Warum waren Polizisten aus Oberberg in Siegen im Einsatz? Wir haben bei Marco Faka, Leiter des Gummersbacher VU-Teams, nachgefragt.
PolizeiarbeitVU-Team aus Oberberg sicherte jüngst Spuren bei tödlichem Unfall in Siegen

Ein 23-Jähriger war vor gut einer Woche in Siegen von einem Traktor mit Wassertank überrollt worden. Er starb noch an der Unfallstelle.
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Vor gut einer Woche, am 19. August, hat sich in Siegen ein schwerer Unfall ereignet. Ein 23-Jähriger wurde in der Innenstadt von einem städtischen Traktor überrollt und starb noch am Unfallort. Gegen den Fahrer (28) des Traktors ermittelt laut mehreren Medienberichten nun die Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Tötung. Der Mitarbeiter der Stadt war im Traktor mit Wasserfass am Herrengarten unterwegs, um Bäume zu bewässern. Beim Rückwärtsfahren überrollte er den Fußgänger.

Marco Faka ist Leiter des Verkehrsunfalllaufnahme-Teams der Polizei in Oberberg.
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Die Spuren des schweren Verkehrsunfalls sicherte ein Verkehrsunfallaufnahme-Team (VU-Team) aus Gummersbach. Die Auswertung und die Ermittlungen laufen aktuell auf Hochtouren. Doch warum genau waren Polizisten aus Oberberg in Siegen im Einsatz? Wir haben bei Polizeihauptkommissar Marco Faka, Leiter des Gummersbacher VU-Teams, nachgefragt.
Warum wurde das VU-Team aus Oberberg für die Untersuchung in Siegen angefordert?
„Das VU-Team aus Gummersbach ist alarmiert worden, weil es das zur Unfallzeit nächstgelegene Team im Präsenzdienst war“, sagt Marco Faka. Ein solcher Verkehrsunfall – insbesondere mit tödlichem Ausgang – muss durch ein speziell ausgebildetes Team der Polizei in objektiver Hinsicht, also in Form einer Spurensicherung vor Ort, aufgenommen werden. Das ist seit 2023 klar geregelt (siehe Kasten), landesweit wurden dafür 17 VU-Teams gegründet. Mit speziellen Geräten und Techniken werden Spuren dokumentiert – all das „immer mit dem Ziel, einen Unfallhergang rekonstruieren zu können“, betont Marco Faka.
Gibt es eine feste Regelung, welches VU-Team wo eingesetzt werden kann?
Mit der Einführung der VU-Teams wurde per Erlass auch ein Anforderungskatalog entwickelt, wonach die Einsatzortbehörden diese Teams für Verkehrsunfälle mit folgenschweren Ausgängen anzufordern haben, erläutert Marco Faka. Priorität haben Unfälle mit tödlichem Ausgang oder Fälle, bei denen nach Rücksprache mit dem Notarzt mit dem Ableben mindestens eines Unfallbeteiligten zu rechnen ist.
Gibt es so etwas wie eine Neutralitätspflicht bei solchen Untersuchungen?
„In der Tat haben wir eine Neutralitätspflicht. Dies bezieht sich jedoch nicht nur auf die Tätigkeit eines VU-Teams, sondern betrifft jegliches hoheitliches Handeln bei der Polizei“, betont Marco Faka und ergänzt: „Wir als VU-Team haben nur eines im Sinn: die im besten Fall lückenlose Aufklärung eines Unfallherganges.“ Dennoch sei auch durch das NRW-Ministerium klargestellt worden, dass VU-Teams in der eigenen Behörde als „neutral“ anzusehen sind. Faka sagt: „Aus diesem Grund wäre es auch kein Problem, wenn wir als VU-Team einen Verkehrsunfall – zum Beispiel unter Beteiligung eines Dienst-Kfz – im eigenen Kreis aufnehmen würden.“
Wie weit dürfen Einsatzorte höchstes entfernt sein? Gibt es Entfernungsgrenzen?
Faka erklärt: „Die Wahl der Standorte richtet sich nach den Unfallhäufungszahlen sowie der regionalen Verteilung in NRW. Dadurch, dass nicht jede Kreispolizeibehörde ein eigenes VU-Team besitzt, sind die VU-Teams nach der aktuellen Verfügbarkeit und nach dem ,Nächstgelegenenprinzip’ zu alarmieren.“ Es gibt also keine festgelegten Entfernungsgrenzen, Schluss ist erst an den Landesgrenzen.
Wie häufig war das Gummersbacher VU-Team in diesem Jahr schon im Einsatz?
Das insgesamt zehnköpfige VU-Team aus Gummersbach (bestehend aus sieben Polizeivollzugsbeamtinnen und -beamten und drei Regierungsbeschäftigten) habe dieses Jahr einen gehörigen Anstieg an Alarmierungen verzeichnet, sagt Faka, der jedoch keinen ersichtlichen Grund dafür erkennen kann. Er berichtet: „Mit dem Stand von heute (Anmerkung der Redaktion: 26. August) haben wir bereits 75 Einsätze wahrgenommen. Damit haben wir bereits jetzt die Zahlen des Vorjahres deutlich überschritten.“
Über die Aufnahme schwerster Verkehrsunfälle hinaus unterstützte das VU-Team zudem bei weiteren Einsätzen. „Erwähnenswert hier sind Einsätze, bei denen wir mit unserer zur Verfügung stehenden Drohne unterstützen können – Luftbildaufnahmen bei Außentatorten der Kriminalpolizei oder bei Aufklärungsflügen, wie kürzlich bei dem Großbrand im Hürtgenwald“, ergänzt Marco Faka.
Das sagt Innenminister Herbert Reul über die Arbeit der VU-Teams
Nach Einrichtung der landesweit 17 VU-Teams der Polizei hatte sich NRW-Innenminister Herbert Reul wie folgt geäußert: „Die Digitalisierung im Straßenverkehr betrifft auch die Spurensuche nach einem Unfall. Das macht entsprechende Spezialisten bei der Polizei unerlässlich. Was an einem Tatort die Spurensicherung ist, ist an einem Unfallort künftig das VU-Team.“
In modernen Fahrzeugen sei heute eine Vielzahl von Fahrerassistenzsystemen verbaut, die dazu führen, dass das klassische Spurenbild in Form von Brems- und Blockierspuren am Unfallort teilweise nur schwer vorzufinden sei, heißt es vonseiten des Innenministeriums. Gespeicherte Informationen aus Steuergeräten könnten unfallrelevante Daten liefern. Deshalb werden laut Innenministerium alle VU-Teams mit speziellen Fahrzeugen, 3D-Scannern, Drohnen und Technik zum Auslesen digitaler Daten ausgestattet.
2023 wurden die VU-Teams in Nordrhein-Westfalen, darunter auch das Oberbergische, nach landeseinheitlichen Standards neu strukturiert. Die speziellen Teams der Polizei sollen vor allem bei Verkehrsunfällen mit Getöteten und Schwerstverletzten, aber auch bei Verkehrsunfällen nach verbotenen Kfz-Rennen mit Personenschaden zum Einsatz kommen. „Im schlimmsten Fall geht es um die Frage, wer für einen Unfall mit Todesfolge zur Rechenschaft gezogen wird. Eine gute und professionelle Unfallaufnahme verhilft letztlich Opfern und Angehörigen zu ihrem Recht“, betonte Innenminister Herbert Reul.
