ein Dutzend Mitarbeiter sorgten für die Versorgung der Gäste. Mit dem Schlusspfiff wurde es für die Kellner besonders stressig: Die Schwadbud spendiert bei Siegen der deutschen Mannschaft eine Runde. Hoffentlich fließt das Freibier auch am Donnerstag beim nächsten Spiel wieder. (mit rar)
