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Pflege älterer Menschen 850 Oberberger Senioren nehmen an Projekt teil

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Ein Mitarbeiter eines Alten- und Pflegeheims hält die Hand einer Bewohnerin (Symbolbild). 

Oberbergischer Kreis – Das Erklärvideo verspricht: „So viel Zeit hat sich noch nie jemand für Sie genommen.“ Jeder bekommt einen eigenen Fallmanager und einen direkten Draht zu einem Arzt.

Im Gegenzug erklären sich die teilnehmenden Seniorinnen und Senioren bereit, ihre medizinischen Daten auf einer digitalen Plattform zu hinterlegen. In dieser Weise sollen die Menschen (und das Gesundheitswesen) vor vermeidbaren Rettungsdiensteinsätzen und Krankenhausaufenthalten, aber auch vor Fehlbehandlungen geschützt werden.

Dezernent hatte Projekt vor drei Jahren beantragt

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Das ist in etwa der Gedanke von „Oberberg fair_sorgt“. Kreissozialdezernent Ralf Schmallenbach hat am Dienstag angekündigt, dass das Pilotprojekt am 1. April endlich startet. Der Projektantrag liege schon drei Jahre zurück, berichtete Schmallenbach. Bürokratischer Aufwand und Corona-Beschränkungen hätten den Vorlauf erheblich verlängert.

„Ich bin ein ungeduldiger Menschen, das hätte viel schneller gehen müssen“, urteilt der Dezernent. „Die Not ist groß in der Region. Wir wollen vulnerablen Menschen, die zu Hause leben wollen, mehr Zuwendung geben.“

Oberberg fair_sorgt

Das Projekt soll die Versorgung pflegebedürftigern Seniorinnen und Senioren im Oberbergischen Kreis verbessern. Ziel ist eine vernetzte und damit bedarfsgerechtere Pflege und medizinische Betreuung, sodass Pflegebedürftige länger im eigenen Zuhause leben können und unnötige Krankentransporte und Krankenhausaufenthalte vermieden werden.

Teilnehmen können pflegebedürftige Oberberger und Oberbergerinnen, die älter als 65 Jahre alt und bei der AOK versichert sind. Zunächst sollten sich diese mit ihrem Hausarzt in Verbindung setzen. (tie)

Schmallenbach ist stolz darauf, dass der Innovationsausschuss des deutschen Gesundheitswesens den oberbergischen Pionieren stattliche 11,2 Millionen zur Verfügung stellt. Die Zukunft der Pflege soll einen Probelauf erleben: Diese ist nah dran an den Menschen, obwohl und gerade weil sie digital gestützt ist.

Projektpartner ist die AOK, die in Oberberg mit rund 18.000 Versicherten etwa 40 Prozent der Zielgruppe unter Vertrag hat. Zudem sind unter anderem das Klinikum Oberberg und die Uni Köln beteiligt. Projektleiterin Dr. Jessica Möltgen kündigt an, dass sieben Fallmanager eingestellt werden sollen, die sich jeweils um etwa 130 Senioren kümmern.

850 Patientinnen und Patienten können teilnehmen, jeweils etwa 280 werden in drei Gruppen von April, Juni und Oktober an mindestens ein Jahr an dem Programm teilnehmen. Es sind noch Plätze frei.

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Zum Projektstart gab es hoffnungsvolle Statements von allen Seiten: Dr. Ralph Krolewski, Vorsitzender des oberbergischen Hausärzteverbands kündigte an, dass er noch in dieser Woche seine Kollegen bei einer Fortbildung zum Mitmachen bewegen will. Er erhofft sich Entlastung: „Über die Kommunikationsplattform können viele Fragen auch ohne Praxisbesuch schnell gelöst werden.“ Uwe Söhnchen verspricht sich ebenfalls viel von der digitalen Vernetzung: „Wir haben sonst keine Chance, die geburtsstarken Jahrgänge zu Hause zu versorgen, wenn diese bald alt werden.“

Dr. Achim Viktor, Kardiologe im Klinikum Oberberg, sieht Handlungsbedarf wegen „Pseudo-Notfällen“ und Patienten, die mit einer widersprüchlichen Medikation eingeliefert werden. Ein Nutzen werde die Auswertung des Projekts ab Juli 2022 auf jeden Fall ergeben, glaubt Viktor: „Die Vernetzung der Gesundheitseinrichtungen in Oberberg wird bleiben.“