Ja-Wort mit AmbienteDas sind Oberbergs originellste Locations zum Heiraten

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Foto von einer Frau und einem Mann bei der standesamtlichen Trauung.

In der Jahrhunderte alten Burg Denklingen starteten Jill und Tim Schulze jetzt ins gemeinsame Leben.

Über den Baumwipfeln in Waldbröl, in der Tropfsteinhöhle in Wiehl oder auf Schloss Gimborn: Oberbergs Standesämter machen vieles möglich.

Die Sonne lässt sich nicht blicken, dafür strahlt das frischgetraute Ehepaar Jill und Tim Schulze umso mehr. Vor der Burg Denklingen nehmen beide Glückwünsche und Luftballons entgegen. Das Paar aus Wildbergerhütte hatte sich für das Jahrhunderte alte Gebäude als Ort der standesamtlichen Trauung entschieden. „Uns gefällt die altertümliche Optik der Burg, sie passt einfach gut zu uns“, sagt Tim Schulze. Die Trauung vollzog am einprägsamen 23. Februar 2023 Standesbeamtin Heike Himmeröder.

Seit 2004 kann in der Burg geheiratet werden. Im Vorjahr nutzten 43 Paare die Gelegenheit, für 2023 gibt es schon 30 Anmeldungen. „Da viele Paare auf die kirchliche Trauung verzichten, rückt der standesamtliche Akt mehr in den Fokus“, sagt Waldemar Baranski, Ressortleiter und Standesbeamter der Stadt Gummersbach. Die sogenannte Ambiente-Trauung am außergewöhnlichen Ort spiele eine immer größere Rolle.

In Waldbröl heiraten die Paare in 40 Metern Höhe

Kreisweit gehen die Standesämter auf die Nachfrage ein: Sie platzieren die Tische und Stühle in den Burgen in Denklingen und Bielstein, in den Schlössern in Nümbrecht, Ehreshoven und Gimborn oder in den Museen in Eckenhagen oder Bickenbach. Sie nehmen die Unterschriften in 40 Metern Höhe auf dem Aussichtsturm im Naturerlebnispark „Panarbora“ in Waldbröl oder 30 Meter unter der Erde in der Tropfsteinhöhle in Wiehl entgegen. Das Gummersbacher Standesamt traute 2022 in Gummersbach und Marienheide 264 Paare. Von diesen Eheschließungen fanden 78 auf Schloss Gimborn und zehn im Hotel „Wyndham Garden“ in Windhagen statt.

Da viele Paare auf die kirchliche Trauung verzichten, rückt der standesamtliche Akt mehr in den Fokus.
Waldemar Baranski, Standesbeamter der Stadt Gummersbach

In Morsbach gab es 2022 genau 57 Trauungen, mehr als die Hälfte im renovierten Bahnhof von 1898, wo seit 2021 geheiratet wird. „Innerhalb von eineinhalb Jahren hat sich die Zahl der Trauungen dort verdoppelt, Tendenz steigend“, meldet Nadja Schwendemann vom Morsbacher Standesamt. Mittlerweile reisten sogar Paare aus München und Hamburg zur Trauung im Bahnhof an. Ein Service rund um den eigentlichen Verwaltungsakt wird oft mit angeboten: In Morsbach gibt es Musikanlage und Klavier, der Bahnhof kann übers Wochenende gemietet werden. In der Tropfsteinhöhle in Wiehl werden Kerzenleuchter und Stuhl-Hussen bereitgestellt.

„Auch bei uns gehört die intensive Beratung der Paare dazu“, betont Walter Jordan, Leiter des Heimatmuseums in Bergneustadt. Dank ihm und ausgebildeten Ehrenamtlichen sind in dem Bergneustädter Museum Trauungen an sieben Tagen in der Woche möglich. Dieses Angebot nutzen bis zu 70 Paare jährlich. „Die Sitzordnung im Trauzimmer ist so gewählt, dass sich Hochzeitspaar und Gäste in die Augen schauen können“, verrät Jordan.

Waldbröl traut sogar im privaten Garten 

Über die Baumwipfel blickt in Waldbröl: „Getraut wird bei uns oben auf der Plattform oder auf dem Baumwipfelpfad des Turms“, informiert Panarbora-Mitarbeiter Christian Eidmann. Dafür werde der entsprechende Bereich kurz gesperrt. Wer sich in dieser Zeit traut, zahlt 1000 Euro Miete, außerhalb der Öffnungszeit sind es 500 Euro. Exklusives Ambiente kostet: die Nutzung des Morsbacher Bahnhofs 60 Euro, für das Burghaus Bielstein sind 260 Euro zu zahlen, beim Heimatmuseum Bergneustadt beträgt die Miete 400 Euro.

Keine Miete zahlen Heiratswillige dagegen bei einem Angebot der Stadt Waldbröl: Hier kommt die Standesbeamtin auch in die privaten Gärten. Das begann in der Pandemie: „Damals eine gute Möglichkeit, um ältere Verwandte zu schützen“, weiß Anette Happ vom Waldbröler Standesamt. Und weil das sehr gut ankam, sagte die Stadt einfach „Ja“ zu weiteren Trauungen auf heimischem Rasen.


Hier kann geheiratet werden:

Bergneustadt: Heimatmuseum, Wallstraße 1.

Engelskirchen: Saal oder Park von Schloss Ehreshoven. LVR-Museum Oelchenshammer, Oelchensweg. Ehemaliger Ratssaal in Ründeroth, Rathausplatz 1.

Gummersbach/Marienheide: (wegen interkommunaler Zusammenarbeit gemeinsam): Schloss Gimborn, Schlossstraße 10. Demnächst: Vogtei in Gummersbach.

Lindlar: Altes Amtshaus, Am Marktplatz Im „Weißen Pferdchen“, (Hohkeppel) Schloss Georghausen, Weißer Salon (Georghausen).

Morsbach: Kulturbahnhof, Bahnhofstraße 40. Nümbrecht: Schloss Homburg, Reichshof: Burg Denklingen, Hauptstraße (Denklingen). Heimatmuseum, Hauptstraße 20,(Eckenhagen)

Waldbröl: Panarbora (auf der oberen Plattform oder auf dem Baumwipfelpfad des Turms, Nutscheidstraße 1. Im eigenen Garten, die Standesbeamtinnen kommen dorthin.

Wiehl: Burghaus, Burgstraße 9,(Bielstein). Tropfsteinhöhle, Pfaffenberg 1.

Wipperfürth: Schienenbus, An der Bahntrasse, Egener Straße 7. Weinbar im „Haus am Markt„, Marktplatz 17. 

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