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Missbrauchs-ProzessSchon bei Geburt Missbrauch geplant – Spur nach Nippes

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Das Ortsschild von Bergisch Gladbach

  1. Ein 43-Jähriger aus Bergisch Gladbach ist wegen 79-fachen, zum Teil schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern angeklagt.
  2. Eine Hausdurchsung bei ihm hatte Ermittler auf die Spur von rund 30.000 weiteren Verdächtigen gebracht.

Köln – Die Vaterfreuden von Jörg L. (43) waren gerade mal einen Tag alt, da soll der Bergisch Gladbacher auch schon den Missbrauch seiner gerade geborenen Tochter geplant haben. „Es scheint wahrscheinlich, dass er da schon den Missbrauch ins Auge gefasst hat“, sagte am Donnerstag die leitende Ermittlungsbeamtin (49) vor dem Kölner Landgericht. Ausgewertete Chatprotokolle legten nahe, dass der Familienvater da bereits Treffen mit pädo-sexuellen Chatpartnern und deren Familien angeregt habe, damit sich seine Tochter schnell an sie gewöhne.

Wegen 79-fachen Missbrauchs angeklagt

Der 43-Jährige aus Bergisch Gladbach ist wegen 79-fachen, zum Teil schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern angeklagt. 70 Taten soll er zu Lasten seiner im April 2017 geborenen Tochter begangen haben, die er mit dem eigenen Handy dokumentierte. Bei einer Hausdurchsuchung im Oktober 2019 fand die Polizei eine riesige Menge kinderpornografischen Materials und Chatprotokolle, die die Ermittler auf die Spur von rund 30.000 weiteren Verdächtigen brachte. Den Kampf gegen das Missbrauchsgeflecht stellte die Ermittlerin als Zeugin wie eine Sisyphusarbeit dar: „Mit jedem Verdächtigen, den man ermittelt, geht alles wieder von vorne los“, sagt die 49-Jährige. Denn jeder Verdächtige habe wieder Chatkontakte, die weitere Chatkontakte hätten. „Das wird sich noch eine ganze Zeit hinziehen, eine Prognose kann man da nicht geben.“

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Die Ermittlerin widersprach Berichten, nach denen der Angeklagte bereits frühzeitig im Ermittlungsverfahren bei der Identifikation von pädophilen Chatpartnern mitgeholfen habe. „Wir haben keinerlei Namen bekommen und keine Adressen“, sagte die Kripobeamtin. So habe man Name und Adresse eines Gleichgesinnten eher zufällig in Notizen des Angeklagten gefunden.

Appartement in Nippes gemietet

Auf Nachfrage des Gerichts verneinte die Beamtin, dass Ermittlungen zu Lasten von Nachbarskindern des Angeklagten zu Ergebnissen geführt hätten. In Chats soll der Angeklagte angeblich über solche Taten geschrieben haben. Auch Finanzermittlungen in dem Fall, die herausfinden sollten, ob der Angeklagte für Sex mit Kindern Geld gezahlt habe, hätten zu keinen Ergebnissen geführt. Ebenfalls in einem Chat soll der Angeklagte davon geschrieben haben, eine Hartz-IV-Empfängerin für Sex mit ihrem Kind bezahlt zu haben.

Die 49-Jährige hatte aber auch über eine brandaktuelle Entwicklung zu berichten. Demnach sei am Mittwoch ein Appartement im Kölner Stadtteil Nippes ermittelt worden, das der Angeklagte 2018 für einen in einem anderen Bundesland wegen sexuellen Kindesmissbrauchs Beschuldigten gemietet haben soll. Ob es dort zu Missbrauchshandlungen gekommen ist, dazu machte die Beamtin keine Angaben.

Der Prozess wird am 17. September fortgesetzt. Ein Urteil soll am 30. September fallen.