NiederseßmarSicherer Schulweg – Verkehrsminister weiht zwei Bring- und Holzonen ein

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Minister als Straßenmaler: Knallrote Füße am Fahrbahnrand markieren, dass die Kinder vor dem Überqueren der Straße anhalten und erst auf den Fahrzeugverkehr achten sollen. Den ersten pinselte Hendrik Wüst persönlich auf.

Minister als Straßenmaler: Knallrote Füße am Fahrbahnrand markieren, dass die Kinder vor dem Überqueren der Straße anhalten und erst auf den Fahrzeugverkehr achten sollen. Den ersten pinselte Hendrik Wüst persönlich auf.

Niederseßmar – Eigentlich hätte Hendrik Wüst das letzte Stück zur Schule ja laufen müssen. Schließlich ging es um die Einweihung zweier neuer Bring- und Holzonen für die Grundschule im Gummersbacher Stadtteil Niederseßmar. Aber dem NRW-Verkehrsminister sah man es nach, dass er sich bis vors Schultor bringen ließ – einen besseren Werbeträger für das Konzept zur Schulwegsicherung, das in Niederseßmar umgesetzt wird, konnten sich die Verantwortlichen ja nicht wünschen.

Drei sogenannte „Walking-Bus-Zonen“ wenige hundert Meter entfernt von der Schule gibt es schon. Hier treffen sich die Kinder, die zu Fuß zur Schule gehen wollen, um sich gemeinsam auf den Weg zu machen; ab und an kommt auch ein Erwachsener mit.

Die Kinder finden das prima. Wer viel läuft, bekommt im Rahmen des NRW-„Verkehrszähmerprogramms“ bunte Bändchen und Zaubersterne. Wer genügend Zaubersterne beisammen hat, kann sie beispielsweise für einen hausaufgabenfreien Tag einsetzen. In Niederseßmar wurde vor den Sommerferien ein Eis spendiert.

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Kein Verkehrschaos mehr

Seit Montag gibt es in Niederseßmar auch die beiden Zonen, an denen „Elterntaxis“ die Kinder weit genug vor der Schule absetzen können, um dort das seit Jahren herrschende morgendliche Verkehrschaos zu vermeiden.

Ein Hilferuf der Schulpflegschaft und von Schulleiterin Doris Schmitz hatte die Aktion vor drei Jahren ins Rollen gebracht. Bürgermeister Frank Helmenstein selbst war mehrfach vor Ort – und erlebte Erstaunliches: „Ob wir mit Ordnungsamt oder Polizei hier standen, interessierte niemanden.“ Die Eltern fuhren unverdrossen so dicht wie möglich ran ans Schulgelände.

Zusammen mit dem städtischen Mobilitätsmanager Uwe Winheller und dem Zukunftsnetzwerk Mobilität NRW erarbeitete der bundesweit tätige Verkehrsexperte Jens Leven ein Konzept, wie mehr Kinder ihren Schulweg zu Fuß schaffen können, ohne dass die Eltern in Sorge um ihre Sicherheit sein müssen. Die Stadt tat das Ihre dazu, etwa durch Verlängerung von Grünphasen an Fußgängerüberwegen oder durch den Rückschnitt von Hecken und Büschen, die die Sicht behinderten.

Großteil der Schüler wird gefahren

65 Prozent der gut 200 Niederseßmarer Grundschulkinder wurden bislang von den Eltern chauffiert, einen Rückgang von 15 Prozent hat Jens Leven inzwischen schon festgestellt. Den Fahrzeugverkehr zur Schule zu halbieren, ist das Ziel.

Verkehrsminister Wüst war angetan von den Gummersbacher Ideen – das Lied der Viertklässler „Probier’s mal mit dem Walking-Bus“ zur Melodie aus dem „Dschungelbuch“ nahm er mit dem Handy auf. Hartmut Dirlenbach, seit 35 Jahren Verkehrserzieher bei der Polizei, und seine designierte Nachfolgerin Kerstin Schinkowski hatten das Lied mit den Kindern einstudiert. „Ein Polizist mit einer Gitarre, das sieht man auch nicht jeden Tag“, fand Wüst. „Machen Sie weiter so“, sagte er in Richtung der Stadtoberen.

Das hat die Stadt schon. In Dieringhausen und Derschlag wurde mit der Umsetzung von Schulwegprojekten bereits begonnen; der dafür in Dieringhausen noch notwendige Kreisverkehr wird demnächst gebaut. Die Förderung sei zugesagt, berichtete der Bürgermeister. Ob auch an den anderen sechs Gummersbacher Grundschulen solche Vorhaben umgesetzt werden, hänge von der Lage vor Ort ab: „Wenn die Schulen es wünschen, gucken wir uns das an“, sagt Mobilitätsmanager Winheller.

Inzwischen ist mit dem Lindengymnasium auch an einer ersten weiterführenden Gummersbacher Schule im Rahmen von drei Schüler-Facharbeiten die Vorbereitung für ein Schulwegsicherheitskonzept im Gange.

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