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BrauchtumIn Drabenderhöhe ist schon Ostern

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Eine Handy zeigt Osterdeko, dahinter eine Lichterkette.

Die Hasen kommen: Das Bild aus einem Drabenderhöher Geschäft sorgt für Diskussion. Geht es auch ohne Konsumterror?

In manchen oberbergischen Geschäften tauchen die ersten Dekohasen auf. Die Vertreter der christlichen Kirchen sind nicht begeistert.

Es ist eine wahre Invasion der Osterhasen. In der Auslage des Geschäfts konkurrieren sie mit den letzten rotnasigen Rentieren und blinkenden Lichterketten zum Schnäppchenpreis. Gernot Ratajek-Greier, evangelischer Pfarrer in Wiehl-Drabenderhöhe, reibt sich die Augen, als das aktuelle Foto aus seiner Gemeinde auf seinem Handy landet, geht doch die Weihnachtszeit nach christlichem Verständnis noch bis zum 2. Februar (siehe unten).

Manch einer trennt sich in diesen Tagen schweren Herzens vom Weihnachtsbaum, in vielen Kirchen sind die drei Könige gerade erst an den Krippen angekommen. Doch schon lauern Heerscharen süßer Häschen in den Lagern der Supermärkte und Discounter, um die letzten grinsenden Schoko-Weihnachtsmänner aus den Regalen zu verdrängen.

Drabenderhöher Pfarrer beklagt Unwissen

„Da ist offenbar das Gefühl für die Jahreszeiten verloren gegangen“, sagt Gernot Ratajek-Greier. „Viele kennen offenbar nicht mehr den Sinn der christlichen Feste. Was ist Weihnachten? Was ist Ostern?“, stellt der Pfarrer kopfschüttelnd fest. Antworten wie „Irgendwas mit Jesus“, bekomme er manchmal zu hören, und selbst seine Konfirmanden wollten kaum glauben, dass Ostern das höhere kirchliche Fest sei als Weihnachten, schließlich gebe es an Weihnachten die Geschenke. „Und bei Pfingsten hört es ganz auf.“

„Die Menschen sind ein bisschen verrückt geworden“, meint der katholische Kreisdechant Christoph Bersch. In einer pluralistischen Gesellschaft habe jeder die Freiheit, es mit den zu Festen zu halten, wie er will. Ob Fest der Familie, Fest des Schenkens, Lichterfest. Er beobachte allerdings, dass die Flucht in den Konsum bei vielen zu Überdruss führe. Das erlebt auch der Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises an der Agger, Michael Braun. Mitarbeiter hätten ihn gebeten, im Advent keine Weihnachtsfeier zu veranstalten, weil diese sich häuften: im Kindergarten, Sportverein, im Betrieb. „Weihnachten war für viele ein Hort von Stressfaktoren“, bedauert Braun. Nicht umsonst steige gerade an den Feiertagen die Zahl der Anrufe bei der Telefonseelsorge.

Die Menschen sind ein bisschen verrückt geworden.
Christoph Bersch, katholischer Kreisdechant

Ein Mann habe ihm auf die Frage, welchen Ort er mit Weihnachten verbinde – die Krippe, den Stall, die Kirche – geantwortet: „die Autobahn“, berichtet der evangelische Superintendent. „Er ist an einem Tag 780 Kilometer gefahren, um sein streng getaktetes Besuchsprogramm bei Oma, Schwester, Tante und Eltern zu absolvieren. Das tut den Menschen nicht gut.“ Dabei sollte die Weihnachtszeit doch eine Zeit der Besinnung sein. Eigentlich.

Ein ursprünglich heidnisches Fest, das einen unbesiegbaren römischen Gott feiert, sei damals mit christlichen Inhalt gefüllt worden, erinnert Kreisdechant Bersch. Jetzt gehe die Entwicklung in die umgekehrte Richtung. Deutlich zu sehen sei das am Erfolg des Halloween-Brauchtums, das auf das christliche Allerheiligen-Fest zurückgehe, ein Fest, zu dem Jesus den Toten das Licht bringe und den Lebenden in den dunklen Nächten die Hoffnung.

Auch Ostereier und Hasen seien klassische heidnische Symbole für neues Leben, merkt Superintendent Braun an. Wenn sie jetzt schon verkauft würden, gehe es natürlich allein darum, noch mehr Geld zu verdienen. So wie in Rothenburg ob der Tauber, wo das ganze Jahr über Weihnachtsartikel verkauft werden – auch bei sommerlichen 30 Grad.

„Das Fest wird leer. Ich verstehe Christinnen und Christen, die kritisieren, dass ihnen durch diese Überlagerung Weihnachten und Ostern gestohlen werden“, sagt Braun. Letztlich müsse jeder selbst entscheiden, wie er feiern will. Er aber empfehle zumindest, mal eine Pause einzulegen. „Viele Leute sind jetzt nach den Festen in einem halben Koma und freuen sich auf das Arbeitsleben. Das kann nicht Sinn und Zweck sein. Man braucht auch die stille Zeit.“

Kreisdechant Bersch lädt dazu ein, die Krippe in einer Kirche zu besuchen. „Da liegt ein Kind in der Mitte, keine gigantische Lichterkette und kein Geld.“


Die Weihnachtszeit

Die Weihnachtszeit im engeren Sinne reicht bis zum Fest der Erscheinung des Herrn (Epiphanias), auch bekannt als Dreikönigstag, am 6. Januar. Dieses Datum gilt für das evangelische und das katholische Kirchenjahr gleichermaßen. Der weitere Festkreis um Weihnachten endet mit dem Fest Mariä Lichtmess am 2. Februar. Bis zu diesem Tag lassen viele Christinnen und Christen den Weihnachtsbaum stehen. Eier- und Hasendekoration stellen sie erst am Ostersonntag auf, in diesem Jahr also am 5. April.