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Nach Stationen in Leverkusen und PotsdamNümbrechterin im Trikot von Atlético Madrid

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Merle Barth wechselte das Potsdam-Trikot gegen das von Athletico Madrid.

Nümbrecht/Madrid – Real Madrid, FC Barcelona, Real Sociedad – so heißen in der neuen Saison die Gegner von Fußballerin Merle Barth. Die 28-jährige Nümbrechterin wagte im Sommer den Sprung nach Spanien und trägt nun das Trikot von Atlético Madrid. Zuvor spielte sie zehn Jahre für Bayer Leverkusen und zuletzt zwei Jahre für Turbine Potsdam. In der Bundesliga kam Barth 178 Mal zum Einsatz, nun steht ein neues Abenteuer an.

Umzug mit zwei Koffern

Das letzte Spiel im Trikot von Turbine Potsdam war gleichzeitig das größte Highlight der Karriere. Zwar verloren die Potsdamerinnen das Finale des DFB-Pokal in Köln vor 17 500 Zuschauern mit 0:4, doch für Merle Barth war es trotzdem ein unvergessliches Erlebnis. Schon zu diesem Zeitpunkt stand fest, dass sie den Vertrag bei Turbine nicht verlängern wird. „Ich habe mir einige Gedanken gemacht, viele Gespräche geführt und meinem Berater signalisiert, dass ich auch für einen Wechsel ins Ausland offen bin“, berichtet die 28-Jährige.

Atlético Madrid klopfte an, beobachtete Barth bei einem Bundesliga-Spiel, gab zunächst ein positives Feedback und legte schließlich das Vertragsangebot vor. „Ein großer und namhafter Verein, damit hatte ich gar nicht unbedingt gerechnet. Ich fand den Club direkt ziemlich cool und konnte mir das sehr gut vorstellen. Auch die Gespräche liefen ziemlich rund“, berichtet die Nümbrechterin. Es folgte der Flug nach Madrid: Medizincheck, Vertragsunterschrift für zwei Jahre, Fotos im Stadion und Präsentation – fertig war der Wechsel.

Wohnung in Potsdam geräumt

Zuvor räumte Merle Barth bereits ihre Wohnung in Potsdam. „Die Kartons habe ich bei meinen Eltern in Nümbrecht abgestellt, die haben sich gefreut“, sagt die 28-Jährige lachend und erklärt: „In Madrid habe ich über den Verein eine möblierte Wohnung erhalten, da ist fast alles vorhanden. Ich bin nur mit zwei großen Koffern mit Klamotten und ein paar persönlichen Sachen umgezogen. Das war eine große Erleichterung.“ Ebenfalls praktisch: Die Wohnung ist in unmittelbarer Nähe zum Trainingsgelände der Atlético-Fußballerinnen, die sich den Campus mit den Junioren-Teams und der Akademie tellen. Zudem wohnen neben, über und unter ihr rund zehn weitere Mitspielerinnen, so dass die Eingewöhnung schnell ging.

„Wir machen viele Aktivitäten zusammen, gehen Essen oder fahren nach Madrid rein. Ich habe schon viel gesehen von der Stadt, die ist super schön und gefällt mir richtig gut.“ Davon überzeugte sich Merle Barth schon an Silvester, als sie den Jahreswechsel in Madrid verbrachte. Dass sie einige Monate später bei Atlético unterschreiben würde, war damals allerdings noch nicht absehbar.

Einzige Deutsche im Kader

Bei Atlético ist die Nümbrechterin die einzige deutsche Spielerin im Kader. Die Kommunikation erweist sich hier und da als etwas schwierig, zumal sie zwar Englisch aber kein Spanisch spricht und die meisten Mitspielerinnen Spanisch aber kaum Englisch können. „Das ist sprachlich nicht ganz so einfach. Aber die Leute sind alle offen, entspannt und mega herzlich, wir verständigen uns mit Händen und Füßen und ich habe mich von Anfang an willkommen gefühlt. Es ist ein richtig geiler Teamspirit und ich hatte noch nicht eine Sekunde das Gefühl, dass es nicht passt. Ich kann schon jetzt sagen, dass es eine total coole Erfahrung ist und ich den Schritt definitiv nicht bereut habe.“

Damit die Verständigung auf dem Platz klappt, lernt Barth schon fleißig Fußball-Vokabeln. „Ich komme immer besser rein, kann viel besser folgen und verstehe die Zusammenhänge.“ Damit auch die Kommunikation neben dem Platz optimiert wird, steht fest: „Ich muss Spanisch lernen, da führt kein Weg dran vorbei. Bald startet über den Club auch ein offizielles Sprachtraining, noch mache ich es mit diversen Online-Programmen“, erklärt Merle Barth.

Spanischer Fußball: Anderer Stil als Deutschland

Gewöhnen musste sie sich auch an den spanischen Fußball. „Das ist schon ein anderer Stil als in Deutschland. Viele Kurzpässe, möglichst keine langen Bälle, viel Ballbesitz, Fokus auf das Kombinationsspiel – anfangs habe ich schon etwas gebraucht, um mich zurechtzufinden, aber jetzt kann ich sagen: mir macht es echt mega Bock“, betont die Defensivspielerin. Dabei verlief der Start zunächst holprig. Eine Woche hatte sie mit der Mannschaft die Vorbereitung absolviert, dann fing sie sich das Corona-Virus ein und fiel erstmal aus. „Mich hat es schon ordentlich erwischt und ich war erstmal eine Woche komplett raus“, berichtet die Nümbrechterin. Anschließend startete sie mit Individualtraining und kehrte dann erst wieder zur Mannschaft zurück – kein optimaler Start.

Inzwischen hat sich Merle Barth zurückgekämpft, kam bereits in drei Testspielen zum Einsatz. „Da war ich recht zufrieden mit meiner Leistung und werde weiter ordentlich Gas geben. Ob es dann zum Liga-Auftakt reicht, ist schwierig einzuschätzen“, sagt sie.

Ein Testspiel-Highlight steht am Freitag an. Am Donnerstag landeten die Atlético-Fußballerinnen in München und treffen einen Tag später auf den FC Bayern – für Merle Barth ist es ein Wiedersehen mit vielen bekannten Gesichtern aus der Bundesliga. „Wir haben uns viel hin und hergeschrieben, sind gespannt und freuen uns auf das Spiel.“

Kurztripp nach Nümbrecht

Es ist das Duell zwischen dem deutschen Vizemeister und dem Tabellenvierten der spanischen Liga. Genau wie Turbine Potsdam verpasste auch Barths neuer Club die Qualifikation für die Champions League knapp. Ein neuer Anlauf soll in der kommenden Saison genommen werden. Bereits im ersten Spiel steht am zweiten Septemberwochenende das Aufeinandertreffen mit Real Sociedad, vergangene Saison auf Rang zwei, an. Die weiteren großen Konkurrenten sind der sehr dominante FC Barcelona sowie Real Madrid – klangvolle Namen.

Da nun der Spielplan feststeht, hat auch die Besuchsplanung bei Familie und Freunden begonnen. „Es haben sich schon einige angemeldet, die nach Madrid reisen wollen an einem Heimspiel-Wochenende“, sagt Merle Barth lachend. In die Heimat hält sie regelmäßigen Kontakt, telefoniert und schreibt viel – und war am vergangenen Wochenende zum Kurztrip in Deutschland. Ihr Bruder heiratete standesamtlich in Wiehl und anschließend wurde in Köln gefeiert. Es war ihr erster Besuch seit ihrem Wechsel nach Spanien.